Dr. med. Vincenzo Bluni

Welches Risiko: spontane Geburt nach 2 KS?

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Hallo Dr. Bluni!

Da sowohl mein FA als auch meine Hebamme in Urlaub sind und auch der Oberarzt im KH offensichtlich einen Babyboom zu bewältigen hat und z.Zt schlecht zu sprechen ist, wende ich mich heute mit meiner Frage an sie.

Ich hatte 1999 einen Not-KS wegen path. CTG während der Geburt (Nabelschnur 3mal um den Hals), 2002 eine spontane Geburt und 2007 erneut einen KS wegen rel. Mißverhältnis (3950 g schwer, bin selbst nicht sehr groß).

Nun hatte ich am Mittwoch das Planungsgespräch im KH wo mir zu meiner großen Überraschung eröffnet wurde dass einer spontanen Geburt eigentlich nichts im Wege steht zumal das Baby nicht sehr groß geschätzt wurde (spontan wäre auch meine 1. Wahl!!!).
Bisher hatten mir sowohl FA als auch Hebamme gesagt dass ein KS sicher wäre nach 2 vorangegangenen.

Über meine Freude wegen der Möglichkeit einer spontanen Geburt habe ich ganz versäumt nach den Risiken zu fragen.
Bisher hatte ich immer gehört dass der KS eben zwingend wäre weil die Risiken einer Ruptur usw. viel zu groß wären.

Gehe ich da zu unbekümmert ran und sollte doch lieber einen KS wählen?
Können Sie mir dazu etwas sagen?

Danke, Becky

von becky75 am 24.07.2009, 12:34 Uhr

 

Antwort auf:

Welches Risiko: spontane Geburt nach 2 KS?

Hallo,

1. nach der Vorgeschichte wird die Wahrscheinlichkeit wohl als zumindest gering einzustufen sein.

2. zu beantworten sind bei der Frage, ob bei einer Folgeschwangerschaft erneut ein Kaiserschnitt erfolgt, die folgenden Fragen:

a.warum wurde der Kaiserschnitt gemacht? Wie war der Geburts- und Wehenverlauf?

b. Gibt es bei der folgenden Schwangerschaft besondere, geburtshilfliche Risiken bei der Frau und während der Schwangerschaft?

c. Wie schwer ist das folgende Kind ungefähr bei Geburt? Dieses sollte um die 36. SSW durch Untersuchung und per Ultraschall abgeschätzt werden.

d. Wie sind die Bedürfnisse der Eltern hinsichtlich des Entbindungsmodus?

e. Was empfehlen Frauenarzt/Ärztin und die Entbindungsklinik den Eltern?

Generell ist es wohl sicher den meisten Fällen möglich, eine vaginale Entbindung (spontan, per Saugglocke oder Zange) auch nach einem Kaiserschnitt durchzuführen, ohne, dass hier Probleme entstehen müssen.

Dieses sollte aber in Absprache mit der Frauenärztin/Frauenarzt und der Entbindungsklinik entschieden werden, wo die Frau sich eigentlich immer vor der Geburt vorstellen sollte und nach einem Kaiserschnitt vielleicht noch mehr, um über die Vor- und Nachteile und auch die möglichen Risiken des ein oder anderen Vorgehens zu sprechen.

3. wenn der Geburtsstillstand auf ein Missverhältnis zu Stande kam, sinken die Chancen auf eine spontane Geburt doch erheblich und in dieser Situation ist es für sie das Beste, wenn Sie um die 37. SSW zu einem Geburtsplanungsgespräch in die Entbindungsklinik gehen, wo am besten ein erfahrener Facharzt, dem auch der letzte Geburtsbericht vorliegt an Hand einer Untersuchung und vielleicht eines Ultraschalls entscheiden kann, ob zunächst eine normale Geburt angestrebt werden kann oder ob es vielleicht jetzt Hinweise auf ein relatives Missverhältnis gibt.

4. bei einer Schwangerschaft/Geburt nach einem oder mehreren Kaiserschnitten ergeben sich besondere Risiken im Wesentlichen durch die mögliche Ruptur der Gebärmutter. Dieses kann während der Gravidität (sehr selten) als auch unter der Geburt eintreten.
Man spricht von einer kompletten Ruptur, wenn es zur Zerreißung des Bauchfells über der Gebärmutter (viszerales Peritoneum) mit teilweisem Vorfall fetaler Anteile in die Bauchhöhle kommt. Dies bringt eine akute Gefährdung von Mutter und Kind mit sich. Geht die Naht ein wenig auseinander (Nahtdehiszenz), kann dieses ohne Symptome verlaufen.
Die Ruptur der Gebärmutter noch während der Schwangerschaft bei regelmäßiger Wehentätigkeit ist offensichtlich so selten, dass es hierzu keine Zahlen in der Literatur gibt, auch wenn die Anzahl der Kaiserschnitte deutlich zugenommen hat.
Das Risiko einer Uterusruptur für Frauen nach einem Kaiserschnitt liegt nach Informationen der WHO bei etwa 0,32% (Spong CY et al. Risk of uterine rupture and adverse perinatal outcome at term after cesarean delivery. Obstet Gynecol 2007;110: 801-7). Das Risiko für eine Ruptur nach Kaiserschnitt ist bei der Spontangeburt mit 0,74% am größten verglichen mit einem primären oder sekundären erneuten Kaiserschnitt.

In einer Studie (Stamilio DM et al. Short interpregnancy interval: risk of uterine rupture and complications of vaginal birth after cesarean delivery. Obstet Gynecol 2007; 110:1075-82) zum Einfluss des Zeitintervalls zwischen dem Kaiserschnitt und der darauffolgenden Schwangerschaft auf das Rupturrisiko konnte gezeigt werden, dass alle Zeitintervalle über 6 Monate inklusive des überdurchschnittlich langen Schwangerschaftsintervalls über 60 Monate kein statistisch signifikant erhöhtes Risiko einer Gebärmutterruptur unter der Geburt mit sich bringen

Aus WHO- Bericht WHO geht hervor, dass es für Frauen ohne vorherige Operationen an der Gebärmutter (inklusives Kaiserschnitt) nur einen einzigen Report gibt und der gibt ein extrem geringes Risiko von (0.006%) an.

(Quelle: http://www.who.int/reproductive-health/global_monitoring/articles/uterinerupture.pdf )

Für die Dicke der Gebärmutterwand gibt es keine Daten, da aus ihr alleine keine Rückschlüsse zu ziehen sind.

VB

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 24.07.2009

Antwort auf:

Welches Risiko: spontane Geburt nach 2 KS?

Ich habe nach 2 KS (hintereinander) spontan entbunden.
Sicher hat man das Risiko einer Ruptur, aber das eben auch schon nach einem KS.

Ich weiß nur, daß man nach 2 KS wesentlich vorsichtiger bei der Einleitung ist und natürlich genauer auch überwacht.

von Summer72 am 24.07.2009

Antwort auf:

Welches Risiko: spontane Geburt nach 2 KS?

Das Risiko ist schon sehr groß, aber dennoch gibt es, wenn auch selten KH, die nach 2 KS spontan entbinden lassen. Würde nochmal mit dem Arzt sprechen. Lieber einmal zu viel als zu wenig.

Ich persönlich gehe dieses Risiko nicht ein, da ich ein sehr schwaches Bindegewebe habe. Deshalb bekomme ich auch jetzt Anfang August meinen 3. KS mit anschließender Steri.

Ich habe aber auch gehört, dass bei einer spontanen Entbindung nach KS keine PDA gegeben werden darf, weil man sonst nicht merken würde, dass da was reißt. Aber so genau weiß ich das nicht, da ich direkt nach dem positiven SST von einem weiteren KS ausgegangen bin.

Es ist deine eigene Entscheidung.

von Terrorzicke am 24.07.2009

Antwort:

Darf ich Dich noch etwas fragen?

Hallo - Du hattest mir ja wegen der KS-Frage bei Bluni geantwortet....vielleicht darf ich Dich noch etwas fragen.

Leider bin ich nach der Antwort von Bluni nicht viel schlauer, zumal er nicht mal mein Posting gelesen hat. Denn dort hatte ich ja geschrieben dass der Oberarzt des KH SELBST von einer Spontangeburt ausging bei unserem Gespräch.
Bluni hat ja geantwortet dass das bei meiner Vorgeschichte unwahrscheinlich wäre....aber das scheint es ja wohl nicht.

Na ja...was soll's?!
Jetzt bin ich allerdings total irritiert. Ich bin ja wie gesagt, immer von einem KS ausgegangen weil mir das so gesagt wurde. Und als ich irgendwann mal sowohl meine FÄ als auch meine Hebamme angesprochen habe ob es nicht möglich wäre spontan zu entbinden, haben die sofort abgeblockt und gesagt das wäre zu gefährlich und bla, bla....

So richtig hat mir aber noch niemand erklärt WAS da eigentlich so gefährlich sein soll. Und wie hoch das Risiko ist? Was passiert bei einer Ruptur? Ist das lebensgefährlich oder wie ist das sonst einzustufen?

Über meine Freude dass mir der Oberarzt dort eröffnet hatte dass ich spontan entbinden könnte habe ich ganz vergessen mal nachzufragen.

Kannst Du mir da was drüber sagen? Wurdest Du darüber informiert?
Am Dienstag habe ich VU und werden dort auch noch mal nachfragen aber mich würden jetzt so Deine Erfahrungen und Infos interessieren.
Schließlich hast du es ja schon mal gemacht.

lg, rebeca

von becky75 am 26.07.2009

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