Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Warum schläft mein Sohn (16 Monate) nur noch 1,5 Stunden am Stück und wacht schreiend auf?

Liebe Frau Dr. Bentz,

ich habe einen 16 Monate alten Sohn. Bis vor etwa sechs Wochen war es recht unproblematisch, ihn ins Bett zu bringen. Er hat zwar nie richtig durchgeschlafen, aber ist nur kurz aufgewacht und ließ sich schnell beruhigen. Plötzlich war aber alles anders: Anfangs ließ er sich gar nicht ins Bett bringen und hat sofort fürchterlich angefangen zu weinen, als ich ihn hinlegen wollte. Vor zwei Uhr nachts war er auch nicht zu überreden. Inzwischen kann ich ihn ins Bett bringen, er schläft dann auch in meinem Beisein in etwa 20 Minuten ein. Leider wacht er jedoch nach etwa 1,5 - 2 Stunden schreiend auf und lässt sich in seinem Bett nicht mehr beruhigen. Ich muss ihn dann hochnehmen und entweder eine Milch geben oder mit ihm spielen. Das geht die ganze Nacht so.

Zur Schlafsituation: Ich schlafe von Anfang an mit ihm in einem Raum (anfangs im Beistelltet, inzwischen er in seinem Gitterbett, das direkt an meinem Bett steht). So lief es bisher: Zwischen 19:00 und 20:00 bringe ich ihn zu Bett, bleibe bei ihm bis er eingeschlafen ist und komme gegen 23:00 wieder zu ihm und lege mich schlafen. Wenn er zwischendurch aufgewacht ist, bin ich zu ihm gegangen und habe ihm kurz über den Rücken gestrichen, den Schnuller wiedergegeben und er hat weitergeschlafen.

Natürlich war ich bereits beim Kinderarzt (mehrfach). Eine richtige Lösung brachte uns das nicht. Er hat zwar seit Monaten Probleme mit Ohrentzündungen, aber auch unter Schmerzmittel, verändern sich die Schlafprobleme nicht. Mir wurde dann ein Beruhigungsmittel für ihn mitgegeben, welches ich aber nicht einsetzen möchte, weil es mich beunruhigt und es ja auch das Problem nicht löst. Mir wurde geraten, ihn sich ausschreien zu lassen, aber auch an diesem Weg zweifel ich.

Vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass er bereits 16 Zähne hat (die letzten Backenzähne sind allerdings noch nicht zu fühlen) und er gerade das Laufen gelernt hat.

Wir haben schon vieles versucht: Rituale, Abendbad, Schlaflieder, white & pink Noise, Nachtlicht, Sternenhimmel, früher ins Bett, später ins Bett, homöopathische Mittel...

Tagsüber schläft er meist zweimal je eine Stunde.

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen und hoffe, sie haben eine Idee, woran es liegen könnte und was man tun könnte.

Liebe Grüße & vielen Dank!

von Anna S. am 27.08.2015, 14:45 Uhr

 
 

Antwort:

Warum schläft mein Sohn (16 Monate) nur noch 1,5 Stunden am Stück und wacht schreiend auf?

Liebe Anna!

herrje, das klingt ja wirklich furchtbar - für Sie beide! Die ganze Situation ist wirklich unbefriedigend und auch für mich auf Anhieb nicht ganz leicht einzuschätzen:

Grundsätzlich ist es so, dass die meisten Schreikarrieren nicht erst mit 10 Monaten beginnen. Wenn ein Kind erstmal gewisse Selbstregulationsprozesse des Beruhigens und Schlafens erlernt hat, kann es zwar phasenweise immer mal wieder zu Problemem kommen, aber eben nur begrenzt. Natürlich ist es aber aufgrund der Ohrenentzündungen, die ja extrem schmerzhaft sind - denkbar, dass hier einiges durcheinander gekommen ist - natürlich auch, weil wir Eltern in Phasen von Krankheiten uns berechtigterweise (!) anders verhalten und eben zum Einschlafen mehr machen. Aus diesem Teufelskreis muss man dann wieder raus, wenn das Kind gesund ist.

Allerdings muss ich Ihnen Recht in zwei Punkten Recht geben:
1) Beruhigungsmittel (nicht Homöopathische) sind nachweisbar nicht geeignet, um Schlafstörungen bei Kindern effektiv zu behandeln. Wenn überhaupt, sind sie nur unter sehr strenger ärztlicher Kontrolle, bei bestimmten organisch bedingten Schlafstörungen (Epilespie) und in Ausnahmefällen sinnvoll. Die Einschätzung würde ich aber nur Fachmedizinern, die sich auf Schlafstörungen im Kindesalter spezialisiert haben bzw. einer an eine Klinik angeschlossene Schreiambulanz überlassen, auch wenn Ihr Kinderarzt es sicher nur gut meint und Mitleid mit Ihnen hat.

2) Ich bin auch gegen das Ausschreien. Es ist zwar bewiesenermaßen wirksam, doch sicher auch eine große Belastung. Die einzige Empfehlung, die ich Ihnen geben kann, ist im Schreien begleiten. D.H. legen Sie sich mit Ihrem Sohn hin (immer zur gleichen Zeit!! denn wenn er irritiert ist, braucht er Sie als Taktgeber für seine innre Uhr). und begleiten Sie ihn im Schreien (nehmen Sie ggf Ohrenstöpsel). Sie lassen ihn damit nicht allein, er muss keine Ängste überstehen, nur schlechte Gewohnheite "verlernen". Nächtliches Spielen ist leider wirklich eine schlechte Gewohnheit, von der ich dringend abrate. Sie tun Ihrem Kind (und sich) bei aller Liebe und besten Absichten keinen Gefallen, wenn Sie solche Bedürfnisse schaffen. Ihr Kind kennt die negativen Folgen nicht, daher müssen Sie für ihn konsquent sein!

Abschließend habe ich aber noch ein schlechtes Baugefühl wegen der chronischen Ohrenentzündungen. Ich bin keine Ärztin, aber wurde hier mal geguckt, ob die Entzündung vielleicht tiefer gegangen ist, auf die knöchernden Innenohrstrukturen? Ich würde dies noch mal bei einem HNO Arzt abklären lassen, um mehr Sicherheit zu haben. Dies sind nämlich Schmerzen, für die haushaltsüblichen Mitteln eventuell nicht ausreichen und eine effektive Schmerzbehandlung ist besonders in jungen Jahren wichtig, damit sich kein Schmerzgedächtnis ausbildet. Plötzliches Schreiverhalten sollte daher auch immer besonders vorsichtig betrachtet werden.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung in jeder Hinsicht!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 27.08.2015

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