Sprache beim Kind - "was ist normal"?

Sprache beim Kind - was ist normal?

© Adobe Stock, Dmitry Ersler

Sprache und Sprachentwicklung sind wichtige Themen in meinem Forum und viele von Ihnen, liebe Eltern, machen sich Gedanken dar√ľber. Bevor Sie sich unn√∂tig Sorgen machen, m√∂chte ich zun√§chst noch einmal betonen, dass die normalen Unterschiede gro√ü sind.

Denn Kinder von 1¬Ĺ bis 2¬Ĺ Jahren k√∂nnen durchaus denselben Sprachstand haben. Im Zweifelsfall sollten Sie immer Ihren Kinderarzt um eine Untersuchung der Gesamtentwicklung Ihres Kindes bitten, denn nur so kann man echte Probleme erkennen.

Mit Zwei: Die ersten Minisätzchen

Zwischen 18 und 24 Monaten fangen die meisten Kinder an 2-Wortsätze zu bilden. Dabei nehmen sie Bezug auf das Vorhandensein und die Veränderung von Gegenständen: "Auto da", "Wauwau weg" und beschreiben auch schon Handlungen: "Lisa essen". Mit 2 Jahren beginnt auch das 1. Fragealter: "Is’n das?" Ihr Sprachverständnis ist ihrem Wortschatz weit voraus: "gib mir den Ball", "heiß", "wo ist die Nase", ... all das wird verstanden. Von 10 einfachen Gegenständen auf einem Bild werden 2 bis 3 richtig benannt.

Im 3. Lebensjahr machen die Kinder dann deutliche Fortschritte in der Grammatik. Es werden Drei- und Mehrworts√§tze gebildet und die Verben an die richtige Stelle gesetzt. Auch in diesem Lebensabschnitt sind die Unterschiede zwischen Kindern sehr gro√ü und viele holen erst im 4. Lebensjahr rasch ihren "R√ľckstand" auf.

Mit Vier: Das Fragealter beginnt

Im 4. Lebensjahr explodiert dann geradezu der Wortschatz und mit dem 2. Fragealter beginnen die Kinder, uns "Löcher in den Bauch" zu fragen - wer, wo, wann, warum?

Mit 4 Jahren haben Kinder etwa einen Wortschatz von 1200 W√∂rtern. Sie k√∂nnen ihren Vor- und Nachnamen sagen, eventuell auch die Adresse und reden von sich selbst in "Ich-Form". Kurze Geschichten und Erlebnisse k√∂nnen erz√§hlt werden. Ganz beliebt sind kleine Lieder und Reime. Nebens√§tze werden gebraucht. Einzelne Lautbildungen ("S, Sch, T/K") d√ľrfen noch unvollkommen sein. Das Sprachverst√§ndnis ist jetzt weit entwickelt und ein Kind kann jetzt z. B. einen "Doppelauftrag" ausf√ľhren und versteht den Unterschied von "leg etwas auf / unter den Tisch". Es kann Fragen beantworten wie: was musst du tun, wenn du Hunger hast / wenn dir kalt ist,...

Mit F√ľnf: Korrekte Grammatik

Mit 5 Jahren ist die Sprache dann komplett in Bezug auf die Wortbildung (Artikulation) und die Struktur (Grammatik). Wenn hierbei noch deutliche Probleme bestehen, muss der Kinderarzt pr√ľfen, ob es eine besondere Ursache daf√ľr gibt und welche Behandlung n√∂tig ist.

Die Kinder k√∂nnen sich jetzt ganz normal unterhalten, kritisieren, loben, Geschichten erz√§hlen. Es werden jetzt auch Fragen nach der Bedeutung von Worten gestellt: "wie hei√üt das..., wozu braucht man...?" Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden korrekt verwendet. Ein Kind kann jetzt z. B. 4 Farben und die Finger an einer Hand benennen. Auch im Bereich des Sprachverst√§ndnisses ist jetzt ein gro√üer Sprung passiert. Kinder k√∂nnen jetzt in Beziehungen denken und abstrakt √ľber die direkte Situation hinaus: "Was musst du tun, bevor du √ľber die Stra√üe gehst?". 3 Dinge, um die man das Kind bittet, kann es in richtiger Reihenfolge absolvieren. Sprache wird jetzt richtig als Mittel der Kommunikation verstanden und eingesetzt.

Sprachstörungen erkennen und behandeln

Eine "Spezifische Spracherwerbsst√∂rung" liegt vor, wenn Kinder bei normaler Intelligenz und ohne organische St√∂rung einen erheblichen R√ľckstand in der Sprachentwicklung zeigen, der vor allem die Grammatik betrifft. Davon unterscheiden muss man die v√∂llig normalen "Sp√§tsprecher", die keine Behandlung sondern einfach nur Geduld und gute F√∂rderung brauchen. Mit 3 Jahren ist in der Regel eine klare Einordnung des Problems m√∂glich.

Diese Tipps geben Ihnen einen √úberblick √ľber die wichtigsten "Meilensteine" der Sprachentwicklung. Die Unterschiede von Kind zu Kind d√ľrfen gro√ü sein. Aber immer, wenn Sie sich √ľber die Entwicklung ihres Kindes Sorgen machen, sollten Sie sich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt wenden.

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