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Stillberaterin Biggi Welter

Stillberatung

Biggi Welter

   

 

Nicht genug Milch

Hallo liebes Stillberatungsteam!
Meine Tochter ist 12 Wochen alt. Seit der Geburt habe ich erhebliche Stillprobleme. Anfänglich mussten wir nach jedem Stillen zusätzlich zufüttern. Sie war direkt nach der Geburt und einige Tage danach immer wieder unterzuckert, weil der Milcheinschuss nicht kam und das Anlegen auch erstmal gelernt werden musste. Mittlerweile bekommt sie 1- maximal 2x zusätzlich ca 200 ml Premilch. An manchen Tagen (eher die Ausnahme), braucht sie keine Zufütterung. Der Grund, warum wir sie zufüttern ist, dass sie nicht satt wird, bzw ich zu wenig Muttermilch habe. Mir ist noch nie die Milch aus den Brustwarzen rausgeflossen oder beim zusammendrücken der Brustwarze Milch herausgespritzt. Ganz im Gegenteil, ich muss ordentlich pressen, bis die Milch kommt. Eine Milchpumpe habe ich und benutze sie zur Anregung.
In der Nacht, wenn ich 3-4 Stunden geschlafen habe wird meine Tochter auch satt und dockt sich ab oder schläft ein. Aber tagsüber passiert es oft, dass sie saugt und saugt und danach schreit. Erst dachte ich, dass sie sich an die Premilch gewöhnt hat und danach verlangt. Aber wenn ich dann die Brust massiere und die Brust zusammen presse, kommt gar keine Milch mehr. Mein Kind schreit und saugt und schreit ..... In diesem Fall mache ich dann die Premilch, die gierig verschlungen wird. Die Flasche bekommt sie aber nicht, wenn sie die Brust anschreit und beim Pressen noch Milch kommt. Dann lege ich sie immer wieder an. Manchmal 10-12 x in einer Stunde.
Nun ist es so, dass die Milch zunehmend nicht mehr kommt wenn ich die Brust presse. Mein Kind ist unzufrieden und schreit so lange, bis sie erschöpft mit Schnuller einschläft. Manchmal lässt sie sich gar nicht mehr beruhigen, so dass ich ihr dann die Premilch zubereite.
Jetzt lese ich immer wieder, dass Zufüttern vermieden werden sollte. Meine Tochter nimmt zu (etwas kleiner als die Norm;Geburtsgewicht 2500), hat 5-6 nasse Windeln in 24 Stunden, sieht rosig aus und ist aufgeweckt und aktiv.
Ich bin verunsichert durch die Literatur, bezüglich der Zufütterung. Was mache ich denn in dem Fall, wenn mein Kind angestrengt saugt und schreit, weil keine Milch mehr kommt. Oder saugt sie nicht effektiv, weil sie lieber die Premilch will? Was ist Ihre Empfehlung?
Ich danke im voraus.
MfG
Zamiko

von Zamiko am 11.01.2019, 21:20 Uhr

 

Antwort:

Nicht genug Milch

Liebe Zamiko,

ich denke, dass Dein Baby saugverwirrt ist und nicht mehr korrekt und effektiv trinken kann.

Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen.

Solange der Milchspendereflex dazu beiträgt, dass die Milch rasch fließt (und das ist in den ersten Minuten einer Stillmahlzeit so), geht es noch gut. Lässt er nach, wird das Baby ungeduldig denn:

Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt.

Mir scheint, genau dies passiert gerade bei euch. Und es bedeutet keinesfalls, dass du nicht (mehr) genug Milch hättest!!

Nun gilt es für dich zu entscheiden, wie wichtig dir das Stillen ist. Wenn du es gern noch eine Weile fortführen möchtest, wird es sinnvoll sein, keine Flasche mehr zu geben, sondern eine alternative Fütterungsmethode zu wählen.

Die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stillmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern.

Wenn Du das Gefühl hast, dass die Milch nicht mehr ausreicht, kannst Du einfach vermehrt und länger anlegen, somit wird die Milchmenge größer.

Falls Du noch keinen Kontakt zu einer Stillberaterin hast, solltest Du Dich an eine Stillberaterin vor Ort wenden, die Dich unterstützt.

Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter:
http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).

Da Du ja bereits zusätzliche Nahrung gibst, sollte diese nur langsam wieder reduziert werden. Ich werde dir jetzt allgemeine Tipps geben, wie Du deine Milchmenge steigern kannst. Hab ein wenig Mut und Geduld und Du wirst sehen, dass auch ihr beide zum vollen Stillen kommen könnt.

Oberste Regel: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb solltest Du dein Baby in den nächsten Tagen oft anlegen.

Um das Interesse des Babys an der Brust wach zu halten, kannst Du es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legst Du Dein Baby an und stillst es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nimmst Du es sanft von der Brust (vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und lässt es aufstoßen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, so lange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem Du es wieder etwas ermuntert hast. Dieses "Wecken und Wechseln" wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden.

Richte dich mit deiner Flüssigkeitszufuhr nach deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung ("schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkst Du zu wenig Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys.

Achte darauf, dass DU ausreichend und möglichst ausgewogen isst. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung.

Ruhe dich oft aus und entspanne dich. Arbeite für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft dir nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus. Vielleicht kannst Du ja ein paar "Stilltage" einlegen, das heißt Du legst dich mit deinem Baby ins Bett und kümmerst dich ausschließlich um dein Baby und das Stillen.


Dann gibt es weitere Tipps:

1. Füttere Muttermilchsahne:
Schau, dass du Milch ausstreichst (wenn es mit der Hand gut klappt, schmeiß die Pumpe weg!) oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln.

Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben.

Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird Dein Baby ganz sicher einen Schub machen!


2. Setze die Brustkompression ein (siehe unten).

Viel Erfolg und llliebe Grüße,
Biggi


Brustkompression
"Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein.
Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes:

1. Es bekommt mehr Muttermilch.
2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch).

Die Brustkompression Wie funktioniert sie?
1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand.
2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein.
3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt.
4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt!
5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen.
6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt.
7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt.
8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust.
9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess."

(Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006)

von Biggi Welter am 11.01.2019

Antwort:

Nicht genug Milch

Liebe Zamiko,

Wir haben ein ähnliches Problem. Meine Kleine ist mittlerweile 9 Monate alt, pumpe aber seitdem sie 3 Monate alt ist täglich mindestens 3 mal ab. Sobald ich Stress habe ist meine Muttermilch fast weg und wenn ich krank bin auch. Ein Tipp was du noch versuchen kannst: wir hatten damals die Flasche Calma von Medela, das ist Trinken fast wie an der Brust. Meine Köekne hat sie irgendwann nicht mehr genommen. Sie hat leider in 4 Wochen oft nur 90 Gramm zugenommen und saugt leider nicht an einer leeeren Brist, so dass ich sie mit der elektronischen Pumpe stimulieren muss. Mir ist das Stillen jetzt im Winter aber besonders wichtig und es ist so bequem als tröster und Einschlafhilfe in der Nacht.
Ich wünsche euch alles Gute

von Lisalaunebär am 12.01.2019

Antwort:

Nicht genug Milch

Vielen dank liebe Biggi. Ich denke, ich werde eine Stillberaterin hinzuziehen, die sich das mal vor Ort anguckt. Auch deine weiteren Empfehlungen werde ich versuchen in die Tat umzusetzen, denn ich würde gerne bis zumindest dem 5. Monat stillen. Es ist nicht einfach, stark zu bleiben, wenn das Kind sich nicht beruhigen lässt. Irgendwann nach 2-3 Stunden Dauerschreien gibt man dann doch nach .
LG


@ Lisalaunebär
Danke dir . Wir haben von lansinoh die Flasche. Dadurch soll auch keine Saugverwirrung auftreten. Vorne weich, wie die Brustwarze. Aber schließlich kann wohl keine Flasche die natürliche Brust ersetzen .
Ich hoffe, dass ich meine Kleine noch mindestens 2 weitere Monate stillen kann. Euch weiterhin Erfolg.
LG

von Zamiko am 14.01.2019

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