Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Woran liegt es das mein Sohn (4 Wochen alt) im Stundentakt trinken möchte?

Liebe Dietzel!

ich denke, Sie sind sehr besorgt über das Verhalten Ihres Sohnes, da es vorher anders war und Sie zudem die Info haben, dass stündliches Stillen nicht in Ordnung ist. Ich kann Ihre Sorge gut nachvollziehen und finde es zudem auch völlig in Ordnung, dass Sie diese Belastung schlaucht.

Ich bin keine Expertin fürs Stillen, schauen Sie doch mal ins entsprechende Forum!

Was ich Ihnen dennoch aus meiner Sicht als Psychologin sagen kann ist Folgendes:

Das sogen. Clusterstillen (also der von Ihnen beschriebene Bärenhunger mit sehr häufigen Stillpausen) tritt immer mal wieder für 3-4 Tage auf und dient der Anpassung der Milchmenge - und Zusammensetzung an den Bedarf des Kindes. Wenn ein Kind mal diese Fressattacken hat, ist es zwar anstregend, doch im normalen Rahmen.

Wird stündliches Stillen doch über einen längeren Zeitraum zum Dauerthema und lässt sich das Kind durch nichts weiter als die Brust beruhigen, lohnt sich ein genauerer Blick:

Weint das Kind wirklich aus Hunger, trinkt es eine relevante Menge oder schnullert nur? Manchmal ist es so, dass Eltern das Weinen Ihres Kindes missverstehen. So kann es etwa auch ein Ausdruck von Übermüdung oder Überreizung oder auch Langeweile sein, worauf jedoch immer nur mit Anlegen geantwortet wird. Da das eigentliche Bedürfnis dann nicht erkannt wird und das Kind keine andere Entspannung erfährt außer an der Brust, kann hieraus ein problematisches Interkationsmuster entstehen. Bei jeden kleinen Grummeln wird das Kind an die Brust genommen, die Mutter reagiert zunehmend genervter und ist durch die Erschöpfung weniger in Lage, zu erkennen, was ihr Kind wirklich braucht, das Kind wird immer unruhiger und fordernder....

Doch bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Natürlich ist Stillen mehr als Nahrungsaufnahme und die Brust auch eine legitime Beruhigungshilfe. Doch eben nicht ausschließlich!. Wenn also ein stündliches Stillen keine Phase mehr ist, empfehle ich immer ein Gespräch mit dem Kinderarzt und der Hebamme. Mit zunehmenden Alter - Ihr Kind ist jetzt halt noch wirklich sehr jung (!)- finde ich es dann auch legitim, wenn Sie gezielt auf größere Stillabstände sanft hinarbeiten. Das sollte jedoch weder Sie noch Ihr Kind unter Leistungsdruck setzen. Jedoch darauf achten, dass ein Kind nicht immer nur als erstes an die Brust genommen wird und erstmal kritisch auf seine Signale zu achten, ist sicher nicht verkehrt oder gar schädlich.

Zum Abschluss:

Das Thema Stillen und vor allem "Was ist richtiges Stillen" ist immer wieder heiß diskutiert und leider oft auch sehr moralisch untermauert. Sie werden alles finden: von langzeitstillenden Müttern, bishin zu Befürwortern fester Stillabstände ab Geburt. Und jeder behauptet für sich, den einzig richtig Weg und die einzig richtigen empirischen Belege zu haben. Hier haben Sie als Mutter die schwierige Aufgabe, einen Weg zu finden, der für Sie und Ihr Kind passt.Dabei können und müssen Sie es nicht allen Recht machen. Stillen soll eine angenehmen Erfahrung für Mutter und Kind sein und kein Dauerstress. Sonst dürften sich die unbestrittenen Vorteile des Stillens nämlich leider schnell minimieren.

Ich drücke Ihnen dafür die Daumen und zögern Sie nicht, sich professionellen Rat vor Ort einzuholen, wenn Sie diese Fragen weiterhin beschäftigen!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 06.11.2015, 11:53 Uhr

 
 
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