Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Danke!!! und doch noch Fragen zum Schlaf/Einschlafen

Hallo Frau Bentz!

Zunächst einmal ein unglaublich großes DANKESCHÖN! Sie haben schon auf einen Beitrag von mir geantwortet und mir sehr geholfen. Auch viele andere Antworten von ihnen auf die Fragen anderer Mütter haben mir bei der ein oder anderen Frage sehr weiter geholfen. (u.a. schläft meine Tochter endlich wieder in ihrem Bett, anstatt in meinem Armen ein). Ich bin schon seit der Geburt meiner Kleinen immer wieder wegen Kleinigkeiten unheimlich verunsichert.

Ihr Beitrag bezüglich der Bindungsproblematik (auf die Fragen von JEW: Kinderkrippe etc.) haben mich nun dazu bewogen ihnen doch noch die ein oder andere Frage zu stellen. Aus irgendeinem Grunde habe ich aus ihren Antworten immer am meisten "Beruhigung und Feedback" erhalten.

Meine erste Frage dreht sich auch um das Thema Bindung. Denn tatsächlich wurde ich bereits stark verunsichert. Überall liest man von Attachement parenting und "Lass dein Kind bloß nicht schreien" und "lass es bloß selbst entscheiden wann es abgestillt werden will", sonst......
Ich habe nur noch Angst alles falsch zu machen und ein Kind ohne Urvertrauen und Selbstvertrauen großzuziehen......
Wie in meinem letzten Beitrag schon klar wurde führte dieses Thema auch schon zu großen Diskussionen und Streit mit meinem Mann. Denn er sieht das alles viel "lockerer"

Mein Mann möchte sich nicht (wie ich) bis zum einer Stunde neben unsere Tochter legen bis sie eingeschlafen ist. Er meint sie sei in dem Alter (14 Monate) dass auch mal alleine zu schaffen und dass es ihr auch nicht schade zu schreien.
Unsere Maus turnt vor dem Schlafen durch das ganze Bett. Schlägt den Kopf gegen die Gitterstäbe, steht immer wieder auf, wirft die Beine und ihren Körper von Seite zu Seite und von Kopf zu Fußende. Sie weint dabei mittlerweile kaum (wenn ich sie ins Bett bringe) und schläft dann irgendwann (nach 10 min bis 120 min) auch ein. Wenn mein Mann sie hinlegt schreit sie jedoch sofort.....
Aber ich möchte dass er sie auch ins Bett bringen kann (zumal im November ein Geschwisterchen folgt). Aber er wird das nicht mit der Geduld machen, mit der ich dabei bin. Ich bin sicher er wird weiterhin auf ein "schreien lassen" bestehen.
Wir schaffen es da nicht uns einig zu werden.....(trotz Beratungen). Nun möchte ich ihm aber dennoch vertrauen....Er will auch nur das Beste für die Kleine (nur hat er andere Vorstellungen davon)
Aber meine Ängste vor psychischen Folgeschäden bei meiner Kleinen sind unheimlich groß. (Bindung, Selbsvertrauen, Urvertrauen, Ängste)
Sind diese berechtigt? Sollte ich mir psychologische Hilfe holen um diese Ängste in den Griff zu bekommen? Oder haben sie andere Ideen wie ich hier handeln kann?
Sehen sie es vielleicht ohne Bedenken, wenn ich meinen Mann einfach machen lasse....auch wenn er sie dann mal schreien lässt?

Eine andere Frage betrifft das Einschlafverhalten meiner Tochter....
Dieses Turnen vor dem Schlafen. Sie scheint das zu brauchen. Ich habe schon überlegt was man ihr alternativ anbieten kann um herunterzukommen. Aber alles andere: Massagen, Bad, an die frische Luft gehen, Bücher lesen scheint ihr nicht zu helfen....Einiges davon scheint sie eher "aufzudrehen".
Ist das eine Phase? Ich habe im Grunde kein Problem damit.. Wenn sie die Turnerei braucht um herunterzukommen, darf sie das tun......Aber leider kann ich dabei den Raum nicht verlassen, denn dann schreit sie. Und bis zu 2 Stunden ruhig daneben liegen bis sie einschläft kann doch manchmal "nerven" (von daher habe ich auch Verständnis für meinen Mann).
Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ich das noch bewerkstelligen soll, wenn das Geschwisterkind geboren ist....
Haben sie eine Idee? Ist das eine Phase ?
Nachts turnt und weint sie auch gelegentlich. Dann sogar bis zu 4 Stunden.
(Sie ist müde! Nach solchen Nächten ist sie tagsüber auch sehr quengelig und anhänglich und holt den Schlaf am Tage nach)

Noch einmal VIELEN DANK! für ihre Mühe. Sie haben mir bisher am meisten helfen können. Deshalb wende ich mich wieder an sie!

Ganz liebe Grüße

IdaLönneberga

von IdaLönneberga am 20.08.2015, 14:00 Uhr

 
 

Antwort:

Danke!!! und doch noch Fragen zum Schlaf/Einschlafen

Liebe IdaLönneberger!

schön, wieder von Ihnen zu hören und es freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte!

Ich möchte zunächst auf die unterschiedlichen Erziehungsstile eingehen, denn die Frage begegnet mir öfter und ist sicher für viele im Forum sehr relevant.

Tatsächlich ist Streit über Erziehungsmethoden ein häufiger Stressor in Familien. Nicht verwunderlich, denn die Rolle als Eltern konfrontiert uns auch mit dem, was wir an Werten und Normen und Erfahrungen von unseren Eltern mitgenommen haben. Wie wollen wir als Eltern sein? Wie nicht? Was wollen wir anders machen? Welche Erfahrungen wollen wir unseren Kindern ersparen? Welche Erfahrungen wünschen wir uns für unsere Kinder? Wenn Sie einmal diese Fragen für sich beantworten, werden Sie sehen, dass sich da eine ganze Menge an Psychosprengstoff verbirgt. Streit über Erziehung ist letztendlich nicht anderes als ein Streit über Werte und Ideale. Zuvor haben sie Ihren Partner nicht in der Rolle des Vaters erlebt deshalb kann es dann sein, dass Sie den Eindruck haben, dass Sie jetzt auf einmal völlig unterschiedliche Sprachen sprechen. Manchmal kann es da auch zu Verwechslungen kommen, sprich man übetragt eigene Erfahrung aus der Kindheit auf den Partner (etwas küchenpsychologisch: "mein vater war auch imm so distanziert wie du!", "Meine Mutter war auch so eine Glucke") und vergleicht Äpfel mit Birnen.

Was bedeutet das aber für die Kinder?
Grundsätzlich ist es so, dass man zeigen kann, dass Kinder schon sehr früh zwischen verschiedenen Bezugspersonen unterscheiden können und die Interaktionen sich an diese Unterschiedlichkeit anpassen (Papa geht mit mir anders um - ich gehe mit Papa anders um). Im Allgemeinen ist es daher nicht schlimm, wenn Sie unterschiedlich sind - eher im Gegenteil: ihr Kind kann durch die Diversität unterschiedlicher sozialer Kontakte enorm profitieren. Dies ist z.B. der Grund, warum kritisiert wird, dass es nur wenige männliche Erzieher und Grundschulllehrer gibt, so dass die Kinder kaum Kontakt mit männlichen Rollenvorbildern haben. Es ist also ok, wenn einer ein bisschen strenger, der andere etwas toleranter, der eine sehr geduldig und ruhig, der andere etwas fordernder und lebendiger ist.

Bei Ihnen ist die ganze Sache aber etwas vertrackter, da hier grundlegende Überzeugungen sich nicht decken. Dies kann für ein so kleines Kind natürlich schon verwirrend und überfordernd sein, zumal ein einheitliches Vorgehen gerade wichtig für die Förderung des Einschlafens ist. Wenn ihr Mann also - etwas provokant gesprochen - Ihre Strategie nicht mitfährt, sehe ich die Gefahr, dass sich die Schwierigkeiten weiter verfestigen. Ihre Tochter lernt, bei Papa beiß ich auf Granit, Mama ist da. Natürlich wird Ihre Tochter sich dann vermehrt zu Ihnen orientieren und dass ist ja nicht gewollt.

Es wäre daher schon schön, wenn Sie sich auf einen Weg einigen können. Es gibt ja nicht nur die Methode des Schreienlassens, sondern viele sanfte Wege des Einschlaflernens, wie etwa sich auf einen Stuhl neben das Bett setzten und diesen immer weiter zu Tür schieben. Auch Sie müssen dann natürlich gucken, ob Sie überhaupt bereit sind, sich von diesem sehr aufwendigen Ritual zu verabschieden oder ob Sie nicht insgeheim es sogar ganz gut finden, so eine exklusive Rolle zu haben.Das wäre ok, nur bieten Sie dann eben keinen Verhandlungsspielraum.

Ich sehe allerdings in Ihrem Fall so, dass sie die Geduldigere zu sein scheinen. Ein möglicher Weg, wäre dann einfach eine Rollenaufteilung. Sie bringen die Kleine zu Bett, dafür übernimmt er andere Aufgaben, so dass Sie eben auch Entlastung erfahren. Es ist natürlich ein gewisser Kuhhandel zu Ihren Lasten, aber sehen Sie Ihre Gelduld einfach als eine Ihrer Stärken. Er hat sicher andere, die in anderen Kontexten dann zum Tragen kommen.

Was das im Bettchen Toben betrifft: wenn Ihre Tochter tatsächlich stundenlang fröhlich so turnt und nicht nur eine kurze Weile, spricht es schon dafür, dass der Schlafdruck abends um die Uhrzeit nicht nicht groß genug ist. Dann wäre entweder späteres Zubettgehen oder früheres Aufstehen eine Möglichkeit. Außedem würde och Ihrem Gefühl trauen und das Abendritual nicht zu groß werden lassen, das scheint sie dann ja eher zu pushen. Ansonsten ist ein deartiges Verhalten, sog. Bewegungsautomatismen, nicht ungewöhnlich für das Kleinkindalter. Also kein Grund zur Sorge!

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!


Herzlichst
Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 21.08.2015

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