Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Abstillversuch - Mein Sohn schreit nur völlig verzweifelt seit Tagen

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Hallo,
Mein Sohn ist mittlerweile 27 Monate alt und ich trage ich schon länger mit dem Gedanken, zumindest tagsüber abzustillen. Man muss dazu sagen, ich hatte bisher kein Problem damit ihn zu stillen und er stillt auch leidenschaftlich gerne. Leider hab ich es nicht geschafft, ihm einschlafen ohne stillen beizubringen, wohl auch, weil einfach mein Mann ständig arbeiten war oder unterwegs, und die Zeit fehlte und es sonst noch mehr als sonst Stress mit der großen Schwester (4 Jahre) gegeben hätte.....

Nun kommt er in drei Wochen vormittags in die Krippe. Mir wurde dort nahe gelegt, ihm das einschlafen ohne Brust beizubringen bzw. ganz abzustillen, da sie dort vermutlich versuchen werden ihn hinzulegen wenn er sehr müde ist. Ich hab mich dann dazu entschlossen zumindest tagsüber abzustillen. Er wird dort auf dem jetzigen Stand mit Sicherheit nicht schlafen, bei den Großeltern hat es auch nie geklappt.

Wir versuchen es nun seit fünf Tagen, es ist die Hölle. Ich habe ihm erklärt, dass er ein großer Junge ist und dass der Busen deshalb nicht mehr sooo viel Milch hat, die reicht nur noch für nachts. Da ging die Heulerei schon los.....
Mittags bekomme ich ihn schlicht gar nicht zum schlafen, er schreit, schlägt, kreischt völlig verzweifelt bis er nass geschwitzt ist, lässt sich nicht beruhigen, streicheln, vorlesen, singen schon gar nicht, Spieluhr kommt auf die Tagesform an. Eine Bekannte hat mir den Tipp Hörspiel gegeben, interessiert ihn auch nicht. Irgendwann ist er dann soweit dass er wenigstens kurz Päuschen auf dem Schoß macht, zugegeben vor dem Fernseher, der ist dann doch irgendwann interessant. Und die Große eifert auch nicht.
Abends geht der Supergau los. Er ist fröhlich, macht Faxen, versucht sogar sich selbst umzuziehen. Sobald er merkt, dass es ins Bett geht, fallen die Mundwinkel runter, es wird geweint, gekreischt, Kuscheltiere fliegen, Fäuste und Füße leider auch gegen mich. Ich hab ihm mehrfach erklärt, wenn er haut, ins Kissen, wenn er mich haut, geh ich raus. Leider bringt das gar nichts, wenn ich raus gehe, dreht er völlig durch und steigert sich noch mehr rein. Und das ist auch nicht alles Wut oder Zorn, ich höre da auch ziemlich viel Verzweiflung raus.... Vereinzelt bringt ihn mal die große Schwester runter, die ihm dann ein Buch "vorliest". Aber sobald die Geschichte aus ist, geht das Ganze von vorne los....
Heute hab ich ihn immerhin eine Weile mit dem Wimmelbuch mit Fahrzeugen zum liegen bekommen, aber er hat sich dann als er völlig fertig war, auf meinem Arm in den Schlaf geweint zum Schluss....Wenn er schläft, dann meist bis ca. Mitternacht, oder etwas länger, dann kommt er und ich stille ihn. Dann hält er meistens bis morgens 6 Uhr durch, dann steht die Große nämlich auf.

Mein Mann ist leider keine Option, der ist bei ihm seit Anfang an abends abgemeldet, nur Mama. Passt insofern, weils bei der Großen genau andersrum ist. Die kann mit mir nachts nichts anfangen. Wir haben es trotzdem versucht, dass er ihn hinlegt, da dreht er ab der ersten Minute durch mit schlagen, winden, schreien bis er nicht mehr kann.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter, wir kämpfen jetzt seit fünf Tagen und es bewegt sich nichts. Ich muss momentan zweimal die Woche abends im Homeoffice arbeiten, die ganze Situation macht sich dort natürlich auch bemerkbar.
Wenn ich wüsste, dass es in der Kita auch so klappt, würde ich das ganze abblasen. Aber ich hab da so meine Zweifel. Wenn es nicht klapp, was dann? Dann hat er Eingewöhnung und abstillen? Das wollte ich ihm ersparen. Aber ich kann ihn doch nicht wochenlang so schreien lassen. Und ich denke mir momentan, fünf Tage geschafft, vielleicht wirds am nächsten Tag doch besser? Er ist eigentlich ein sehr fröhlicher kleiner Kerl, aber seit wir das abstillen versuchen, ist er weinerlicher geworden....

Vielleicht können Sie mir noch einen Tipp geben.
Viele Grüße
Renate

von Rena84 am 12.08.2020, 22:26 Uhr

 

Antwort auf:

Abstillversuch - Mein Sohn schreit nur völlig verzweifelt seit Tagen

Liebe Renate,

ganz ehrlich gesagt, würde ich Deinen Kleinen jetzt nicht mit Zwang abstillen.

Gerade jetzt ist es wichtig, dass zu Hause nicht auch noch Veränderungen kommen, Dein Kind braucht Sicherheit, die Kita ist aufregend genug!
Es macht keinen Sinn, Dein Kind abzustillen, denn es tut ihm wirklich gut, in der Zeit, die ihr zusammen seid, "Normalität" tanken zu können.

Dein Kleiner weiß doch ganz genau, dass er nur bei DIR an die Brust kann und ob gestillt oder nicht, muss Dein Kleiner lernen, in der Krippe zur Ruhe zu kommen.

Es wird ihm Sicherheit geben, wenn er zu Hause seine geliebte Brust hat und er wird die Veränderung leichter verkraften.

Wichtig ist auch, was DU möchtest. Ist es für DICH wichtig, jetzt abzustillen oder machst Du es nur, weil es die Kita vorschlägt?

Du kennst Dein Kind am besten und DU musst entscheiden, wie Euer Weg weiter geht.

Sprich mit den Erzieherinnen, ob sie Dein Baby anfangs ins Tragetuch nehmen können oder sich neben das Kind setzen, wenn es weint. Wichtig ist, dass Du den Betreuungspersonen vertrauen kannst und sie Dich nicht zusätzlich unter Druck setzen!


Alles Gute für Euch!
Lieben Gruß
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 12.08.2020

Antwort auf:

Abstillversuch - Mein Sohn schreit nur völlig verzweifelt seit Tagen

Hallo,

danke für die schnelle Antwort.

Ich hatte den Gedanken auch schon, ob er nicht den Unterschied erkennt, hier Kita keine Brust, daheim wartet die Brust. Aber bei den Großeltern hat es halt nie geklappt, die haben sich alle erdenkliche Mühe gegeben....Allenfalls im Buggy ist er irgendwann eingeschlafen....Oder ich bekam mittendrin den Anruf im Büro....

Wegen mir müssten wir jetzt nicht abstillen, meine Große hatte mit fünf Monaten die Nase voll davon, er kann nicht genug davon kriegen, wenns nach ihm ginge, bräuchte es kein normales Essen.... hat von Anfang an Schnuller verweigert und Fläschen sowieso, er nimmt auch bis heute nur Wasser an oder Orangensaft, keine Milch, Kakao, Tee etc.
Ich möchte halt, dass er lernt, ohne Brust einzuschlafen. Aber momentan bewege ich mich meiner Meinung nach eher in die Richtung ihn völlig zu verunsichern und dann soll er ab September in die Krippe. Die Brust ist für ihn einfach der absolute Ruhepol, wie für meine Große ihr Kuschelschaf.

Die Erzieherinnen erreiche ich leider nicht mehr, alle im Urlaub. Die Meinung war eben, dass er sich mittendrin einfach mal ausruhen kann, grad am Anfang. Die sind dort sehr liebevoll und würden ihn mit Sicherheit nicht schreien lassen. Aber Sie haben natürlich recht, Krippe und zuhause sind wieder zwei verschiedene Dinge.....

Ich habe mir überlegt, ich werde es noch ein oder zwei Tage versuchen. Wenn bis dahin keine Besserung eintritt, lass ich es sein und warte, was kommt....

Vielen Dank
Renate

von Rena84 am 12.08.2020

Antwort auf:

Abstillversuch - Mein Sohn schreit nur völlig verzweifelt seit Tagen

Unser Sohn ist in dem alter auch nur im buggy oder in der Trage (oder bei autofahrten) eingeschlafen....konnten ihn dann aber ins Bett umlegen. also wenn du selber abstillen möchtest, dann sind das ggf geeignete Alternativen.
Wegen der kita würde ich nicht abstillen...

von Lea1986 am 13.08.2020

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