Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

zufüttern, rauchen

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

hallo,
meiner ist nun 12 wochen alt und wird voll gestillt. ich wollte ihm letztens reisflocken aus der flasche geben. das hat er auch ganz gut getrunken, doch ein paar minuten später wieder ausgepuckt. war das zu früh?
meine freundin meinte, das sättigt besser und da schläft er länger nachts.
und wie lang soll eigentlich eine stillzeit dauern? kann man da zuviel füttern?
und noch was. ich hab da zwar ein echt schlechtes gewissen dabei, aber ich rauch ab und zu mal eine. meine hebamme meinte, wenn, dann nach dem stillen, damit sich das aus der muttermilch später verflüchtigt. wie schlimm ist das? und wie wirkt das auf mein kind?
in einer talkshow war mal ne mutter, die hat 2 schachteln am tag geraucht und meinte, sie hätte ganz normale kinder, was ich mir nicht so recht vorstellen kann.
danke
liebe grüße

von natalja am 23.09.2001, 20:20 Uhr

 

Antwort auf:

zufüttern, rauchen

?



Liebe Natalja,


Flocken oder andere Zusätze sind nicht empfehlenswert. In den ersten sechs Monaten sollte ein Kind ausschließlich Muttermilch oder eben - falls Muttermilch nicht oder nicht in ausreichender Menge vorhanden ist - künstliche Säuglingsnahrung bekommen, aber keine zusätzlichen „Sattmacher", die den Organismus des Kindes belasten.

Auch sind Reisflocken u.ä. keine Garantie für längere Schlafphasen, im Gegenteil, es kann dazu kommen, dass das Kind sogar schlechter schläft, das ihm die Verdauung derartiger Zusätze Probleme bereiten kann.

Es lässt sich keine allgemein verbindliche Zeitangabe machen, wie lange ein Baby für eine Stillzeit brauchen „darf". Jedes Baby hat seinen eigenen Zeitplan und ein Stillzeit kann zwischen wenigen Minuten und auch einmal einer Stunde dauern. Sie können und sollen Ihr Baby unbesorgt nach Bedarf stillen. Ein Einschränken des Stillens und damit der Nahrungszufuhr wäre keinesfalls empfehlenswert. Das schnell wachsenden Kind braucht die Nahrung und das sich rasend schnell entwickelnde Gehirn (nie wieder wird das Gehirn des Kindes so schnell wachsen, wie im ersten Lebensjahr) braucht die Nahrung ebenfalls.

Im Gegensatz zur (industriell) stark weiterverarbeiteten Nahrung enthält Muttermilch keine leeren Kalorien. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält.

Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker.

Natürlich ist es das Beste, wenn eine stillende Mutter nicht raucht, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren. Doch Rauchen und Stillen schließen sich gegenseitig keinesfalls aus.

Wenn man sich die Situation mal objektiv anschaut, wird ein Kind einer Raucherin in einem Umfeld mit Zigarettenrauchs mit all seinen Nachteilen aufwachsen. Demgegenüber stehen die Vorteile des Stillens, auch wenn die Milch mit Nikotin belastet sein wird.

Nikotin tritt rasch in die Muttermilch über. Cotinin, das wichtigste Stoffwechselprodukt des Nikotins, erscheint ebenfalls rasch in der Muttermilch. Mit zunehmender Zahl gerauchter Zigaretten steigen Nikotin- und Cotiningehalt in der Muttermilch an (Schwartz-Bickenbach et al., 1987). Neben Nikotin und Cotinin sind weitere hochgiftige und auch krebserregende Stoffe in der Muttermilch von Raucherinnen zu erwarten. So sind z.B. die Kadmiumkonzentrationen in der Muttermilch gegenüber denen von Nichtraucherinnen deutlich erhöht (Radisch et al., 1987).

Mögliche Folgen des mütterlichen Rauchens können bei der Mutter ein niedrigerer Prolaktinspiegel und beim Baby ein höheres Risiko für Atemwegserkrankungen, ein höheres Risiko für den Plötzlichen Kindstod und bei extrem starken Rauchen Erbrechen, Durchfall und schneller Herzschlag sein. Diese kindlichen Probleme treten aber auch bei passivem Rauchen auf.

Der Plötzliche Kindstod (SIDS) kommt häufiger vor bei Babys von Rauchern. Gestillte Babys von Rauchern haben ein SIDS Risiko, das dem von nicht gestillten (nicht gestillte Babys haben ein höheres Risiko als gestillte Babys) Babys von Nichtrauchern gleich ist. Babys von Rauchern haben häufiger Atemwegserkrankungen. Diese Auswirkungen des Rauchens werden abgemildert wenn das Babys gestillt wird.

Im der neuen Ausgabe von „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Schaefer und Spielmann 6. Auflage, Juni 2001 steht:

„Stillenden Müttern ist dringend zu raten, das Rauchen einzustellen und auch darauf zu achten, dass der Säugling nicht durch andere Raucher in der Umgebung mitrauchen muss. Wenn nicht bereits während der Schwangerschaft, sollte spätestens ab der Geburt der Haushalt zur Nichtraucherzone erklärt werden. Sollte der Mutter das Einstellen des Rauchens nicht möglich sein, muss zumindest versucht werden, die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten auf 5 zu begrenzen. Ob ab 10 oder 15 Zigaretten täglich empfohlen werden sollte (Anmerkung: andere Autoren geben eine Zahl von 20 an) ist müßig zu erörtern. Es gibt keine Studien, die belegen, ab welcher Zigarettenzahl die Vorteile des Stillens von den Nachteilen des Rauchens überwogen werden. Außerdem ist nicht nur die Anzahl relevant. Das individuelle Rauchverhalten wie Inhalieren, Verwerfen von Zigarettenresten und Markenwahl beeinflusst den Toxineintrag in die Milch ebenfalls erheblich. Einige Autoren empfehlen, wenigstens 2 bis 3 Stunden vor dem Anlegen nicht zu rauchen. Dies erscheint bei Vielraucherinnen wenig praktikabel. Es mag aber als Anreiz zum Wenigerrauchen dienen."

Vielleicht kannst Du ja auch in deinem eigene Interesse versuchen, deinen Zigarettenkonsum möglichst gering zu halten und rauche bitte nicht neben deinem Kind.

Ich hoffe, deine Fragen beantwortet zu haben.

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 24.09.2001

Antwort auf:

zufüttern, rauchen

danke nochmal vielmals.
ps. rauchen ist nunmak die einzige beruhigungsmöglichkeit für mich, wenn das kind stresst.
aber ich rauch immer draußen und nie mehr als 5 stück am tag
(die rechtfertigungen einer süchtlerin...)
danke,
liebe grüße
natalja

von natalja am 25.09.2001

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