Krabbeln - viel mehr als die erste Fortbewegungsform

Krabbeln - viel mehr als die erste Fortbewegungsform

© fotolia, Firma V

Lisa krabbelt erst seit drei Wochen. Inzwischen legt sie aber schon ein ordentliches Tempo vor, so dass ihre Mama kaum mehr hinterher kommt.

Dabei ist das Krabbeln für sie nicht nur die erste Form der Fortbewegung, sondern bedeutet viel mehr: Mobilität und Selbständigkeit, komplexe motorische Vorgänge zu meistern, Höchstleistung im Gehirn. Und nicht zuletzt auch erste große Gefahren und Herausforderungen, die es zu bestehen gilt. Auf allen Vieren und mit durchgewetzten Knien geht es los, die Welt zu erobern.

Wann beginnen Kinder zu krabbeln?

Die meisten Babys fangen irgendwann ab dem sechsten Lebensmonat an. Deshalb bezeichnet man die zweite Hälfte des ersten Lebensjahres gemeinhin auch als "Krabbelalter". Mit zehn Monaten sind etwa 90% mobil. Der Rest nimmt sich noch ein wenig mehr Zeit - oder lässt die Krabbelbewegung einfach ganz aus. Meist beginnt ein Kind damit, in Bauchlage den Oberkörper hochzustemmen und dann die Knie unter den Bauch zu ziehen. Andere begeben sich aus der Sitzposition in den Vierfüßlerstand. Meist folgt noch eine Phase des "Schaukelns auf allen Vieren", bevor die erste wirkliche Vorwärtsbewegung gelingt. Diese Übungszeit ist für Ihr Baby mit viel Frust verbunden und wird oft von entsprechendem Gebrüll begleitet. Umso größer ist die Freude, wenn es dann endlich gelingt.

Krabbeln schafft Selbständigkeit

Für Ihr Baby ist das Krabbeln ein ganz entscheidender Schritt in seiner Entwicklung zum selbständigen Menschen. Denn zum ersten Mal in seinem Leben ist es von Ihnen unabhängig und kann sich von alleine dort hinbewegen, wo es hin möchte. So viel Autonomie macht stolz - und manchmal auch ein bisschen ängstlich. Dann gibt Mamas Schoß schnell wieder Sicherheit.

Krabbeln erfordert viel Körperkoordination

Die diagonale Bewegung von Armen und Beinen stellt die Grundlage für das Laufen dar. Krabbeln ist also sozusagen Laufen in der Horizontale. Es kräftig Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur und bereitet Ihr Baby dadurch optimal darauf vor, sich in die Senkrechte zu begeben. Durch den komplexen Bewegungsablauf schult es zudem Geschicklichkeit, Koordination und Gleichgewicht - und so trainiert Ihr Kleines ganz nebenbei kognitive Fähigkeiten.

Was passiert beim Krabbeln im Gehirn?

Die Bewegung über Kreuz - linker Arm und rechtes Bein - fördert das Zusammenspiel zwischen rechter und linker Gehirnhälfte. Diese Koordination wird später für viele verschiedene Fähigkeiten, so zum Beispiel auch für das Lesen benötigt.

Lassen Sie sich aber bitte nicht verrückt machen, wenn Ihr Kind zu den "Krabbelverweigerern" gehört. Es drohen keinerlei motorische oder geistige Folgeschäden. Ihr Kind wird sich genauso gut entwickeln wie alle anderen auch!

Ausgefallene Krabbelformen

Nicht alle Babys krabbeln im klassischen Sinn auf allen Vieren. Hier gibt es die ausgefallensten Bewegungsmuster: "Po-Rutscher", die sich mit der Hand abstützen und auf einer Pobacke sitzend vorwärts schieben. "Roller", die sich seitwärts rollend überall dahin bewegen, wo sie hinwollen. Einige laufen auf Händen und Füßen, um die Knie zu schonen, bei manchen geht’s nur rückwärts. Und wieder andere ziehen sich schon mit einem halben Jahr an Tischen und Stühlen hoch, um dann gleich loszulaufen. Das liegt auch daran, dass sich Kinder das Krabbeln nicht wirklich abschauen können, weil es ihnen von den Erwachsenen ja nicht vorgemacht wird.

Alle diese Bewegungsformen sind ganz normal. Sorgen sollten Sie sich nur, wenn Ihr Baby mit etwa einem Jahr überhaupt keine Anstalten macht, sich irgendwie fortzubewegen. Dann sprechen Sie bitte beim nächsten Vorsorgetermin mit Ihrem Kinderarzt darüber.

Wie kann ich mein Baby zum Krabbeln animieren?

  • Viel auf den Bauch legen
    So muss sich Ihr Baby hochstemmen, um etwas zu sehen zu können. Das kräftigt die Rücken- und Armmuskulatur, die es zum Krabbeln braucht. Wenn Sie Ihr Baby hingegen ständig aufrecht in die Wippe setzen oder durch die Gegend tragen, hat es keinen Anreiz dazu, weil es ohnehin alles in seiner Umgebung gut erkennen kann. Am besten legen Sie es zum Spielen häufig auf dem Boden auf eine Krabbeldecke oder ein großes Handtuch.
  • Anreize schaffen
    Legen Sie ein interessantes Spielzeug - etwa einen Ball - gerade außerhalb seiner Reichweite. Ihr Baby wird sich recken und strecken und nichts unversucht lassen, das Objekt der Begierde zu erreichen. Ein bisschen Frustgeheul, wenn es nicht gleich klappt, gehört auch dazu. Das müssen Sie leider in Kauf nehmen.
  • Krabbeln Sie mit
    Das ermuntert Ihr Kind zur Nachahmung. Außerdem fühlt es sich bei seinen ersten Erkundungstouren durch die Wohnung mit Mama oder Papa an seiner Seite sichtlich wohler.

Was Sie nicht tun sollten:

  • Ihr Baby künstlich in den Vierfüßlerstand zu drängen, bringt gar nichts. Es macht diesen Schritt genau dann, wenn es selber so weit ist.
  • Fingerweg von "Gehfrei" und anderen Lauflernhilfen. Die behindern den natürlichen Bewegungsablauf mehr als sie helfen, überlasten den Halteapparat, der für das aufrechte Gehen noch nicht kräftig genug ist, und sind obendrein ausgesprochen verletzungsgefährlich.

Krabbelkinder schützen!

Spätestens wenn Ihr Baby die ersten Anstalten macht, mobil zu werden, wird es allerhöchste Zeit, die Wohnung kindersicher zu machen. Alle Gefahrenquellen wie scharfe Kanten, spitze Gegenstände und Steckdosen in Babys Aktionsradius müssen gesichert, abgeklebt oder entfernt werden. Medikamente, Putzmittel, Kosmetika gehören nach oben in den Schrank. Treppen müssen mit einem Absperrgitter versehen werden. Nichts desto trotz sollten Sie mit Ihrem kleinen Krabbler die Treppen immer wieder üben. Auf dem Bauch mit Mama oder Papa dicht dahinter geht es ganz vorsichtig die Stufen rauf - und rückwärts mit den Füßen voraus wieder hinunter. Auf diese Weise lernt es, die Gefahren der Höhe besser einzuschätzen.

Schuhe braucht Ihr Baby übrigens noch nicht. Ideal für die Krabbelzeit sind "ABS-Socken" mit kleinen Gumminoppen an der Sohle oder gestrickte Hüttenschuhe mit rutschfesten Ledersohlen.

Weitere Themen:

Anzeige

Schutz vor Meningokokken

Anzeige

HiPP Kindermilch Combiotik
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2020 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.