Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Neue Beruhigungsmethode noch einführbar???

Liebe Frau Dr. Bentz,
wir haben ein kleines Sorgenkind hier. Nicht nur, daß es seit dem sechsten Lebensmonat ständig krank ist, nein, es lässt sich auch nicht anders als durch Stillen, bzw. nuckeln an Mamas Brust, beruhigen.
Unser Jüngster (jetzt vierzehn Monate alt) war das erste halbe Jahr ein außergewöhnlich braves Baby, das von Anfang an jede Nacht durchschlief.
Wir waren stolz darauf, daß er, im Gegensatz zu seinem vierjährigen Bruder, keinerlei "künstliche" Beruhigung (Schnuller, o.ae.) benötigte.
Da er jeden Infekt, den sein Bruder aus der KiTa mit nach Hause bringt, mitbekommt, fehlt ihm inzwischen im Blut ein Immunglobulin für die Abwehr und dadurch befinden wir uns in einem Teufelskreis.
Und immer, wenn ihn die nächste Krankheit erwischt und er komplett die Nahrungsaufnahme verweigert, wird uns empfohlen, ihn stattdessen weiter zu stillen.
Er wird ansonsten nur noch abends vor dem Schlafengehen und bei Bedarf nachts angelegt. Inzwischen habe ich allerdings das Gefühl, daß er diesen Bedarf nicht mehr nur "des Hungers wegen", sondern generell zur Beruhigung ausnutzt. Und Alternativen zur Brust nimmt er leider gar keine an.
Er hatte Anfangs ab und zu seine Däumchen zum Nuckeln genommen, doch seit die ersten Zähne durch sind, ist ihm das wohl selbst zu schmerzhaft. Das Zahnen selbst ist für ihn auch die Hölle, jeder Millimeter, den die Zähne sich weiter hoch schieben, bereitet ihm schlimmste Schmerzen. Dagegen haben wir angefangen von Hausmittelchen, über homöopathische Sachen bis hin zu Schmerzzaepfchen, wie Paracetamol oder Ibuprofen, bei Schmerzspitzen, schon alles ausprobiert, leider vergeblich. Wird er dagegen gestillt, wird er bald ruhiger und hört auch schließlich auf zu weinen.
Er bekommt abends unser Essen vom Tisch mit, bevor er hingelegt wird, trinkt er an der Brust und schläft dann innerhalb einer halben Stunde (meistens) ein.
Es gibt Tage, an denen er dann drei Stunden am Stück schläft, ansonsten wacht er ziemlich genau nach einer Stunde auf und schreit so lange, bis daß er die Brust bekommt. An den guten Tagen schläft er, wie beschrieben, drei Stunden lang vorm nächsten Aufwachen.
Ich weiß, daß wir uns diese Abhängigkeit selbst eingebrockt haben, aber da sein großer Bruder sich mit fast genau einem Jahr selbst abgestillt hat, wollten wir dem Kleinen auch diese Möglichkeit bieten.
Der Große nahm allerdings von Geburt an einen Schnuller, mit dem er sich nachts beim Aufwachen auch beruhigen ließ.
So langsam würde ich gerne auch noch einmal etwas mehr als höchstens drei Stunden am Stück schlafen.
Der Kleine kam per sekundärem Kaiserschnitt zur Welt. Sein Kopf konnte sich bei der Geburt nicht richtig ins Becken eindrehn.
Haben Sie eine Idee, wie wir es schaffen können, daß er endlich länger schläft, ohne ihn stundenlang schreien zu lassen, wenn er seinen "Ersatznuckel" nicht bekommt??
Tagsüber kommt er ja auch ganz gut klar, obwohl er sich in den Mittagsschlaf, wenn wir nicht unterwegs sind, hinein weint...
Danke vorab für Ihre Antwort!

von Hashomy am 15.03.2016, 20:01 Uhr

 
 

Antwort:

Neue Beruhigungsmethode noch einführbar???

Liebe Hashomy,

Sie gehen sehr hart mit sich ins Gericht, wenn Sie sagen, dass Sie hätten sich die Sache selbst eingebrockt. Was hätten Sie denn tun sollen? Selbst die Mediziner haben Ihnen ja empfohlen, weiter zu Stillen und natürlich Bedarf ein krankes Kind auch besonderer Aufmerksamkeit.

Es ist also nicht Ihre Schuld, dass Sie nun vor der Aufgabe stehen, Dinge, die durchaus angebracht waren, nun zu ändern, da sie mittlerweile sich zu einem Teufelskreis entwickelt haben. Wichtig ist zudem, dass Sie trotz dieser Vorgeschichte mehr zutrauen zu sich, aber auch Ihrem Sohn gewinnen. In seinem Alter ähnelt die Schlafstruktur schon sehr der von Erwachsenen, d.h. er kann auch tatsächlich mehr als drei Stunden Schlafen, ist es nur nicht gewohnt. Wenn Sie selbst den Eindruck haben, Ihr Kind fordert die Brust nachts nur aus Gewohnheit, sollten Sie diesem Gefühl ruhig vertrauen.

Ich finde es daher durchaus legitim, wenn Sie Ihr Kind nun schrittweise nachts entwöhnen. Stillen abends und morgens können Sie ja gern beibehalten. Dafür gibt es verschiedene Methoden (gucken Sie doch auch mal im Stillforum). Ganz ohne Weinen geht es leider aber meist nicht, besonders wenn erst andere Dinge zur Beruhigung erlernt werden müssen. In vielen Fällen hat sich bewährt, wenn der Papa mal ein bis zwei Wochen übernimmt, so dass die Milchquelle eben nicht greifbar ist. Die meisten Kinder können sich so schneller umstellen. Eine Grarantie ist dies allerdings nicht. Sollten die Schlafprobleme anhalten, würde ich ruhig mal überlegen, bei Kollegen vor Ort Hilfe zu holen, zumal sich ja auch Fütterprobleme schon mal gezeigt haben. Hier wäre ein Sozialpädiatrisches Zentrum / Früherkennungszentrum die richtige Wahl. Hier wird fachübergreifend behandelt, und die medizinische und psychologische Seite betrachtet, was sicher in Ihrem Fall gut wäre.

Ansonsten denke ich, dass durch die ganze Vorgeschichte es Ihrer Familie möglichweise gut täte, wenn etwas mehr Druck raugenommen wird. Durch wiederholte Krankheiten ist alles aus'm Trott und häufig der Fokus sehr auf negative Dinge bzw. das Funktionieren gerichtet, Das kann alle sehr unter Spannung setzen. Machen Sie daher auch mal ganz bewusst Dinge, die Ihnen allen Spaß machen und vielleicht nicht immer pädagogisch wertvoll sind. Lassen sie ruhig auch mal alle Fünfe gerade sein, Kinder brauchen keine perfekten Eltern!

In diesem Sinne: alles Gute und viel Freude aneinander!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.03.2016

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