Anzeige

*
Stillberaterin Biggi Welter

Stillberatung

Biggi Welter

   

 

Nächtliches Brustnuckeln abgewöhnen?

Hallo, ich habe zu meinem expliziten "Problem" bisher keine passenden Threads gefunden, da es grundlegende Unterschiede bei uns zu den meisten "Brustnuckel-Einschlaf-Problemen" gibt. Wie oben schon beschrieben, würde ich gern das nächtliche Dauer-Brustnuckeln abgewöhnen bzw. einschränken. Jedoch ist es bei uns nicht so, dass mein Sohn (3,5 Monate) schon immer ein Dauernuckler war oder den Schnuller grundsätzlich verweigert, immer beim Stillen einschläft etc..

Er hat von Anfang an den Schnuller akzeptiert, so dass er (fast) ausschließlich zum Trinken an die Brust kam (natürlich auch wenn er besondere Zuwendung gebraucht hat, aber eben nicht ständig). Ein bisschen Mamanuckeln ist ja schließlich auch in Ordnung, ich möchte auch nichts erzwingen. Ebenso habe ich von Beginn an drauf geachtet, dass er wach, also nicht auf dem Arm beim Stillen einschlafend, ins (Beistell-)Bettchen gelegt wird und er ist von Anfang an dort allein eingeschlafen. Dem Zubettbringen geht selbstverständlich ein ausgiebiges beruhigendes Abendritual inkl. Babymassage/Schmusen/Kuscheln/Stillen/Buch anschauen etc. nach immer demselben Schema / Reihenfolge voraus. Er hat dann immer von ca. 21 Uhr bis mindestens 2-3 Uhr durchgeschlafen und kam dann alle 2 Stunden, was ich als völlig normal und angenehm empfand. Also in soweit alles "richtig" gemacht. Vor 4 Wochen musste ich ihn aber aus Sicherheitsgründen (zur Atemüberwachung, wg. Keuchhusten) häufiger zu mir ins Bett nehmen. Hinzu kam die körperlich anstrengende Stillsituation im Sitzen (da Bett kein Kopfteil hat), so dass ich das Liegendstillen eingeführt habe, was natürlich immer dazu geführt hat, dass wir beide dabei eingeschlafen sind. Fand ich jetzt an sich eher schön, aber anscheinend habe ich ihm einerseits das direkt-neben-mir-Liegen-und-immer-wieder-Nuckeln-können angewöhnt, und andererseits wacht er seitdem schon wesentlich früher (bereits nach ca. 30-60 Minuten nach dem Einschlafen) auf und kommt beinahe stündlich. Mittlerweile ist es so "schlimm", dass er sich weder mit Schnuller (den er kurz vorm Einschlafen immer ausspuckt) noch mit Körperkontakt wie Händchenhalten, Wange streicheln etc. beruhigen lässt. Er wird richtig wach und wenn ich ihn nicht zu mir und an die Brust nehme, fängt er irgendwann an zu weinen. Ich bin mir nicht sicher (meine 2 Großen - 11 und 13 - hatten das so nie), ob ich es zulassen soll, und somit evtl. noch "schlimmer" mache bzw. es später noch schwieriger wird zum abgewöhnen, oder ob es ratsam ist, diese Phase einfach positiv hinzunehmen. Haben Sie einen Rat für mich? Vielen Dank :)

von latifah am 12.04.2019, 16:05 Uhr

 

Antwort:

Nächtliches Brustnuckeln abgewöhnen?

Liebe latifah,

ich glaube gar nicht, dass Sie Ihrem Baby das angewöhnt haben, sondern das Ihr Baby einen Schub macht :-).

Als Eltern glauben und hoffen wir immer auf eine lineare Weiterentwicklung der Fähigkeiten unserer Kinder. Beim Schlafverhalten können wir jedoch nicht davon ausgehen, dass die Entwicklung kontinuierlich verläuft, im Gegenteil, relativ viele Babys schlafen mit zwei Monaten deutlich länger und anhaltender als mit vier oder acht Monaten.

Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ...

Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet.

Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher
Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in
Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Auch wenn das Kind am Tag viel isst, schläft es nicht besser, denn es wacht ja nicht nur wegen dem Hunger auf, sondern sucht Nähe und Geborgenheit!


Du kannst jetzt mit vielen Tricks versuchen, die Situation zu verändern, aber es wird nur Stress und Tränen geben, denn dein Kind IST einfach in der Phase, in der es dich so viel braucht.
In dieser Zeit verarbeiten Kinder vieles in der Nacht, und brauchen die Bestätigung, dass Mama ganz nah ist, und die beruhigende Milch, noch ziemlich. Es ist kein Rückschritt, wie es scheint, sondern zeigt, dass sich dein Kleines weiter entwickelt!

Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Du machst nichts falsch!

Wichtig ist auch, dass Du weißt, dass dies zwar eine lange Phase ist, aber sie WIRD vorbei gehen! Bis dahin ist es meist einfacher, das Drumherum zu ändern, als das Baby.

• Nimm ALLE Hilfe an, die Du bekommen kannst. Erkundige dich mal, ob Du nicht eine Haushaltshilfe bekommen kannst (wegen absoluter und chronischer Erschöpfung). Möglicherweise kann dir auch deine Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, deinen Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für deine Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Du in die Sauna gehst oder sonst etwas für dich tust ...


• Vielleicht findest Du auch einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit deinem Kind zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit solltest Du dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder DIR etwas Gutes tun.

• Lass den Haushalt auf Sparflamme laufen. Nicht alles muss gebügelt werden. Wenn Handtücher nach dem Baden und Duschen wieder aufgehängt werden, statt auf dem Fußboden zu landen, können sie mehrmals benutzt werden, das spart Wäsche. Es ist nicht wesentlich mehr Arbeit die doppelte Menge Spaghettisoße zu kochen, aber Du hast dann eine fast fertige Mahlzeit für die Tiefkühltruhe. Es schadet nicht der Gesundheit der Familie, wenn Du die Fenster erst wieder im nächsten Jahr putzt. Du wirst sicher einiges finden, was im Haushalt nicht so perfekt gemacht werden muss.

Achte darauf, dass Du genügend isst und trinkst. Du musst keine perfekten Menüs kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparst Du dir auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar.

Sehr empfehlenswert ist von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder." Von ihr ist auch die Broschüre "Kinder brauchen uns auch nachts", in der 20 namhafte Experten wie Dr. William Sears, Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Remo Largo gute Argumente liefern , weshalb von der Anwendung eines Schlaftrainings, wie zum Beispiel der Ferber-Methode, abzuraten ist.

http://www.fuerkinder.org/files/broschre_kinder_brauchen_uns_auch_nachts_de.pdf


Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter.

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter am 12.04.2019

Ähnliche Fragen

Ähnliche Fragen rund ums Stillen an Biggi Welter und Kristina Wrede

Baby knapp 10 Monate - wie nachts abstillen und Brustnuckeln abgewöhnen?

Hallo, ich bin schon länger stille Mitleserin, wende mich jetzt aber mit meiner Frage an Sie, weil mein Mann und ich uns keinen Rat mehr wissen. Unsere Tochter ist knapp 10 Monate alt und wird tagsüber bereits seit 2 Monaten nicht mehr gestillt. Sie isst ihre Mahlzeiten in der ...

von Chris_18 04.12.2018

Frage und Antworten lesen

Stichworte: abgewöhnen, Brustnuckeln

Sollte ich meinem Baby jetzt das Brustnuckeln abgewöhnen und wenn ja, wie?

Liebe Stillberaterinnen, Meine Tochter ist 6 Monate alt, wir fangen gerade an, Mittags Beikost zu geben, ansonsten wird sie nur gestillt. Sie nimmt weder Schnuller noch Flasche. Beim letzten Besuch hat der Kinderarzt geraten, daran zu arbeiten, dass sie nachts ...

von Maimalina 09.11.2017

Frage und Antworten lesen

Stichworte: abgewöhnen, Brustnuckeln

Hört Brustnuckeln von selbst auf oder abgewöhnen?

Liebes Still-Team, Ich bin hier neu im Forum, habe schon so einige Einträge gelesen, aber noch nie selbst gechrieben ... und dann gleich einen ganzen Roman, aber ich weiss einfach nicht, was ich machen soll ... Mein Sohn ist jetzt fast 13 Monate alt. Seit Geburt war er ...

von Paradise13 27.12.2016

Frage und Antworten lesen

Stichworte: abgewöhnen, Brustnuckeln

Wie kann ich schonend das Brustnuckeln abgewöhnen?

Hallo, Frau Welter. Mein Baby ist ein Frühchen und mit 29+5 per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Sie ist gesund und hat schon mit jetzt einem Jahr alles aufgeholt. Wir haben ein massives Problem mit dem Einschlafen ohne Brustnuckeln. Als wir aus dem Krankenhaus kamen, ...

von DeLania 29.01.2016

Frage und Antworten lesen

Stichworte: abgewöhnen, Brustnuckeln

Einschlafstillen abgewöhnen

Hallo, mein Sohn wird in 3 Tagen 2 Monate alt und ist schon seit er 4 Wochen alt ist am zahnen. Ich stille ihn voll, auch abends immer zum einschlafen, nun fängt es aber schon sehr zu schmerzen an und ich möchte ihm zumindest das einschlafstillen abgewöhnen, weiß aber nicht so ...

von JuRi2018 01.02.2019

Frage und Antworten lesen

Stichwort: abgewöhnen

Einschlafstillen abgewöhnen

Liebe Biggi, Aktuell stille ich mein Baby - jetzt 13 Monate alt- noch abends zum einschlafen und nachts (er nimmt keine Flasche oder nukel) Wir haben jetzt während der Feiertage den Mittagsschlaf statt mit stillen nun über den Papa umgestellt (Anfangs mit 40 min weinen, jetzt ...

von Little2017 01.01.2019

Frage und Antworten lesen

Stichwort: abgewöhnen

Einschlafstillen abgewöhnen, hart bleiben?

Liebes Stillteam! Meine Kleine ist jetzt 8 1/2 Monate alt, seit der Geburt halten wir am Einschlafstillen fest. Es hat für mich auch lange Zeit gut gepasst und ich hab es genossen. Jetzt ist allerdings der Zeitpunkt gekommen an dem ich nicht mehr ihr lebendiger Schnuller ...

von Nele91 19.11.2018

Frage und Antworten lesen

Stichwort: abgewöhnen

Wie kann ich meinen 10 Monate alten Sohn die Brust abgewöhnen?

Hallo! Zur Zeit bin ich sehr ratlos, wenn nicht gar verzweifelt. Mein Sohn (knapp 10 Monate) lässt sich einfach nicht abstillen. Am liebsten möchte er noch voll gestillt werden. Ich biete ihm 3 Mahlzeiten (selbstgemachte Breie und teilweise Fingerfood) an. Das klappt sehr ...

von minniemausi 19.11.2018

Frage und Antworten lesen

Stichwort: abgewöhnen

Die letzten 10 Fragen an Biggi Welter und Kristina Wrede
Mobile Ansicht

Impressum Team Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2019 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.