Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Stillen

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Ich bin stolzer Vater eines am 08 Juni 2001 geborenen Mädchens. Sie ist eigentlich top-fit und wird von meiner Frau gestillt. Ab und an bekommt es auch mal etwas Fencheltee und mal ein Paar Tropfen Wasser. Tagsüber haben wir keine Probleme mit dem Kleinen. In etwa zwei Stunden Abständen wacht sie auf und will gestillt werden und während des Stillens, schläft sie auch schon meistens ein. Ab 22:00 Uhr ejdoch kann sie nicht mehr genug bekommen. Sie saugt eine halbe Stunde lang und schläft für so lange ein, bis sie in ihrem Bett liegt. Nach fünf Minuten schreit sie aber auch schon wieder und will an die Brust für eine viertel Stunde. Das gleiche ist dann vier mal der Fall. Sie hat ein oder zwei mal an einem Tag Stuhlgang. Meistens kurz bevor sie mit dem never-ending-saugen anfängt, also so gegen 21:00 Uhr. Kann es mit ihrem Stuhlgang zusammenhängen?
Wie lange sollten wir sie an einem Stück oder in nur wenigen Abständen höchstens Stillen. Sollen wir ihr denn überhaupt was anderes als die Muttermilch geben?
Danke schon jetzt für Ihre Mühe und ein ganz groses Lob für so einen Service.
Ekrem

von Ekrem Senol am 17.06.2001, 10:29 Uhr

 

Antwort auf:

Stillen

Lieber Ekrem,

schön, wieder mal einen Vater hier zu haben :-). Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Tochter!

Das Verhalten Ihrer kleinen Tochter ist ganz normal. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl).
Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Alterstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt.
Das Dauerstillen und häufige Stillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, das die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht.
Babys im Alter Ihrer Tochter Sohn brauchen noch keine zusätzliche Flüssigkeit.
Muttermilch hat einen hohen Wasseranteil, indem alle übrigen Bestandteile
gelöst sind. Durch diesen hohen Wassergehalt wirkt die Muttermilch
durstlöschend. Am Anfang der Stillmahlzeit ist die Milch dünnflüssiger, am
Ende hat sie einen höheren Fettgehalt (Vordermilch und Hintermilch). Um den
Hunger zu stillen, muss das Baby daher länger an einer Seite trinken, bis
es genügend Kalorien erhalten hat. Trinkt es nur kurz und erhält dabei nur
Vordermilch, wird sein Durst gelöscht. Selbst bei sehr heißem Wetter erhält
das Baby ausreichend Flüssigkeit, wenn es häufig genug angelegt wird.
Selbst in heißen Klimaten ist keine zusätzliche Flüssigkeitsgabe notwendig.
Zusätzlicher Wasser oder Tee würde nur dazu führen, dass das Interesse des
Babys an der Brust nachlässt und das wiederum wirkt sich ungünstig auf die
Milchproduktion aus. Die Milchmenge richtet sich danach, wie viel das Baby
trinkt. Wird es seltener angelegt, geht die Milchmenge zurück. Tee oder
Waser haben keinen bzw. nur einen geringen Nährwert und können deshalb das
Gedeihen des Babys negativ beeinflussen. Außerdem besteht bei der Verwendung von künstlichen Saugern die Gefahr einer Saugverwirrung.

Ein Schnuller kann, wenn er in bestimmten Situationen überlegt und dosiert eingesetzt wird ein Hilfsmittel sein. So wie eine Krücke ein Hilfsmittel ist, wenn Du dir dein Bein gebrochen hast und die Du nur so lange einsetzt, bis Du wieder ohne auskommst. Allerdings sollte ein Baby in den ersten sechs Wochen nach Möglichkeit KEINERLEI künstliche Sauger bekommen, da diese zu einer Saugverwirrung führen können. Eine Saugverwirrung ist ein ernsthaftes Stillproblem. Nach den ersten Wochen, wenn sich das Stillen gut eingespielt hat und das Baby gelernt hat gut und effektiv an der Brust zu trinken, ist das Risiko für eine Saugverwirrung deutlich geringer, wenn es auch nie ganz ausgeschlossen ist.

Ich hoffe, der Text war jetzt nicht zu lange, sollten Sie noch Fragen haben, bin ich gerne für Sie da.
LLLiebe Grüße

Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 17.06.2001

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