Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Betreuung durch Opa und Schlafverhalten

Hallo Frau Dr. Bentz,

ich wende mich mit zwei Fragen an Sie.

Zuerst aber eine kurze Darstellung der Situation:
Unser Sohn ist 14 Monate alt, war kein Schreibaby, hat aber schon immer Probleme beim Schlafen gehabt.
3 Monate vor seiner Geburt haben wir angefangen zu bauen u sind immer noch nicht ganz fertig (machen viel selber) sind aber als er 12 Monate war in das Haus eingezogen.
Seit dieser Zeit arbeite ich auch wieder zwei Tage in der Woche.

Nun zu meinen Fragen:
1. Ich arbeite einen ganzen Tag im Büro. Da geh ich aus dem Haus, wenn er noch schläft u komme wieder, wenn er schon wieder schläft. An diesem Tag macht mein Mann den Kleinen fertig u übergibt ihn an den Opa (dieser kommt zu uns nach Hause). Abends bringt mein Mann den Kleinen dann auch ins Bett. An dem zweiten Tag arbeite ich von zu Hause (Home Office) und ich übergebe den Kleinen an den Opa. Aufgrund von Verzögerungen an der Baustelle konnten wir leider keine Eingewöhnung mit dem Opa machen, so wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Nach der Übergabe ist der Kleine immer richtig am Weinen, sowohl bei meinem Mann als auch bei mir. Der Opa schafft es zwar meistens ihn abzulenken, so dass er sich wieder beruhigt, aber es dauert von Woche zu Woche länger. Wenn er dann aber mit ihm spazieren geht und wiederkommt ist alles in Bester Ordnung und der Kleine knuttert gar nicht mehr. Mir blutet aber immer das Herz, wenn ich ihn übergeben muss. Mein Papa (also der Opa) meint, aber wir sollten die Übergabe kurz halten, das wäre besser. Ich weiß nicht, ob es nicht besser wäre, dass wir drei miteinander spielen und ich mich dann wegschleiche. Wir haben diese Variante auch ausprobiert und wirklich besser ist das Geweine nicht, wenn er merkt, dass ich weg bin. Ich dachte eigentlich, dass es im Laufe der Zeit besser wird, aber ich hab das Gefühl es wird immer schlimmer. Was meinen Sie dazu? Haben Sie eine Idee, wie wir es für den Kleinen einfacher machen können?

2. Unser Sohn schläft von Anfang an schlecht. Meist meldet er sich nach ca. 2 Std Schlaf in 30-45 Min. Abständen. Dann brauch er meist nur den Schnuller wieder. In den frühen Morgenstunden ist er immer aber stöhnen und ächzen und wirft sich hin und her. Dabei verliert er leider immer seinen Schnuller. Den muss man ihm meistens wiedergeben. Wenn er ihn mal selber findet, dauert es meist so lange, dass er richtig wach ist. Das war von Anfang an so. Mit ca. 4 Monaten fing es an, dass er beim Einschlafen permanent mit den Fäusten/Händen in den Augen gerieben hat. Deswegen habe ich meine Hand immer so gehalten, dass er mit seinen Händen nicht an sein Gesicht rankam. Daraus ist leider ein Händchenhalten zum Einschlafen geworden, was wir ihm bis heute nicht abgewöhnen konnten. Anfangs hat er bei uns im Beistellbett geschlafen und hinterher in seinem Gitterbett in unserem Schlafzimmer. Nach dem Umzug (als er 12 Monate war) ist er in sein eigenes Zimmer gezogen. In der Nacht, wenn es anfing, dass er so unruhig schlief haben wir ihn immer in unser Bett geholt, da wir alle so den meisten Schlaf bekamen. Das Einschlafen in seinem eigenen Zimmer hat auch wunderbar geklappt. Bis vor ca. 3 Wochen (also hat es eigentlich nur 5 Wochen gut geklappt). Da hieß es dann fast 2 Std an seinem Bett stehen, Hand halten, vielleicht mal streicheln. Er ist zwar immer eingeschlafen aber auch total unruhig und ist alle 2-3 Min. wieder aufgewacht. Da hat mein Mann dann angefangen, sich montags (an den anderen Tagen bring ich ihn ins Bett) mit ihm in unser Bett zu legen und beim Einschlafen zu kuscheln. Mittlerweile will er das nur noch so. Er klammert sich richtig an mich, wenn ich ihn in sein Bett legen will. Ich lege ihn dann trotzdem rein und bleibe bei ihm, halte Händchen. Also so wie immer. Er liegt dann im Bett, die Augen weit offen, macht sie gar nicht erst zu. Und nach ca. 3 Min. dreht er sich auf den Rücken u streckt die Arm nach mir aus. Ich dreh ihn dann wieder auf die Seite, er ist dann auch einen Moment ruhig und dann setzt er sich hin und streckt die Arme aus. Das geht dann so lange, bis ich ihn hochnehme und frage, was er will. Dann zeigt er zur Schlafzimmertür und wenn ich mit ihm rausgehe auf unsere Tür. Sobald er dann in unserem Bett liegt und ich daneben, kuschelt er sich kurz mit dem Gesicht an mein Gesicht, dann dreht er mir den Rücken zu und ist eingeschlafen. Hat er sich nur an das Schlafen in unserem Bett gewöhnt oder braucht er die Nähe vielleicht als Ausgleich für die zwei Tage Betreuung durch den Opa? Für uns ist es in Ordnung, wenn er bei uns schläft. Da wir aber ein zweites Kind planen, möchte ich nicht, dass die Situation zu einem Dauerzustand wird und er erst in zwei oder drei Jahren wieder aus unserem Bett auszieht. Wann sollten wir versuchen, ihn wieder in sein Bett zu bekommen und wie? Und wie merke ich, dass er von sich aus dazu bereit wäre?

Er läuft übrigens noch nicht frei und kann auch noch nicht wirklich sprechen. Nur hin und wieder Mama u Papa.

Vielen Dank für Ihre Hilfe

Liebe Grüße
Niki

von Niki1980 am 01.09.2015, 08:20 Uhr

 
 

Antwort:

Betreuung durch Opa und Schlafverhalten

Liebe Niki1980,

hui, da haben Sie sich ja eine Menge vorgenommen! Die kommende Zeit wird sicher für alle etwas stressiger, doch wenn Sie dies gedanklich vorwegnehmen und Ihre Erwartungen an sich und andere etwas herabschrauben, wird sich das ganz sicher meistern lassen! Der Perfektionismus muss für diese Zeit einfach in die gedankliche Abstellkammer... (-;

Zu Ihren Fragen:
Leichter können Sie es Ihrem Sohn nur dadurch machen, dass Sie sich eben nicht wegschleichen, sondern sich verabschieden, auch wenn es dann zu Tränen kommt. Der andere Weg ist zwar kurzfristig vielleicht etwas leichter, hat aber den Nachteil, dass Ihr Sohn lernt, dass Mama und Papa einfach plötzlich - ohne Ankündigung - nicht mehr da sind. Dies fördert Ängste und anklammerndes Verhalten mittel- und langfristig, denn Ihr Kind wird so lernen, dass es immer wachsam sein muss, damit nicht Mama oder Papa plötzlich weg sind.

Grundsätzlich sollte man sich daher verabschieden und bei kleinen Kindern sogar auch immer ankündigen, wenn man aus dem Raum geht ("ich geh kurz mal auf die Toilette"). Glieches gilt für Babysitter und andere "Fremdbetreuungssituationen.

Es sollte immer klar kommuniziert werden:
1) Was passiert ("Mama und Papa gehen heute aus")
2) wer da bleibt ("Oma passt auf dich auf und bleibt da")
3) wann man wiederkommt ("Wir kommen wenn du schläfst wieder")
4) und das man nicht außer Welt ist ("wenn was ist, kann Oma mich immer anrufen")

Ähnliches morgens (Mama hat heute Ihren Bürotag, Opa bleibt da und kümmert sich, Papa kommt dann zum Abendbrot etc.)

Den folgenden Prostest muss man in Kauf nehmen. Es ist wichtig, dass Ihr Kind traurig sein und weinen darf! Es ist ja eine natürliche Reaktion auf Ihren Abschied und Ihr Sohn sollte daher für seinen Abschiedsschmerz Verständnis erfahren. Für die Übergabe ist es deshalb gut, wenn Ihr Sohn nicht gleich abgelenkt, sondern kurz getröstet wird, ohne zu dramatisieren.

D.H. Sie sollten Ihr Kind mit den o.g. Worten verabschieden und dabei ruhig bleiben. Die Übergabe sollte immer ähnlich ablaufen und nicht hektisch, doch auch nicht überlang. Ein kleines Übergangsritual ist etwa das Ausziehen der Jacke und Schuhe, was noch von Ihnen erledigt wird.

Ihr Vater sollte dann das (undramatische) Trösten übernehmen. Dazu reicht es, so etwas zu sagen wie ("Bist du jetzt ein bisschen traurig? Komm, ich nehm dich auf den Arm. Wir können Mama noch winken. Dann frühstücken wir gleich und heute Abend holt Papa dich ab" etc.)

Es ist also entscheidend, dass die Übergabe klar, ruhig und nicht überfrachtend ist. Sie müssen leider Ihre Tränen zurückhalten und Gelassenheit und Ruhe austrahlen, sonst könnte Ihr Sohn aus Ihrer Reaktion ablesen, dass jetzt etwas Schlimmes passiert. Es ist daher wichtig, dass Sie mit der Fremdbetreuung durch Ihren Vater im Reinen sind!

Sollte Ihr Sohn sich jedoch längere Zeit nicht trösten lassen (ca. 10-15 Minuten), dann scheint ihn die Lage dich etwas zu überfordern. Hier wäre die Frage, ob Sie sich etwas Luft für die Einngewöhnen verschaffen können oder Ihr Mann ggf. einspringen kann, oder ob eine kürzere Arbeitszeit verteilt auf mehrere Tage dann eben nicht doch besser wäre.

Was die letzte Frage angeht: Sofern Ihr Sohn, Ihr Mann und Sie gut im Familienbett schlafen, ist es völlig ok. Dann besteht kein Handlungsdruck. Wenn Sie dann etwas verändern wollen, sollten Sie allerdings vor der Geburt eines zweiten Kindes damit anfangen, damit Ihr Erster nicht das Gefühl hat, er werde " verbannt" wird, weil jetzt das Baby da ist.


Ich weise an dieser Stelle jedoch immer darauf hin, dass die Tendenz stimmen muss: Ihr Kind muss noch nicht durchschlafen. Allerdings sollte es mit dem Schlafen in der Tendenz immer besser klappen. Tut es das nicht, ist das Familenbett eben nicht die Lösung. Gleiches gilt übrigens auch, wenn von den Großen jemand dauerhaft keinen Schlaf bekommt...

Ich drücke Ihnen die Daumen und wünsche viel Erfolg bei Ihren weiteren Vorhaben!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 01.09.2015

Antwort:

Betreuung durch Opa und Schlafverhalten

Vielen Dank für die schnelle Antwort? Woran merken Sie so schnell dass ich ein kleiner Perfektionist bin ;).

Mich würde noch interessieren, ob das in unserem Bett einschlafen Ihrer Meinung nach ein Bedürfnis oder eine Angewohnheit ist.
Ich lese nämlich abends, wenn ich ins Bett gehe gerne noch ein bißchen. Das will ich aber nicht machen, wenn der Kleine bei uns schläft, um ihn nicht zu wecken. Daher wäre es mir lieber, wenn er in seinem Bett einschläft u wir ihn erst später zu uns holen. Tendenziell schläft er in unserem Bett besser. Hier meldet er sich das erste Mal nach ca 6 Std u nicht schon nach 2. Aber so eine Phase hatten wir kurz nach dem Umzug auch schon, als er noch in seinem Bett eingeschlafen ist. Da war ich mal morgens um 4 bei ihm im Zimmer um zu schauen, ob er noch lebt, weil er in der Nacht kein einziges Mal gequengelt hat.

Danke u Gruß
Niki

von Niki1980 am 01.09.2015

Antwort:

Betreuung durch Opa und Schlafverhalten

Liebe Nikki,

nun ja, wenn man es auf die Spitze treiben will, dann ist natürlich fast alles irgendwie auch eine Gewohnheit. Mit Sicherheit kann man sagen, dass körperliche Nähe ein Grundbedürfnis von Kindern (aber eigentlich auch uns Großen) darstellt und fürs Überleben essentiell wichtig ist. Sie kennen vielleicht das Experimenent mit den kleinen Äffchen, die von den Müttern getrennt die Wahl zwischen einer "Drahtmutterpuppe" mit Nahrung und einer kuscheligen Fellmamapupe ohne Nahrung hatten? Die armen Dinger sind lieber verhungert als aufs Kuscheln zu verzichten...

Natürlich ist das Famileienbett eine gute Möglichkeit, diese Nähe zu spenden. Von Vetretren des attachment parenting wird sie sogar mit Hinweisen auf andere Kulturen als unerlässlich und einzig natürlichen Weg zur sicheren Bindung beschrieben. Manches davon ist sicher gerechtfertig , insbesondere weil in unseren westlichen Kulturkreis lange das Bedürfnis nach Nähe zu wenig respektiert wurde und rigide aus Angst vor Verwöhnen schon bei Neugeboreren auf selbsständiges Einschalfen im eigenen Bett gepocht wurde, ohne zu sehen, dass es auch andere Wege gibt. Ich bin hier jedoch der Meinung, dass ein Familienbett nur wirklich dann funktioniert und Bindungen fördert, wenn alle es wollen und alle genug Schlaf bekommen. In unserer Kultur ist es nun mal so, dass wir sehr aus den Nachtschlaf angewiesen sind, da größere Mittags- und Tagesschlafzeiten im Gegensatz zu anderen Kulturen eben nicht so üblich oder gar möglich sind. Körperliche Nähe kann ja auch anders gezeigt werden und Kompromisse wie sie beschreiben, sind m.E. völlig ok. Warum also nicht in seinem Bett einschlafen lassen und dann rüber nehmen? Wenn er und sie so ruhiger schlafen ist doch alles prima! Und wenn er dann wieder dahin kommt, dass er auch so durchschläft, ist es doch auch ok. Er wird dann sicher nicht zu einem emotionalen Krüppel (-;

Herzliche Grüße nochmals!

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 04.09.2015

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