Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Zu wenig Milch!?

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Liebe Biggi,

mein Kleine ist jetzt 3 Wochen alt (Geburtsgewicht 3.570g, Entlassungsgewicht 3.340g, am 30.8. 3.750g)

Ich versuche, voll zu stillen, aber ich muss oft mittags und spät abends ein Pre-Fläschchen zufüttern (sie trinkt dann 50 bis 100 ml), weil sie an der Brust nicht zufrieden ist.
Unser Stillmahlzeiten dauern sehr lange (1-1,5 Stunden)und sie trinkt sehr gemütlich - das ist oft nicht so einfach, weil ich noch ein größeres Kind habe.

Was kann ich machen? Ich möchte so gerne ohne zufüttern auskommen, aber wie schaffe ich das? Nach 1,5 Stunden fühlt sich meine Brust komplett leer an und nochmaliges Anlegen macht sie eher unzufrieden.
Hab es schon mit abpumpen versucht, aber mehr als 40 ml kommen da nie bei raus.

Bin für jeden Tip dankbar!!

Viele Gruesse
Cora

von Cora am 01.08.2001, 17:41 Uhr

 

Antwort auf:

Zu wenig Milch!?

?


Liebe Cora,

eine zu geringe Milchmenge und sehr lange dauernde Stillmahlzeiten lassen an ein Saugproblem denken. Es könnte sein, dass deine kleine Tochter nicht korrekt und damit auch nicht effektiv an der Brust saugt. Auf diese Weise wird die Brust nicht ausreichend stimuliert und die Milchmenge genügt nicht, um den Bedarf des Babys zu decken.

Deshalb ist es am besten, wenn Du dich an eine Stillberaterin vor Ort wendest, die sich anschauen kann, wie dein Kind saugt und wie es angelegt ist. Ohne dich sehen zu können, kann ich das nämlich nicht beurteilen.

Wenn Du mir deinen Wohnort mit Postleitzahl angibst, suche ich dir gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin heraus.

Bis Du Kontakt mit einer Stillberaterin in deiner Nähe aufnehmen kannst, hier schon einmal einige Tipps zur Steigerung der Milchmenge:

Oberste Regel: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb solltest Du dein Baby in den nächsten Tagen oft anlegen.

Um das Interesse deines Babys an der Brust wachzuhalten, kannst Du es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legst Du Dein Baby an und stillst es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nimmst Du es sanft von der Brust (vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und läßt es aufstossen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, so lange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem Du es wieder etwas ermuntert hast. Dieses „Wecken und Wechseln" wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden.

Eventuell ist es sinnvoll zusätzlich zu pumpen. Wenn gepumpt wird, dann sollte eine möglichst effektive Pumpe verwendet werden, am besten eine vollautomatische, elektrische Kolbenpumpe mit Doppelpumpset. Zu wenig Milch ist eine medizinische Indikation für die Verordnung der Pumpe durch den Arzt (auf der Verordnung muss „mit Zubehör" stehen, sonst musst Du das Zubehör selbst zahlen).

Richte dich mit deiner Flüssigkeitszufuhr nach deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung („schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkst Du zu wenig. Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys.

Achte darauf, dass DU ausreichend und möglichst ausgewogen isst. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung.

Ruhe Dich oft aus und entspanne Dich. Arbeite für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft Dir nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus. Vielleicht kannst Du ja ein paar „Stilltage" einlegen, das heißt Du legst dich mit deinem Baby ins Bett und kümmerst dich ausschließlich um dein Baby und das Stillen.

In aller Regel, lässt sich mit den oben genannten Maßnahmen die Milchproduktion recht rasch wieder ankurbeln und an den Bedarf des Kindes anpassen. Die zur Zeit noch notwendige künstliche Säuglingsnahrung solltest Du langsam reduzieren und dabei gut auf die Zahl der nassen Windeln des Babys achten.

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 02.08.2001

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