Die Milch macht`s - oder etwa doch nicht?

Die Milch macht`s - oder etwa doch nicht?

© Adobe Stock, Ella

Werbeslogans wie "Die Milch machtÔÇÖs" klingen uns allen noch in den Ohren. Jahrelang wurde uns eingetrichtert, dass Milch starke Knochen macht.

Und dann kam vor ein paar Jahren pl├Âtzlich die Kehrtwende: Kuhmilch sei nicht nur nicht gesund, sondern w├╝rde sogar krank machen. Auf einmal galt Milch als Ausl├Âser von Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Diabetes, ├ťbergewicht und sogar Osteoporose. Aber was ist denn nun richtig? M├╝ssen, sollen oder d├╝rfen Kinder ├╝berhaupt Milch trinken? Die Wahrheit ├╝ber die guten und schlechten Eigenschaften der Milch liegt wie so oft irgendwo dazwischen.

Beste Calcium-Quelle

Tatsache ist, Milch ist einer der besten Calcium-Lieferanten ├╝berhaupt. 100ml Kuhmilch enthalten ca. 120 mg. Zwar steckt dieser Mineralstoff auch noch in anderen Lebensmitteln wie Gem├╝se und Salat. Doch muss man hiervon ziemlich gro├če Berge essen, um den Tagesbedarf zu decken. Der liegt bei einem Kleinkind bei etwa 600 mg pro Tag, bei einem Schulkind bei 700 - 900 mg. Ein Glas Milch zu trinken, ist doch wesentlich einfacher.

Zwei gute Freunde: Calcium und Vitamin D

Calcium spielt im K├Ârper eine gro├če Rolle bei der Bildung von Knochen und Z├Ąhnen und ist au├čerdem f├╝r die Zellteilung, Blutgerinnung und die Arbeit von Muskeln und Nerven wichtig. Ein Calciummangel kann bei Kindern Rachitis und bei Erwachsenen Osteoporose verursachen. Gerade f├╝r den Knochenaufbau reicht Calcium alleine jedoch nicht aus, denn nur in Verbindung mit ausreichend Vitamin D kann es der K├Ârper auch verwerten. Deshalb sollten Babys im ersten Lebensjahr zus├Ątzlich Vitamin D (in Tablettenform) bekommen. Und hier liegt auch der Grund, warum manche behaupten, Milch w├╝rde nicht gegen Osteoporose helfen, sondern sie sogar erst verursachen: Bekommt der K├Ârper n├Ąmlich zu viel Milchprodukte bei gleichzeitigem Vitamin D-Mangel, muss er den S├Ąure├╝berschuss ausgleichen und Calcium aus den Knochen abbauen. Richtig ist also: Milch ist ein guter und wichtiger Calcium-Lieferant. Man sollte den Genuss von Milchprodukten aber nicht ├╝bertreiben und zus├Ątzlich immer auf ausreichende Vitamin D-Versorgung achten.

Milch ist ein Lebensmittel - kein Getr├Ąnk

Durch den hohen Gehalt an Eiwei├č, Fett und Kohlehydraten (Milchzucker) sollte Milch nicht einfach als Durstl├Âscher zwischendurch genommen werden. Milch ist ein Nahrungsmittel mit vergleichsweise viel Kalorien und sollte auch als solches behandelt werden. Vor allem der hohe Eiwei├čgehalt kann bei ├╝berm├Ą├čigem Verzehr die Nieren von kleinen Kindern belasten und steht im Verdacht, sp├Ąteres ├ťbergewicht zu beg├╝nstigen. Hinzu kommt, dass Kinder meist am liebsten Kakao, Joghurt und Quarkprodukte m├Âgen, die h├Ąufig noch stark ges├╝├čt sind. Also: ein Glas Milch, ein Naturjoghurt oder ein St├╝ck K├Ąse sind durchaus gesund. Aber bitte nicht zu viel davon!

Ab wann reine Kuhmilch?

Das Beste f├╝r S├Ąuglinge ist Muttermilch. Kuhmilch hingegen ist eben in erster Linie f├╝r K├Ąlbchen gedacht und von der Zusammensetzung her auf deren Bed├╝rfnisse ausgerichtet. Doch wenn ein Baby nicht oder nicht ausreichend gestillt wird, gibt es heute sehr gute S├Ąuglingsnahrungen. Diese werden zwar auf Basis von Kuhmilch hergestellt, aber in ihrer Zusammensetzung ver├Ąndert und angepasst und somit f├╝r Babys optimal vertr├Ąglich. Vollmilch oder H-Milch sollten Kinder erst ab dem ersten Geburtstag bekommen. Optimal ist f├╝r Kleinkinder etwa eine t├Ągliche Menge von 200 - 300 ml Milch plus ein weiteres Milchprodukt wie Joghurt, K├Ąse, Brei oder Pudding. Mehr ist nicht gesund, zumal dann auch der Appetit auf andere wichtige Lebensmittel leidet.

├ťbrigens: Rohmilch oder Vorzugsmilch ist grunds├Ątzlich nichts f├╝r Kinder. "Milch direkt von der Kuh" klingt vielleicht gesund, ist es aber wegen der starken Keimbelastung nicht. Bei Babys und Kindern kann Rohmilch Durchfallerkrankungen und in seltenen F├Ąllen schwerste Infektionen verursachen.

Laktoseintoleranz

Die Natur hatte es urspr├╝nglich mal so eingerichtet, dass Menschenkinder nur so lange Milch vertragen, wie sie gestillt werden. Dann kam vor ca. 10.000 Jahren die Viehwirtschaft auf und wir Menschen begannen Milchprodukte auch noch nach der Stillzeit zu konsumieren. Parallel dazu haben wir die F├Ąhigkeit entwickelt, Milch auch als Erwachsene noch verdauen zu k├Ânnen. Verantwortlich daf├╝r ist das Verdauungsenzym Laktase. Ist im Darm zu wenig Laktase vorhanden, bekommt man beim Verzehr von Milchzucker (Laktose) Bauchweh und Bl├Ąhungen - das ist die sogenannte Laktoseintoleranz. Bei Babys und Kleinkindern ist das selten, doch mit zunehmendem Alter tritt diese Verdauungsschw├Ąche h├Ąufiger auf.

Kuhmilcheiwei├č-Allergie

Nicht zu verwechseln ist Laktoseintoleranz mit einer Kuhmilcheiwei├č-Allergie, die auch schon ganz Kleine betreffen kann. Hier reagiert das Immunsystem auf das Kasein, das Eiwei├č in der Milch, allergisch. Kinder mit nachgewiesener Kuhmilcheiwei├č-Allergie sollten keine Kuhmilch-Produkte zu sich nehmen (auch keine HA-Milch) und auch keine Schafs- oder Ziegenmilchprodukte, die ebenfalls Kasein enthalten. H├Ąufig verw├Ąchst sich diese Allergie allerdings im Lauf der Zeit wieder, so dass man je nach Empfehlung des Kinderarztes Kuhmilch nach etwa 2 Jahren vorsichtig mal wieder ausprobieren kann.

Welche Alternativen gibt es, wenn Kinder keine Milch m├Âgen oder vertragen?

F├╝r Kinder und Erwachsene mit einer Verdauungsschw├Ąche f├╝r Laktose gibt es im Supermarkt inzwischen eine ganze Palette an laktosefreien Milchprodukten. Hier ist nur der Milchzucker entfernt, doch das Calcium und andere wertvolle Substanzen der Milch sind vollst├Ąndig erhalten. Viele Kinder vertragen ├╝brigens trotzdem Joghurt und K├Ąse, die von Natur aus weniger Laktose enthalten als beispielsweise H-Milch und Sahne. Es lohnt sich, das mal auszuprobieren. M├Âgen oder vertragen Kinder gar keine Milchprodukte, sollten regelm├Ą├čig calciumreiche Gem├╝sesorten wie Gr├╝nkohl, Fenchel, Spinat und Broccoli, Brennnessel- oder Rucolasalat und Kr├Ąuter wie Petersilie und Brunnenkresse auf dem Speiseplan stehen. Au├čerdem steckt Calcium in Mandeln, Haseln├╝ssen und Amarant. Bei einer Ern├Ąhrung ohne Milchprodukte sollten Sie au├čerdem auf ein Mineralwasser mit einem hohen Calciumgehalt zur├╝ckgreifen, denn das ist neben Milch die "bequemste" Calcium-Quelle.

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