Dr. med. Vincenzo Bluni

Begründeter V.a. Beckenvenenverschluss?

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Sehr geehrter Herr Dr. Bluni,

Ich bin mit dem 2. Kind in der 33. Woche schwanger, hatte in diesem Jahr 2 Frühaborte (5. u. 6. SSW), Im August (14.SSW) lag ich wegen Abortus imminens bei retroplazentarem Hämatom 5 Tage im Krankenhaus, danach 2 Wochen körperliche Schonung. Wegen der Blutung erfolgte keine Thromboseprophylaxe, die Thrombosestrümpfe habe ich nachts aufgrund der Hitze dummerweise ausgezogen.

Einige Wochen später entwickelten sich Besenreiservarizen an der Knieinnenseite li., zudem Schmerzen in der li. Leiste ausstrahlend in den li. Oberschenkel mit größenprogredienter Schwellung präpubisch links.
Letztere habe ich bisher als Leistenhernie abgetan, da im Liegen scheinbar „reponibel“. Eine Bruchpforte war nie palpabel. Die starken Rückenschmerzen hielt ich für simple Schwangerschaftsbeschwerden und für nicht erwähnenswert. Meine Frauenärztin hat meine Einschätzung zur Leistenhernie unhinterfragt übernommen und richtigerweise gesagt, dass aktuell sowieso nur eine konservative Therapie derselben möglich und eine Vorstellung beim Chirurgen nicht zwingend notwendig ist. Jetzt allerdings ist die Schwellung im Liegen nur noch langsam bis gar nicht rückläufig.

Wegen zunehmender Beschwerden war ich letzte Woche beim Phlebologen: keine TVT zumindest der Beinvenen, nur Seitenastvarikosis li. Oberschenkel und li. Leiste, vermeintliche Leistenhernie sei zu 99% eine Varikosis der präpubischen epifaszialen Venen. Vermutet wurde eine venöse Stauung/Varikosis der Beckenvenen li. durch die Schwangerschaft und eine konservative Therapie wurde empfohlen. Der Kollege hat nach der Untersuchung seinen Chef hinzugerufen. Dieser wiederum wollte sich nicht festlegen, sagte aber dass die Differenzierung zwischen Leistenhernie und präpubischer Varikosis keine therapeutische Konsequenz hätte. Dass die beiden sich mehr oder weniger widersprachen, kommt mir merkwürdig vor. Ich habe das Duplexsonografie-Bild gesehen und würde behaupten, dass es maximal noch eine Leistenhernie mit Mutterbandvarizen oder z.B. Plexus ovarii als Bruchinhalt sein kann, aber dass da Gefäße sind, ist eindeutig. Passt jedoch nicht unbedingt zu den Schmerzen im Bein und der Seitenastvarikosis li.

Übertreibe ich oder sollte in Zusammenschau der Befunde nicht ein chronischer Beckenvenenverschluss li. ausgeschlossen werden, auch wenn eine schwangerschaftsbedingte Stauung wahrscheinlich ist? (Schmerzen und vermehrte Venenzeichnung li. Bein, beim Hochlagern und in Rechtsseitenlage Besserung, rezidivierende Rückenschmerzen lumbal, möglicher Umgehungskreislauf, Schwangerschaft, Z.n Immobilisation)?

Ich habe leider (ich weiß, ich sollte nicht soviel nachlesen nachlesen) in einen wissenschaftlichen Artikel gefunden, dass präpubische Varizen geradezu hinweisend für eine Beckenvenenthrombose sind, da sich ein Kollateralkreislauf zwischen li. u. re. Crosse der V. saphena magna ausbildet. Wird dieser dann noch durch eine OP unterbrochen, könne sich ein akutes Stauungssyndrom des li. Beines entwickeln.
Wegen V.a. Missverhältnis ist eine primäre Re-Sectio geplant, die alte Sectionarbe liegt genau am Oberrand dieser Varizen.

Ich weiß im Moment gar nicht, was ich machen soll. Zum ambulanten Chirurgen, erstmal eine Leistenhernie 100%ig ausschließen lassen? Dann erneut zum Gefäßchirurgen?
Oder meine Gynäkologin nocheinmal gezielt auf meine Befürchtung ansprechen (nächste Kontrolle auch erst am 27.12.)
Oder gleich in der Geburtsklinik nachfragen (Termin zur OP-Planung erst am 7.1.): präpubische Varizen DD große Leistenhernie im OP-Gebiet=Blutungsgefahr, V.a. Beckenvarikosis=Blutungsgefahr, V.a. Beckenvenenthrombose=Emboliegefahr)?
Oder einfach Füße stillhalten, hoffen, dass doch alles harmlos ist?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

Charlotte

von Charlotte16, 33. SSW   am 16.12.2018, 12:53 Uhr

 

Antwort:

Angst vor Beckenvenenthrombose

Hallo,

Ohne, dass ich die Bedeutung einer Beckenvenenthrombose in der Schwangerschaft/Wochenbett verharmlosen möchte, werden wir zu solch spekulativen Fragen, die der Tatsache geschuldet sind, dass die Schwangeren durch die Welten des Internets herumgeistern und irgendwelche Dinge aufnehmen und auf sich projizieren, keine erwartungsgemäße Antwort liefern können

Steht dieser Verdacht begründet im Raum, dann sollte dazu natürlich einen entsprechend qualifizierter Arzt in der Klinik/Gefäßmediziner eine Klärung herbeiführen.

Ansonsten umgehen Krampfadern im Bereich des äußeren Genitalie in der Schwangerschaft nicht mit einer höheren Risiko für solche Thrombosen einher.

VB

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 16.12.2018

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