Dr. med. Vincenzo Bluni

Sport/ Ernährung in der Frühschwangerschaft

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Hallo Dr. Bluni,

ich hatte bevor ich auch abnehmen wollte meine erste Schwangerschaft, die in der 6 Woche leider endete (am 08.11.2010).

Ca. 2 Wochen später (am 19.11.) dachte ich mir, da wir vom Arzt aus ca. 3 Monate warten sollten mit einer erneuten Schwangerschaft, dass ich auch etwas für mich tun möchte und habe meine Ernährung umgestellt und bis jetzt ca. 6 kg weg.
Außerdem, mache ich nun auch seit dem 22.11. Sport, meist in Form von Rad fahren (Hometrainer).

Nun meine eigentlichen Fragen.

Wie soll ich dann weiter machen? An sich ist ja Rad fahren nicht schlimm in der Frühschwangerschaft, da ja keine Erschütterungen dabei entstehen.

Ich fahre bis jetzt meist 3x 20 Min. mit dem Rad. Manche Tage mache ich aber auch Sport mit Hilfe der Wii oder mal jeweils 10 Minuten mit dem Stepper (natürlich dann anstelle vom radeln).

Wie ist das dann mit der Ernährung? Zur Zeit ernähre ich mich ja so, dass ich abnehmen kann (gesund!), aber ist man Schwanger sollte man ja ca. 300kcal mehr zu sich nehmen.

Ich hab halt Angst, da ich schon mal eine schlechte Erfahrung gemacht habe (auch wenn ja nicht jede Schwangerschaft gleich ist und die nächste auch normal verlaufen kann, aber irgendwie habe ich das im Hinterköpfchen drin).

Ich habe heute einen 10er Schwangerschaftstest gemacht (da wir 1 mal nicht verhütet haben zu Weihnachten), aber mit 2. Urin der positiv ausfiel, also wäre es möglich, dass ich jetzt auch schon wieder schwanger bin, ich habe heute deshalb auch zur Sicherheit mit der Folsäureeinnahme begonnen.

Vielen Dank für die Antwort.

Silvana

von gusti05 am 05.01.2011, 11:26 Uhr

 

Antwort auf:

Sport/ Ernährung in der Frühschwangerschaft

Hallo Silvana,

1. sie können dadurch, dass Sie etwas genauer auf den Fettkonsum (insbesondere versteckte Fette in Süßwaren) und die Mengen dessen, was Sie zu sich nehmen, achten, hier schon Abhilfe leisten. Die sportliche Betätigung (siehe unten) trägt ihr übriges dazu bei.

2. die empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft richtet sich vor allem nach dem BMI. Dieses ist die Abkürzung für den so genannten Body-Maß-Index. Er errechnet sich aus Körpergewicht geteilt durch Länge in Metern zum Quadrat. Dieser gibt am besten Auskunft über die individuelle Gewichtssituation:

Wenn er vor der Schwangerschaft in etwa bei 25 liegt, sprechen wir von Normgewicht. Ist er 19 und kleiner, liegt ein Untergewicht vor.

Im Folgenden können Sie die Empfehlungen zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, abhängig vom BMI vor der Schwangerschaft nachlesen:

niedrig (kleiner 19)) 12,5-18 kg
normal (19-25) 11,5-16 kg
hoch (größer 26) 7-11,5 kg

Der Zeitpunkt dieser Gewichtszunahme kann schon mal variieren. Erfahrungsgemäß findet diese aber meist nicht vor dem 2. Schwangerschaftsdrittel statt.

3. allgemein gilt Sport unter Berücksichtigung gewisser Einschränkungen für werdende Mütter als durchaus empfehlenswert. Nicht nur im Zusammenhang mit der Bewältigung des Geburtsschmerzes hat sich physische Aktivität sowohl in präventiver als auch in therapeutischer Hinsicht als sinnvoll und positiv bewährt.

Neben der deutlich verringerten Häufigkeit an typischen, schwangerschaftsbedingten Unterbauchbeschwerden zeigt sich eine schmerzunterdrückende Wirkung bei Wehen und es gibt eine positive Wirkung auf den späteren Geburtsverlauf-und fortschritt.

Gibt es Kontraindikationen für die sportliche Betätigung in der Schwangerschaft?

Ja, die gibt es und wir können uns am besten an den Empfehlungen der Amerikanischen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aus dem Jahr 2002 (Quelle unten) orientieren, da wir solche in Deutschland bis heute nicht haben.

Absolute Kontraindikationen für die sportliche Betätigung in der Schwangerschaft

• Hämodynamisch bedeutende Herzerkrankung
• Restriktive Lungenerkrankung
• Zervixinsuffizienz, Cerclage/Muttermundverschluss
• Mehrlingsschwangerschaft mit dem Risiko vorzeitiger Wehen
• Anhaltende Blutungen im 2.oder 3. Schwangerschaftsdrittel
• Plazenta praevia nach der 26. Schwangerschaftswoche
• Vorzeitige Wehen in der laufenden Schwangerschaft
• Vorzeitiger Blasensprung
• Präeklampsie oder erhöhter Blutdruck, der in der Schwangerschaft erstmalig aufgetreten ist

Relative Kontraindikationen für die sportliche Betätigung in der Schwangerschaft

• Ausgeprägte Schwangerschaftsanämie
• Ungeklärte Herzrhythmusstörungen
• Chronische Bronchitis
• Schlecht eingestellter Typ I-Diabetes
• Extremes Unter- oder Übergewicht
• Sehr unsportliche Lebensweise
• Fetale Wachstumsretardierung in der laufenden Schwangerschaft
• Schlecht eingestellter Bluthochdruck
• Orthopädische Vorerkrankungen
• Schlecht kontrolliertes/eingestelltes Anfallsleiden
• Schlecht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion
• Starkes Rauchen

Warnzeichen, die dazu führen müssen, die sportliche Betätigung in der Schwangerschaft umgehend einzustellen

• Vaginale Blutung
• Luftnot schon vor körperlicher Belastung
• Schwindel
• Kopfschmerzen
• Schmerzen im Brustkorb
• Muskelschwäche
• Wadenschmerzen
• Vorzeitige Wehen
• Verringerte Kindsbewegungen
• Flüssigkeitsabgang mit Verdacht auf Blasensprung

Welche Sportart für welche Schwangere ist zu empfehlen?

Die Beantwortung dieser Frage orientiert sich neben medizinischen und allgemeingültigen Kriterien am subjektiven Wohlbefinden der Schwangeren. Grundsätzlich sollte die Schwangere nicht an ihre persönliche Leistungsgrenze gehen ("suboptimale Leistungsgrenze" Prof. Dr. Jung, Sportmediziner) und sollte immer wieder kurze Pausen einlegen. Die Herzfrequenz sollte nicht über 140/Minute steigen.

Sofern eine schwangere Frau schon vor der Schwangerschaft Leistungssport betrieben hat, können diese Geübten, wie auch Bergaktive solche Pulsspitzen nach Ansicht der Experten gut verkraften. Die körperliche Belastung sollte, wenn möglich immer im so genannten aeroben Bereich bleiben. Hier gilt die Faustregel: Lässt sich weiter sprechen, ohne aus der Puste zu kommen?

Dieses dient dazu, die Sauerstoffbilanz nicht zu ungunsten des Kindes zu verschlechtern, die Körperkerntemperatur nicht übermäßig zu erhöhen und nicht in eine Unterzuckerung des mütterlichen Organismus zu gelangen. Vor und nach der sportlichen Belastung sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um eine Austrocknung zu verhindern.

Zur Frage, welche Sportarten allgemein zu empfehlen sind kann man sagen, dass insbesondere körpergewichtsentlastende Sportarten wie das Schwimmen und das Radfahren eher zu empfehlen sind als Sportarten, bei denen das Körpergewicht selbst getragen werden muss (Laufen, Aerobics).Bei letzteren ist der Energieverbrauch und die Gelenkbelastung höher. Darüber hinaus sind aerobe (positiv für die Sauerstoffbilanz der Mutter) Sportarten, bei denen große Muskelgruppen beansprucht werden, und die rhythmischer Natur sind, vorzuziehen.

Das Schwimmen stellt nach dem Spazierengehen und dem Radfahren die am meisten zu empfehlende Sportart während der Schwangerschaft dar, da sie alle großen Muskelgruppen beansprucht, die Gelenke und Bänder schont, ein günstiges thermisches Medium bereitstellt und ein geringes Verletzungsrisiko birgt.

Wie ist es mit Krafttraining?

Untersuchungen der I. Münchener Universitätsfrauenklinik (LMU) zufolge wurden für ein leichtes bis moderates Krafttraining mit freien Gewichten oder an Geräten keine negativen Effekte beschrieben. Deren Untersuchungen konnten hier im Gegenteil belegen, dass Krafttraining in Verbindung mit Stretching zu einer Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit führen, was der schwangeren Frau den Umgang mit dem erhöhten Körpergewicht und dem veränderten Schwerpunkt erleichtert. Außerdem beugt die Stärkung der Rückenmuskulatur Rückenschmerzen vor.

Schwere Gewichte oder maximale isometrische Kraftanstrengungen sollten allerdings gemieden werden und Anfängerinnen sollten bezüglich der Atemtechnik angeleitet werden, um Atemanhalten zu vermeiden.
Bei unauffällig verlaufender Schwangerschaft ohne Frühgeburtsrisiko gilt für Bauche-Beine-Po, dass die Bauchübungen sukzessive reduziert werden sollten, um sie spätestens - je nach Wohlbefinden - nach dem 7. Monat ganz wegzulassen.

Welche Sportart ist für die schwangere Frau nicht zu empfehlen?

Kampf- oder Kontaktsportarten mit hoher Wahrscheinlichkeit von Körperkontakten, so z. B. Hockey oder Basketball. Abgeraten wird auch von Sportarten mit erhöhtem Sturzrisiko (Reiten, Mountainbiking) und auch von Abenteuersportarten wie Bungeejumping, Drachenfliegen und Fallschirmspringen. Auch Gerätetauchen ist in der Schwangerschaft tabu. Schnorcheln gelten dagegen als relativ ungefährlich.


VB

Quellen:

Kelly, Amanda, Practical exercise advice during pregnancy, The Physician and Sportsmedicine 2005, Band 33 (Ausg. 6)

Davies, G.A.L.; Wolfe, L.A.; Mottola, M.F.; and MacKinnon, C. (2003). Joint SOGC/CSEP Clinical Practice Guideline: Exercise in pregnancy and the postpartum period. Can. J. Appl. Physiol. 28(3): 329-341.

Kramer MS, McDonald SW. Aerobic exercise for women during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2006;(3): CD000180

ACOG committee opinion: exercise during pregnancy and the postpartum period. Number 267, January 2002. American College of Obstetricians and Gynecologists. Int J Gynaecol Obstet. 2002;77:79-81.

http://bjsm.bmj.com/content/37/1/6.full.pdf (Artal, R. and O'Toole, M Guidelines of the American College of Obstetricians and Gynecologists for exercise during pregnancy and the postpartum period, Stand: 2002, letzter Abruf: 29.12.2010)

Macera CA, Ham SA, Yore MM, et al. Prevalence of physical activity in the United States: Behavioral Risk Factor Surveillance System, 2001. Prev Chronic Dis. 2005;2:A17.

Exercise during pregnancy and the postpartum period. ACOG Technical Bulletin Number 189 -- February 1994. Int J Gynaecol Obstet. 1994;45:65-70.

Wolfe LA. Pregnancy. In: Skinner JS, ed. Exercise Testing and Exercise Prescription for Special Cases: Theoretical Basis and Clinical Application. 3rd ed. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins; 2005:377-391.

Sternfeld B, Quesenberry CP Jr, Eskenazi B, Newman LA. Exercise during pregnancy and pregnancy outcome. Med Sci Sports Exerc. 1995;27:634-640.

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 05.01.2011

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