Dr. med. Vincenzo Bluni

Windpocken - Bitte Ihre Einschätzung

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Guten Tag Herr Dr. Bluni,

bitte sagen Sie mir Ihre Meinung zu folgendem Fall:
Ich habe mich gestern mit einer Freundin getroffen. Sie babysittet nebenbei und hat dann erzählt, dass eines Ihrer Kinder letzte Woche die Windpocken hatte. Nun bin ich sehr beunruhigt und würde gerne wissen:
1) wie schnell die Pocken übertragbar sind (das babysitten war gestern 5 Tage her). Wenn sie sich angesteckt hätte, könnte sie das Virus schon auf mich übertragen haben?
2) wie lange sind Windpocken anstecken? Angeblich wären die Pocken schon verkrustet gewesen.
3) wenn sowohl meine Freundin und ich schon die Pocken hatten, besteht dann überhaupt Grund zur Sorge? Ich habe schon mehrmals im Netz gelesen, dass man sich trotzdem zweimal anstecken kann.
Meinen Immunstatus kenne ich leider nicht, weil ich bis gestern davon ausgegangen bin, dass man die Pocken nur einmal bekommt.
Bitte sagen Sie mir, wie Sie das Ganze sehen.
Liebe Grüße,
Sunny

von Sunny69 am 05.07.2011, 07:11 Uhr

 

Antwort auf:

Windpocken - Bitte Ihre Einschätzung

Hallo Sunny,

auch wenn es viele Schwangere nicht wissen, besitzen ca. 93-94% der schwangeren Frauen Antikörper und damit Schutz vor einer Erstinfektion mit Varizellen, dem Erreger der Windpocken und der Gürtelrose. Das heißt, sie hatten die Infektion offensichtlich durchgemacht oder sind geimpft worden. Nach durchgemachter Infektion besteht lebenslange Immunität und eine erneute Infektion mit Windpocken ist unter normalen Umständen nicht mehr möglich.

Theoretisch kann diese Schwangere mit vorhandener Immunität dann nur noch eine Gürtelrose bekommen. Dieses ist der gleiche Erreger (Varizellen). Von der geht nach bisherigen Erkenntnissen aber keine Gefahr für das Ungeborene aus.

Eine Person, die bereits die Windpocken hatte, wird diese erstens nicht mehr bekommen und zweitens wird sie den Erreger nicht übertragen. Es sei denn, diese Person hätte nun aufgrund einer schlechten Immunitätslage die Gürtelrose (siehe oben).

Nach vermeintlichem Kontakt sollte im Zweifel also zunächst der Immunstatus geprüft werden.

In der Regel lässt sich anhand eines Titers schon sagen, ob eine Person nun Immunität hat oder nicht. Bestehen dennoch Zweifel, ist natürlich für all dieses Schwangeren ein Restrisiko einer Infektion gegeben.

Bei einer frischen Varizelleninfektione im 1. und 2. Trimenon (d.h. bis zum 6. Monat) sind sehr selten Syndrome bei Neugeborenen beschrieben worden (wenige Fälle in der medizinischen Literatur!), die durch Hautnarben, Unterentwicklung einer Extremität, niedriges Geburtsgewicht und verschiedene Defekte gekennzeichnet sind.

Zu unterscheiden davon sind die Varizellen perinatal (d.h. um die Geburt): Tritt das Exanthem (der Hautausschlag) der Mutter früher als 4 Tage vor Entbindung auf, erhält das Kind mütterliche Antikörper, die es vor Infektion schützen oder die Manifestation mildern. Bei Eintritt des Varizellenexanthems zwischen 4. Tag vor und 2. Tag nach Entbindung ist ein solcher Schutz nicht mehr gewährleistet: Varizellen, die beim Kind dann in der 2. Woche nach der Geburt auftreten können für das Kind fatale Folgen haben.

Das so genannte Varizellen-Hyperimmunglobulin muss innerhalb von 96 Std., besser sind 72 Std. nach Kontakt gegeben werden, wenn kein Immunschutz da ist, um einen Ausbruch abzuschwächen oder zu verhindern.

Aus diesen Gründen sollte bei fehlender Immunität Kontakt der Schwangeren oder ihrer Kinder/ihres Partners die/der keine Immunität haben/hat zu bekanntermaßen Erkrankten gemieden werden.

VB

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 05.07.2011

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