Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Abstillen

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Mein Sohn ist jetzt fast sieben Monate alt und wird gestillt. Mit dem Zufüttern haben wir ungefähr ab dem fünften Monat begonnen. Mittags und Abends bekommt er Brei, falls er dann immer noch Hunger hat die Brust hinterher. Mein Problem besteht darin, das ich ab Januar 2002 wieder arbeiten gehen werde und nicht jeden Tag die Mengen Milch abpumpen kann die er noch benötigt. Vor allen Dingen da ich ja nach Bedarf stille. Mir wird wohl nichts anderes übrigbleiben als abzustillen und ihm Fläschchen zu geben.
Wie funktioniert das problemfrei ? Oder gibt es eine andere Alternative? Wird er Fläschchen überhaupt annehmen? ( Ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen abstillen zu wollen, aber ab nächstes Jahr bin ich ja schließlich nicht immer zur Stelle wenn er Hunger hat )

von Susanne am 06.11.2001, 08:41 Uhr

 

Antwort auf:

Abstillen

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Liebe Susanne,

die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit ist nicht zwingend ein Grund, das Stillen aufzugeben. Vor allem wenn das Kind schon älter ist und andere Nahrung erhält, ist es meist sogar relativ einfach Stillen und Beruftätigkeit miteinander zu verbinden, auch ohne dass abgepumpt werden muss.

Bis Januar ist ihr Sohn fast neun Monate alt und kann während Ihrer Abwesenheit Beikost plus künstliche Säuglingsnahrung (oder falls sie dies doch probieren wollen) abgepumpte Muttermilch erhalten. Er braucht dann auch nicht mehr zwingend eine Flasche, es ist auch möglich, dass er die Milchnahrung aus dem Becher trinkt. Es muss auch nicht unbedingt flüssige Milchnahrung sein, es wäre auch möglich statt Flasche einen Milchbrei zu geben.

Wenn Sie mit Ihrem Kind zusammen sind, können Sie so weiter stillen, wie sie beide es gerne möchten. Es kann sogar sein, dass sich das Stillen so einspielen wird, dass sie zum Beispiel nur noch am Morgen und Abend und eventuell in der Nacht stillen, dann haben Sie auch kein Problem mit ihrer Brust, wenn Sie an ihrer Arbeitstelle sind. Falls Sie tagsüber am Wochenende oder an freien Tagen weiterhin nach Bedarf stillen, kann es sein, dass Sie am Arbeitsplatz gelegentlich etwas Milch ausstreichen oder abpumpen müssen, um Stauungen zu verhindern.

Insgesamt ist es sehr viel weniger schwierig stillen und Berufstätigkeit miteinander zu verbinden, als Sie es vielleicht glauben. Die Ausgabe 2/2000 (März) des „buLLLetin - die andere Elternzeitschrift für den Still- und Erziehungsalltag" (die deutschsprachige Zeitschrift der La Leche Liga) beschäftigt sich unter dem Titel „Beruf und Berufung" mit dem Thema Stillen und Berufstätigkeit. Neben praktischen Tipps (Abpumpen, Aufbewahren von Muttermilch usw.) finden Sie in diesem Heft auch Erfahrungsberichte. Vielleicht ist der Inhalt dieses Heftes auch interessant für Sie. Das buLLLetin kann sowohl im Abonnement (unter der Adresse Fotorotar, Administration buLLLetin, Gewerbestraße 18, CH8132 Egg (ZH)) als auch als Einzelheft (buLLLetin Versand, Simone Kamer, Neumattstraße 20, CH3053 Münchenbuchsee oder auch beim Still-shop auf dieser Seite) bezogen werden.

Wenn Sie sich zum Abstillen entschließen, dann tun Sie dies ohne schlechtes Gewissen und aus Überzeugung. Jedweden Zweifel an Ihrem Entschluss abzustillen wird Ihr Kind spüren und entsprechend reagieren.

Dabei gehen Sie am besten so vor, dass Sie Ihr Kind zunächst anlegen, aber es sich nicht vollständig satt trinken lassen, sondern anschließend noch die Flasche oder Beikost anbieten. Bei manchen Kinder empfiehlt sich auch die umgekehrte Vorgehensweise, zuerst Flasche anbieten und anschließend noch die Brust, das müssen Sie ausprobieren.

Allmählich steigern Sie die Menge der Flaschennahrung, bis die Mahlzeit vollständig ersetzt ist. Etwa im Abstand von mindestens einer Woche können Sie dann mit dem Ersetzen der nächsten Mahlzeit durch künstliche Säuglingsnahrung bzw. Beikost beginnen. Mit welcher Mahlzeit Sie beginnen, bleibt Ihnen überlassen. Nach Möglichkeit sollten Sie nicht zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Stillzeiten direkt nacheinander ersetzen.

Falls die Brust dann zu spannen beginnt, pumpen Sie gerade so viel Milch ab oder streichen von Hand aus, dass die unangenehme Spannung nachlässt und Sie sich wieder wohl fühlen. Nicht mehr Milch als unbedingt notwendig entleeren, denn sonst wird die Produktion wieder angeregt. Zusätzlich können Sie die Brust kühlen.

Stillkinder müssen erst lernen, wie sie aus einer Flasche trinken müssen. Die Techniken beim Trinken der Brust bzw. der Flasche unterscheiden sich völlig voneinander. Das Baby empfindet den Flaschensauger wahrscheinlich als etwas Befremdliches, dem es nichts abgewinnen kann. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt „Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt.

Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren.
Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln.

Hier noch ein paar Tipps, wie Ihr Baby die Flasche vielleicht besser annimmt:

• die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist
• das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln
• den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut
• den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen
• verschiedene Saugerformen und Lochgrössen ausprobieren
• verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen
• versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern
• geduldig bleiben und auch alternative Fütterungsmethoden in Betracht ziehen (z.B. Becher, Löffel)

Noch ein Tipp: falls Sie es einrichten können, legen Sie Ihren ersten Arbeitstag auf einen Donnerstag (wenn Sie von Mo bis Fr arbeiten). So haben Sie nicht sofort eine ganze Arbeitswoche vor sich und können nach den ersten beiden, sicher sehr anstrengenden Arbeitstagen erst einmal das Wochenende zum erholen genießen.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.

LLLiebe Grüße
Biggi Welter

von Biggi Welter, Stillberaterin am 06.11.2001

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