Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Plötzlich Panikattacken beim Zubettgeh-Ritual

Lieber Emir,

zunächst freut es mich, dass mir auch mal ein Vater schreibt! Verständlicherweise sind Sie über das so veränderte Verhalten Ihrer Tochter besorgt.

Die Gründe für solche Schwierigkeiten können ganz unterschiedlich sein und lassen sich aus der Ferne nur schwer beurteilen. Ich finde Ihre Vermutung, dass der Atemwegsinfekt Ihrer Kleinen zu den Schwierigkeiten geführt haben könnte, durchaus plausibel. Das Gefühl, nicht richtig atmen zu können weckt ja durchaus Urängste, welche dann schnell mit der Situation, in der sie aufgetreten sind, assoziiert werden. Im Kleinkindalter kommen zudem auch zunehmend diffuse und später auch sehr konkrete Ängste (Räuber, Monster etc.) hinzu. Diese spiegeln für gewöhnlich keine seelische Belastung wieder, sondern sind einfach die Folgen der voranschreitenden geistigen Entwicklung.

Wie dem auch sei - Phasen zwischenzeitlicher Unruhe sind eher die Ausnahme als die Regel. Wenn Ihre Tochter mal für ein paar Tage schlecht einschläft, bedeutet das nicht, dass sie jetzt automatisch Schlafstörungen entwickelt. Meist gehen diese Phasen von allein vorüber. Wichtig ist dafür jedoch, dass Sie als Eltern Ruhe bewahren und Ihren Routinen und Ritualen treu bleiben!

Häufig machen Eltern den Fehler, dass Sie das Weinen Ihres Kindes als Zeichen dafür interpretieren, dass Sie etwas falsch machen und fangen dann an, alles Mögliche auszuprobieren. Ist ein Kind nun aber durch etwas beunruhigt, verängstigt oder irritiert, geht es ihm wie uns: es braucht das Gewohnte, Ruhe und Struktur als Anker, um wieder in den Alltag zu finden. Weitere Neuerungen und diverse Maßnahmen sind in solchen Situationen dagegen überfordernd.

Daher lautet meine Empfehlung: bleiben Sie bei Ihrem schönen Abendritual und versuchen Sie Ihrer Tochter so ruhig und gelassen wie möglich zu begegnen! Sie wissen ja, dass nicht Schlimmes passiert! Ihre Tochter muss vielleicht erst wieder lernen, das Ins-Bett-Bringen nicht mehr mit bedrohlichen Erinnerungen zu verbinden, doch das geht nur durch die wiederholte Konfrontation mit der Auslösesituation. D.H. Sie sollten nicht versuchen, die Panik zu meiden, sondern ihr immer wieder zeigen, dass alles ok ist. Durch dieses wiederholte Erfahrung, dass nichts passiert, wird ihre Panik sich schnell abbauen - durch Vermeidung jedoch festigen! Zum einen kann man durch Vermeidung nichts lernen, zum anderen wird die Botschaft gesendet, es ist doch bedrohlich.

Wichtig ist daher auch, dass Sie als Eltern darauf achten, keine entsprechenden Signale zu senden. D.h. auch wenn es hart sein mag und Sie natürlich Ihre Kleine trösten wollen: Bleiben Sie möglichst neutral und gelassen! Durch ausgiebiges Trösten wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die Angstreaktionen gelegt. Ziel sollte es aber sein, den Fokus zurück zur Normalität zu bringen. Das ist ähnlich wie bei einem kleinen Stolpern, wenn Sie sagen "Ups, nicht schlimm. Guck mal; ich puste kurz. Kannst weiterlaufen" wird sich Ihre Tochter - es sei denn sie hat sich wirklich richtig weh getan- aufgrund Ihrer ruhigen Reaktion schnell ebenfalls beruhigen. Wenn Sie dagegen so reagieren würden "Oh,Oh, was ist den passiert? Bist du verletzt? Blutest du? Was machen wir jetzt" würde sie höchstwahrscheinlich auch wenn sie keine Schmerzen hat, panisch reagieren, eben so wie ihre Bezugsperson.

Sagen Sie ihr daher in kurzen einfachen Sätzen Dinge wie "Hey, das magst du jetzt nicht. Bist du vielleicht wütend oder hast du Angst? Das brauchst du nicht. Sieh mal, es ist alles ok. Mama und Papa sind da." Das können Sie immer wiederholen und weiter in der Routine bleiben. Damm müssten sich die Ängste schnell auflösen.

Dafür drücke ich Ihnen allen die Daumen!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 19.11.2015, 10:12 Uhr

 
 
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