Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

was können wir tun?unser kind ist alle zwei Stunden wach!!

wach.

Hallo.mein Sohn zehn Monate schläft noch nie richtig gut.seit Monaten ist er nachts alle zwei Stunden wach schläft nur durch stillen wieder ein.seit dem er jetzt stehen kann stellt er sich nach dem stillen einfach hin um bleibt so wach.beim ins Bett bringen kann er hundemüde sein und beim reinlegen schon fast schlafen hält er sich irgendwie wach mit drehen,nuckel rein und raus,beine strampeln,quasseln usw.und es dauert generell immer lange eh er zur ruhe findet.schläft er dann mal ein ist er manchmal nach einer halben Stunde /stunde wieder wach.wälzt sich,brüllt oder quengelt und schläft dann nur unruhig wieder ein.oft ist er dann zwischen um 7 und um elf ca.5 mal wach/teilweise alle halbe Stunde!und nachts schläft er jetzt teilweise nicht mal nach dem stillen wieder richtig ein.mittags ist es ähnlich.da schläft er immer eine bis eineinhalb Stunden,egal wann man ihn hinlegt.wir haben schon so viel probiert Begrenzungen im Bett ,bettgehrituale,schlafprotokoll usw..hilft jetzt wirklich nur schreien lassen?das können wir nur so schlecht....und wir haben lagsam wirklich bedenken das es ihm auf dauer schadet und das auch noch so weiter geht bis er vielleicht mal zwei jahre ist!!welche Möglichkeiten gibt es noch?woran kann es bei ihm denn liegen?und an wen können wir uns wenden,der sich den kleinen und sein Schlafverhalten mal genauer anschaut?vielen dank!!

von Fantasiamia am 22.07.2015, 21:43 Uhr

 
 

Antwort:

was können wir tun?unser kind ist alle zwei Stunden wach!!

Liebe Fantasiemia!

ich habe volles Verständnis, dass Sie sich nach 10 Monaten nun mehr Nachtruhe wünschen und so langsam an Ihre Grenzen kommen. Auch, dass Sie sich Sorgen machen, kann ich gut verstehen.

Zunächst: Schlaf ist ein komplexes Thema und daher ist es oft etwas kniffelig und ein Geduldsspiel, Verbesserungen zu erzielen. Es ist aber möglich und sinnvoll. Die häufig formulierte Aussage, ein Kind sollte mit sechs Monaten durchschlafen, sehe ich zwar enstpannt, dennoch halte ich nichts davon, Schlafprobleme wie Sie sie beschreiben, mit der Hoffnung, alles wachse sich aus, einfach zu belassen. Gesunder Schlaf ist nicht nur für die Nerven der Eltern wichtig, sondern auch für die geistige und körperliche Entwicklung der Kleinen. Von daher ist es gut, dass Sie sich Hilfe holen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass es keine (!) Regeln gibt, wieviel Schlaf ein Kind im welchen Alter braucht. Manche - sehr hartnäckige - Schlafprobleme enstehen sogar dadurch, dass das Schlafbedürfnis der Kleinen überschätzt wird und sie mehr Zeit im Bett verbringen müssen, als sie Schlaf brauchen.

Bei wieder anderen enstehen Schalfprobleme dadurch, dass sie Schwierigkeiten haben, selbst in den Schlaf zu finden und zwar entweder beim Einschlafen und/oder nach nächtlichen Wachphasen. Nächtliches Aufwachen tritt auch bei uns Erwachsenen jede Nacht auf, ohne dass wir es merken, denn wir finden selbst wieder in den Schlaf. Wenn bei Kindern aber das Schlafen an bestimmte elteriche Einschlafhilfen wie Stillen, Umhertragen etc. gekoppelt ist, und dieser Reiz dann fehlt, findet es eben nicht wieder von allein in den Schlaf zurück. D.h. hier sind eher die Gewohnheiten das Problem.

Was genau bei Ihnen die Schwierigkeiten sind, kann ich so nicht sagen. Ich vermute aber, dass Sie durch einen sanften Abbau elterlicher Einschlafhilfen eine Verbesserung erreichen können. Hier ist es wichtig zu gucken, mit welcher Lösung Sie sich wohlfühlen, denn dies bedeuet immer auch Konflikt, sprich Schreierei. D.H. ich plädiere nicht fürs Schreienlassen, aber ein möglicher Weg wäre, auf nächtliches Stillen zu verzichten und dies trotz Protest durchzuhalten.

Grundsätzlich sind Einschlafhilfen / oder ihr Abbau aber erst der letzte Schritt.

1. Der erste Schritt besteht in der Förderung der Entwicklung eines festen Tag-/Nachtrhythmus. D.h. Aufbau einer festen Tagesstruktur mit relativ festen Schlaf-/ Essens-/ und Wachzeiten. Mit 10 Monaten muss man hier natürlich noch Abstriche machen, da noch nicht alles geplant laufen kann, aber es ist wichtig, dass Sie den Tag möglichst gleichförmig strukturieren, so dass ihr Sohn lernt, wann was stattfindet. Auch sollten sie gucken, ob Sie vielleicht zu viele Aktivitäten, Ortswechsel, Besuche u.Ä. in den Abendstunden haben und dies ggf. reduzieren. Ungünstig sind zudem zu lange, wechselnde und zu späte Mittagsschlafzeiten.

2. Dann sollten Sie sich Ihre Schlafprotokolle angucken und die Gesamtschalfdauer (incl. Mittagsschlaf) ermitteln. Wenn Sie dies über ca. 14 Tage mitteln, erhalten sie recht zuverlässig die Schlafdauer, wobei hier auch Ihr Eindruck wichtig ist, mit welcher Schlafdauer Ihr Sohn gut auskommt. (Einfach mal gute und schlechte Laune Tage vergleichen). Dann sollten Sie die Bettzeiten an den Schlaf anpassen. D.H. ggf. später oder eher ins Bett und ggf. auch wecken!

3. Erst dann kommen die oben genannten Einschlafhilfen bzw. auch ihre Anpassung oder ihr Abbau zum Einsatz, denn wenn ein Kind nicht schlafen kann, weil
a) es nicht (mehr) müde (Schlafbedarf) ist
oder b) weil für ihn noch keine Schlafenzeit ist (Rhythmus),
dann machen selbst die besten Rituale keinen Sinn und eine Entwöhnung vom nächtlichen Stillen würde ebenfalls wenig bringen.

Wenn Sie noch unsicher sind: Professionelle Hilfe bei Schlafproblemen bieten Schreiambulanzen (die sind eben nicht nur für Schreibabys sondern auch für chronisch unruhige Kinder und Kinder mit Schlafproblemen zuständig) oder auch entprechend geschulte Hebammen und Kinderärzte.

In diesem Sinne, Ihnen allen besser Nächte!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.07.2015

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