Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Schlafstörungen bei 3,5 jähriger Tochter

Guten Morgen Frau Dr. Bentz,

Ich hoffe es ist okay wenn ich mich mit einer Frage an Sie wende die nicht explizit mit einem Schreibaby zu tun hat.

Das Forum ist toll und nachdem ich mir bereits viele Ihrer Antworten durchgelesen habe, hoffe ich dass Sie ein paar Tipps für unsere Schlafsituation haben.

Zu uns: wir haben eine 3,5 jährige Tochter und einen 7 Monate jungen Sohn.

seit der Geburt unseres Sohnes hat meine Tochter Schlafstörungen. Angefangen hat es damit dass sie ein paar Wochen vor seiner Geburt keinen Mittagsschlaf mehr machen wollte. Seither schläft sie nachts ganz schlecht.

Wir haben sie dann auch zu uns ins Elternbett geholt, da dort auch unser Sohn schläft, in seinem Gitterbett.

Sie wacht eigentlich jede Nacht auf und ist dann zwischen einer und drei Stunden wach. Sie wälzt sich herum, erzählt und verarbeitet den Tag so scheint es uns.

Wir hatten immer ein sehr sehr inniges Verhältnis das sich jetzt etwasvverändert hat da ich ihr logischerweise nicht mehr meine volle Aufmerksamkeit geben kann.

sie ist jetzt auch mehr Papabezogen wobei ich denke das ist normal und gut so dass sie auch etwas von mir losgelöst ist.

Im Moment wacht unser Sohn nachts alle zwei Stunden auf und wird gestillt manchmal schreit er dazu realtiv laut und meine Tochter wacht dadurch auf. Sie sagt auch dass sie nicht schlafen kann weil ihr Bruder schreit. Und möchte jetzt jede Nacht in ihr eigenes Bett, allerdings nicht allein sondern mit dem Papa.

Mir scheint es wie eine Art Umbruch, einerseits will sie allein schlafen doch traut sich nicht. Dadurch schläft sie aktuell noch schlechter.

Haben Sie einen Rat für uns? Wie können wir ihr helfen?

Sie geht ab September in den Kindergarten und ich habe Angst dass dann alles noch schlimmer wird, da wir im Moment alle ganz schön müde sind und dadurch leider oft mal streiten.

Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu wirr, ich habe mich sehr bemüht.

Vielen Dank für Ihre tolle Arbeit und die Zeit die Sie sich nehmen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen sonnigen Sommertag,
Liebe Grüße
Kathrin

von Kathrin2101 am 03.08.2015, 08:49 Uhr

 
 

Antwort:

Schlafstörungen bei 3,5 jähriger Tochter

Was ich vielleicht hinzufügen sollte: sie ist denke ich sehr weit für ihr Alter, hat ein fotografisches Gedächtnis, erzählt Geschichten anhand von Bildern dass man Gänsehaut bekommt aufgrund von der Grammatik, ist sehr sensibel und mitfühlend auch anderen gegenüber, wahnsinnig empathisch und hilfsbereit, einfach sehr lieb und wir sind stolz auf unsere Maus, dass wir sie in diese Richtung gelenkt haben.

Nur zur Zeit stockt es etwas, sie hat einen wahnsinnig starken Willen und den will sie unbedingt durchsetzen. Und Hummeln im Hintern...

von Kathrin2101 am 03.08.2015

Antwort:

Schlafstörungen bei 3,5 jähriger Tochter

Liebe Kathrin!

schön, dass Ihnen das Forum gefällt! Ihre Frage passt hier sehr gut, denn Schlafstörungen im Kleinkindalter gehören zum erweiterten Spektrum rund um das Thema Regulationsstörungen.

Doch keine Angst - In Ihren Fall gehe ich jedoch nicht davon aus, dass es sich um eine Regulationsstörung handelt, sondern um eine kurzzeitige Episode, die mit der Geburt Ihres Sohnes und den weiteren Entwicklungsschüben Ihrer Tochter zu tun hat, genau das, was Sie selbst ja auch vermuten.

Spontan hätte ich - ausgehend von dem , wie Sie Ihre Tochter beschreiben - folgende Ideen:

Lassen Sie den Tag - sofern mit jungen Säugling möglich - ruhig auslaufen. Vielleicht hat der Papa Zeit für eine kleine Erzählrunde? Dann darf jeder erzählen, was am Tag erlebt hat, was besonders schön war und vielleicht auch was doof. Wenn es mal etwas "sehr doofes" gegeben hat (man sollte dies nicht fokussieren, sondern nur darauf eingehen, wenn die Kinder es selbst von sich aus berichten) können diese von Papa aufgeschrieben oder von Ihrer Tochter aufgemalt werden und dann in einen Schuhkarton "eingesperrt" werden, damit sie den Schlaf nicht stören.

Dann können Sie mit Ihrer Tochter das Einschlafen im eigenen Bett spielerisch üben:
Erklären Sie Ihr, dass Sie als Große jetzt schon allein schlafen DARF (wir reden häufig von "schlafen müssen" , "Ins Bett müssen" etc.) und dass Sie das jetzt üben wollen, weil Sie glauben, dass sie das schon kann.

Kaufen Sie große Sanduhren, die das Ablaufen der zeit für Kinder gut erlebbbar machen (ca. 5 Minuten und eine für 10). Dazu noch ein Heftchen sowie Aufkleber. Dann versuchen Sie, dass Ihre Tochter für die Zeit, in der die Sanuhr abläuft, allein im Bett liegt. Klappt das, können Sie immer einen Aufkleber in das Heftchen kleben. Dann wiederholen und die Zeitabstände steigern. Wenn Sie dann eine bestimmte Summe (etwa eine Reihe, es sollte für Ihre Tochter erkennbar sein) nach einer Woche zusammen hat, kann Sie sich was aussuchen. Dies sollte vorher mit ihr besprochen worden werden.

Wichtig ist bei Kleinkindern, das Thema Schlafengehen nicht zum Machtspiel werden zu lassen. Wenn es nicht klappt, bleiben Sie gelassen und kommentieren es nicht groß und bleiben am Ball. Ein bisschen Konflikt müssen sie aber aushalten. Es ist ja für alle Beteiligten nicht gut, wenn es so weiter geht. Ihre Tochter kann dies jedoch nicht einschätzen und wir Eltern müssen die Verantwortung für den Prozess übernehmen. .

Viele Eltern fahren übrigens gut damit, sich während der ersten Zeit aufzuteilen: einer beim großen Kind, der andere beim Baby. Dies kann man auch so machen, dass sich Ihre Große einen Tag aussuchen darf, an dem Papa mal bei Ihr übernachtet - sofern möglich.

Ansonsten denke ich, brauchen Sie sich keine ernsthaften Sorgen machen, auch nicht bezüglich des Starts in den Kindergarten - im Gegenteil: die Struktur und die klaren Regeln helfen vielen Kindern, sich im Alltag zu orientieren.

Dass es zudem bei Ihnen öfter Streit gibt, ist zwar nicht schön, gehört aber zum Leben. Für Kinder ist es nur wichtig zu sehen, dass Mama und Papa sich wieder vertragen und auch während eines Streits respektvoll miteinander umgehen. So lernen sie, dass a) Konflikte und auch negative Emotionen ok sind b) wie man sie bewältigen kann.


Ich bin sehr optimistich, dass sich die Probleme bald wieder bessern!

Dafür wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 04.08.2015

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