Süßstoff - für Kinder keine Alternative!

Süßstoff - für Kinder keine Alternative!

© fotolia, Oksana Kuzmina

Schon Babys hegen eine Vorliebe für Süßes: Kein Wunder, denn sogar Muttermilch hat einen leicht süßlichen Geschmack. Diese Geschmacksvorliebe behalten die meisten Menschen ihr Leben lang bei, was man auch am Umsatz der Süßwarenindustrie sieht: Süßigkeiten im Wert von 14 Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland verkauft.

Besonders ausgeprägt ist die Vorliebe für alles Süße im Kindesalter. Doch zu viel Zucker ist ungesund: Im Mund fördert er Karies und greift die Zähne an. Weil Zucker sehr kalorienreich ist, führt er zu Übergewicht. Bei Kindern, die unter ADHS leiden, steht er im Verdacht, die Konzentrationsfähigkeit herabzusetzen und die Unruhe noch zu fördern. Aber ist es wirklich gesünder, Kindern stattdessen süßstoffhaltige "Light"-Produkte anzubieten?

Ist Süßstoff die Lösung des Problems?

Sehr süß, jedoch fast kalorienfrei und unschädlich für die Zähne: Süßstoff scheint die Lösung zu sein. In der Europäischen Union sind derzeit acht Süßstoffe zugelassen, die man an den E-Nummern auf der Zutatenliste erkennt:

Acesulfam-K (E 950), Aspartam (E 951), Cyclamat (E 952), Saccharin (E 954), Sucralose (E 955), Thaumatin (E 957), Neohesperidin DC (E 959), Aspartam-Acesulfamsalz (E 962)

Wenn irgendwo "Light", "Wellness" oder "zuckerfrei" draufsteht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Aspartam oder ein anderer Süßstoff enthalten ist. Diese Süßstoffe werden hauptsächlich in Getränken, Süßigkeiten, kalorienreduzierten Desserts, zuckerfreien Kaugummis und anderen, kalorienarmen Lebensmitteln eingesetzt. Auch in manchen Arzneimitteln wird Süßstoff verarbeitet, was besonders Allergiker beachten müssen.

Die meisten dieser Stoffe werden vom Körper nicht umgebaut und aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden. Weil die Bakterien im Mund den chemischen Süßstoff nicht in Säure umwandeln können, greift Süßstoff auch nicht den Zahnschmelz an - ist also für Kaugummis durchaus sinnvoll und empfehlenswert.

Kinder erreichen Grenzwerte

Doch Süßstoff hat andere Nachteile: Als Lebensmittelzusatzstoffe unterliegen alle Süßstoffe der EU-Süßungsmittel-Richtlinie. Diese sieht Höchstmengen für die tägliche Aufnahme vor, die auch abhängig vom Körpergewicht sind. Ein Erwachsener müsste ca. 7 Liter künstlich gesüßte Limonade täglich trinken, um diesen Wert zu überschreiten. Bei Kindern ist dies jedoch anders: Hier genügt schon eine Menge von ca. 700 ml, um den kritischen Wert zu erreichen.

Realtiv neu auf dem Markt ist Stevia, ein Süßungsmittel, dass aus der Stevia Pflanze gewonnen wird. Aber auch hier ergibt sich das gleich Problem: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt eine tägliche Aufnahmemenge von 4 Milligramm Steviolglycoside pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich an. Doch auch dieser Wert wird überschritten, wenn Kinder große Mengen mit Steviolglycosid gesüßte Erfrischungsgetränke wie z. B. Limonade, Cola oder Eistee trinken.

Süßstoff: Starker Gewöhnungseffekt

Der süße Geschmack täuscht dem Gehirn aber nur vor, das nun jede Menge Zucker kommt, der auch für den Hirnstoffwechsel wichtig ist. Doch Süßstoff liefert keine Energie und das Gehirn geht leer aus. Deshalb signalisiert der Kopf: Mehr Süßes! Durch zuviel Süßstoff kann sich deshalb Heißhunger auf alles Süße entwickeln. Genau diesen Mechanismus macht man sich in der Schweinemast zunutzen. Hier wird Süßstoff als Mastmittel verwendet. Dem Futter beigemengt veranlasst es die Tiere, größere Mengen zu sich zu nehmen.

Außerdem findet durch stark gesüßte Getränke und Speisen bei Kindern ein starker Gewöhnungseffekt statt. Menschen, die als Kind sehr süß gegessen haben, essen häufig auch als Erwachsene gerne und viel Süßes und haben daher oft mit Übergewicht zu kämpfen.

Deshalb mein Rat: Lieber Kindern selten ein kleines Glas richtige Limonade als etwas Besonderes anbieten, als regelmäßig künstlich gesüßte Getränke und Speisen. Wer als Eltern die Ernährungspyramide vor Augen hat weiß, dass alles Süße den kleinsten Teil ganz oben an der Spitze einnimmt. Die Basis jeder Ernährung sollten Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Getreideprodukte bilden. Süßes sollte im Interesse der Kinder nicht zur Regel werden, sondern die Ausnahme bleiben.

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