Ohrloch stechen - ab wann und wie?

Ohrloch stechen - ab wann und wie?

© fotolia, angiolina

In vielen Ländern ist das ein ganz alltäglicher Anblick: Kleine Mädchen, die noch nicht laufen können, aber schon glitzernde Steinchen oder goldene Ringlein an den Ohren tragen. Bei uns wird das eher kritisch gesehen. Ein Kleinkind mit Ohrringen kann hier schon mal für böse Kommentare sorgen.

Ganz unabhängig von der persönlichen Einstellung dazu, die sicher auch vom kulturellen Hintergrund abhängt, gibt es aber gute Gründe dafür, die Ohrlöcher nicht zu früh zu stechen. Deshalb möchte ich hier einmal näher darauf eingehen, wann vom medizinischen Standpunkt gesehen der richtige Zeitpunkt für das Stechen von Ohrlöchern ist. Und was Sie beachten sollten, damit es nicht zu schmerzhaften Entzündungen oder unschönen Verwachsungen kommt.

Wann ist das richtige Alter fürs Stechen von Ohrringen?

In Indien werden kleinen Mädchen traditionell bereits im Säuglingsalter die Ohrläppchen durchstochen. Mit dem Durchstechen dieses Akupunkturpunktes soll "das Öffnen der Augen" symbolisiert werden. Hierzulange gibt es viele Alternativmediziner, die eben auf Grund der vielen Nervenpunkte im Ohr gegen Ohrringe und Piercings sind. Allerdings gibt es weder für die eine noch die andere Haltung einen wissenschaftlichen Nachweis und auch keinen Hinweis, dass Ohrlöcher auf Dauer irgendeinen Schaden anrichten können. Dennoch würde ich Sie bitten, mit der Prozedur solange zu warten, bis Ihr Kind alt genug ist, selber zu entscheiden - und auch dann nur, wenn es sich die Ohrringe wirklich wünscht. Das ist vermutlich frühestens mit etwa fünf, sechs Jahren der Fall. Sie sollten bei einem Kind immer seine "körperliche und seelische Unversehrtheit" achten. Das bedeutet z.B. auch, dass Sie ihm nicht gegen seinen Willen Schmerzen zufügen dürfen. Meiner Meinung nach schließt das auch das Stechen von Ohrringen ein, solange Ihr Kind noch nicht den ausdrücklichen Wunsch danach äußern kann.

Abgesehen davon ist eine bakterielle Infektion nach dem Stechen zwar sehr selten, aber dennoch möglich. Und für einen Säugling kann das lebensbedrohlich sein! Sollten Sie sich dennoch schon im Kleinkindalter dafür entscheiden, ist es in jedem Fall ratsam, wenigstens die vollständige Grundimmunisierung gegen Tetanus abzuwarten. Ob das Stechen weh tut oder sich das Ohr hinterher entzündet, hat letztendlich aber nichts mit dem Alter des Kindes zu tun sondern mit der richtigen Technik, Hygiene und Nachsorge.

Wohin zum Ohrloch stechen?

Ohrlöcher kann man beim Arzt, aber auch bei Juwelieren, Kosmetikerinnen oder im Piercingstudio stechen lassen. Wo auch immer Sie es durchführen lassen, achten Sie auf optimale hygienische Bedingungen. Alle Geräte, ob Ohrlochpistole oder Nadel und die neuen Ohrstecker müssen steril sein, außerdem müssen die Ohrläppchen des Kindes und die Hände des Ausführenden vorher gründlich desinfiziert werden. Bei Kindern geht das Stechen am besten mit einer Ohrlochpistole. Lassen Sie nie die Ohrlöcher stechen, wenn Ihr Kind krank oder unruhig und zappelig ist.

Welche Ohrstecker eignen sich?

Um Entzündungen zu vermeiden, ist zunächst das Verwenden von antiseptischen Ohrsteckern empfehlenswert. Als Material für die später nach dem Abheilen eingesetzten Schmuckstücke eignet sich am besten 585/ Gold. In jedem Fall sollten die Ohrringe nickelfrei sein, da ansonsten eine Kontaktallergie droht. Achten Sie auf kleine Ohrstecker, die keine Haken oder Anhänger haben sollten, damit das Kind beim An- und Ausziehen nicht dran hängen bleiben kann. Der Verschluss hinter dem Ohr sollte fest sitzen und darf sich vom Kind nicht selber lösen lassen - das ist ganz besonders wichtig bei Kleinkindern, damit sie nicht versehentlich den Stift oder Verschluss einatmen können. Ideal sind kleine Kreolen, die schick aussehen aber viel Luft ans Ohr lassen.

Wie vermeidet man Entzündungen?

Der Arzt oder Juwelier wird Ihnen ein Mittel zur antiseptischen Nachbehandlung mitgeben, erhältlich z.B. als Salbe oder Tinktur. Diese sollten Sie einmal täglich mit einem Wattestäbchen vorne und hinten auf die Ohrläppchen auftragen. Außerdem sollten Sie die Ohrringe jeden Tag vorsichtig drehen, damit sie nicht mit der Haut verwachsen. Bitte vor dem Berühren der Wunde immer die Hände waschen. Widerstehen Sie der Versuchung, zu früh andere Ohrringe auszuprobieren. Die ersten Ohrstecker müssen mindestens sechs Wochen drinbleiben. Fall sich Zeichen einer Entzündung am Ohrläppchen zeigen, z.B. Rötung, Schwellung oder eitrige Absonderungen, gehen Sie bitte umgehend zu Ihrem Kinderarzt.

Schöne Alternative - Ohrschmuck zum Kleben

Für kleine Mädchen, die gerne Ohrschmuck tragen möchten, aber für das Stechen der Ohrlöcher noch etwas zu klein sind, gibt es niedliche kleine Aufkleber mit Sternchen, Herzchen und Glitzersteinen zu kaufen. Damit kann Ihre Tochter das Tragen von Ohrringen erst einmal ausprobieren - ohne Schmerzen und bleibende Löcher.

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