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Geschrieben von Jolien am 03.07.2004, 20:15 Uhr

Kind da und nur noch Stress

Hallo !
Bin neu und brauche irgendwie hilfe.
Nach zwei Fehlgeburten sind wir am 7.1 endlich Eltern einer gesunden Tochter geworden. Seit der 8 Wochen bin ich wieder (notgedrungen wir haben gebaut) halbe Tage am arbeiten. Schmeiße den Haushalt, kümmere mich um unseren Hund und natürlich um unseren Sonnenschein. Ich bin genervt weil die kleine immer noch nicht durchschläft.
Mein Mann macht irgendwie gar nichts mehr. Er kommt nach Hause, und verschwindet in der Garage oder sonst wo. Am Wochenende geht es, wenn mal was los ist weg, und ich muß selbstverständlich zu Hause bleiben. Wenn ich mal meine MEinung sage, dass ich mir das so nicht vorgestellt habe, sagt es ich soll nicht so rumzicken. Seit der GEburt hatten wir drei mal sex. (in 6 Monaten) Ich vermisse den Mann den ich geheiratet habe und fühle mich so unendlich einsam. Durch meine Arbeit und die kleine habe ich fast jeden Kontakt zu meinen Freundinnen verlohren.

Vielleicht gehts euch ähnlich, oder Ihr habt Tipps.

Gruß

Tanja

 
7 Antworten:

scheinbar normal

Antwort von Frau Maus am 03.07.2004, 23:07 Uhr

Hallo Tanja,

kann dich sehr gut verstehn, bei uns war es anfangs ähnlich...naja, nicht ganz so schlimm, aber ich hab mich überfordert gefühlt mit allem, und mein arbeitender Gatte wollte nur seine Ruhe, den Kleinen zwar ab und zu mal bestaunen, aber das war`s dann, jedenfalls hatte ich so dass Gefühl. Gleich vorweg: unser Sohn hat mit sechs Monaten das erste Mal länger als 4 Stunden am Stück geschlafen, und wir konnten unser Glück kaum fassen :o), und es hat noch wesentlich länger gedauert, bis es zur Regel wurde, dass er durchschläft. Es belastet ja nicht nur dich, nicht durchschlafen zu können, oder wacht der Papa nicht auf, wenn seine Tochter sich nachts meldet? Klar ist es ein Unterschied, ob man aufstehen muss oder liegenbleibt, aber gerädert fühlt man sich doch auch, wenn man nur geweckt wurde.

Jedenfalls war mein Gatte schon genervt, wenn er morgens zur Arbeit ist und kam nicht minder genervt wieder, bei mir war es nicht anders; mit dem Schlafentzug geht einem einfach alles auf die Nerven. Da hat man dann selten Lust auf Sex, zwar ab und zu schon, aber selten zur gleichen Zeit wie der Partner. Manchmal wurde dem anderen zuliebe ein Versuch gestartet, der dann abgebrochen wurde, weil beide viel zu k.o. waren, aber, was wichtig war, wir haben uns immer irgendwie aneinander gekuschelt. Leider war es oft so, dass er nach der Arbeit, wenn überhaupt, nur kurz nach Hause kam, seine Sachen abgestellt hat, und wieder abgehauen ist, weil er es mit kleiner Nervensäge, genervter und überforderter Mama, was sich in der Wohnung natürlich bermerkbar macht, nicht ausgehalten hat. Wenn er dann nachts zu mir ins Bett gekuschelt kam, hatte er sich abreagiert und war total lieb, falls wir noch wach genug waren, haben wir dann versucht, uns über dies und das zu unterhalten, aber am nächstem Morgen herrschte wieder allseits Genervtheit.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Unzufriedenheit in Worte kleiden konnte, von diesem Zeitpunkt an wurde es besser. Ich hab ihm direkt gesagt, dass wir uns zu unserer Trauung versprachen, in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzuhalten, und das waren für uns nicht leere Worte; wir beide sehen in einer Ehe eine lebenslange Verbindung und nichts, was man einfach wieder auflösen kann, wenn einem was nicht mehr passt. Also, meinte ich, es sind scheinbar grade schlechte Zeiten, und umso mehr müssen wir zusammenhalten, also müssen wir gemeinsam überlegen, was zu tun ist. Reden, reden und nochmal reden, und wenn es nicht klappt, es dem anderen ins Gesicht zu sagen, was man denkt, hilft nur noch schreiben.

Es stellen sich Fragen wie `warum hab ich mich damals verliebt, warum liebte und liebe ich ihn, was ist anders geworden, was passt mir an ihm nicht, was passt ihm an mir nicht, was macht mich wirklich fertig, was kann der andere konkret ändern`, also einfach alles, was in Bezug auf die Partnerschaft und die momentane Situation wichtig ist.

Tatsächlich habe ich auch zu hören bekommen, ich sei zickig...heute tut es ihm leid :-). Ich habe darauf gedrängt, dass er mir alles sagt, was ihm an mir nicht mehr passt, aber auch, warum er mich liebte und liebt. Klar muss man seine Worte vorsichtig wählen, denn wenn sich "die Männer" angegriffen fühlen, ziehen sie sich erst recht zurück.

In unserem Fall haben wir es konkret so gelöst, dass ich ihn am Samstag so lange im Bett liegen ließ wie er wollte, er mir dafür aber im Haushalt geholfen hat und für den Großeinkauf zuständig war. Sonntagmorgens hab ich ihn kurzerhand zum "Frühstücksminister" ernannt, und von da an hat tatsächlich jeden Sonntag ein liebevoll gedeckter Tisch auf mich gewartet. Grundsätzlich gehörte der Sonntag uns, höchstens einmal im Monat wurde jemand eingeladen oder eine Einladung angenommen. Wir haben den Tag echt nur zum kuscheln, essen und einen gemeinsamen Pflichtspaziergang mit unserer kleinen Maus genutzt. Und natürlich zum reden...

"Ich vermisse den Mann den ich geheiratet habe und fühle mich so unendlich einsam." -> hast du ihm das genau so gesagt? Bei meinem Schatz jedenfalls wäre das genau die richtige Tonart...von der Ich-Position aus deine Gefühle schildern ist meiner Erfahrung nach für dein Gegenüber akzeptabler, als wenn du ihm direkt Vorwürfe machst (in deinem Fall z.B. "ich fühle mich von dir allein gelassen" anstatt "du lässt mich/uns immer allein"). Habt ihr "wenn mal was los ist", wo dein Mann hin will, niemand, der euch die Kleine abnimmt, damit du mit ihm zusammen was unternehmen kannst?

Was ist denn mit deinen Freundinnen? Kinderlos? Macht nix. Lade sie trotzdem ab und zu ein, vielleicht bekommen sie sogar dann Lust, sich auch so ein süßes Ding zuzulegen ;-). - Meine besten Freundin neigt jedoch eher dazu, sich von dem, was sie sieht, abschrecken zu lassen, aber das tut unserer Freundschaft keinen Abbruch. Es muss doch keine großartige Einladung sein; es tut unheimlich gut, einfach mal zusammen zu frühstücken oder eine andere Mahlzeit zusammen einzunehmen, hemmungslos zu tratschen, sein Herz auszuschütten, sich über Erfolge der anderen zu freuen usw. Die ersten Monate hab ich nicht gewagt, jemand einzuladen, weil es bei mir einfach zu chaotisch war, aber irgendwann hat sich alles so eingespielt, dass ich angemeldeten Besuch guten Gewissens einlassen kann *g*.

Was für uns genial ist, ist, dass Ikea nicht weit weg ist, wo man günstig frühstücken gehn kann, mit Einsicht in die Kinderecke und für Stillkinder noch ein lauschiges Sofa in einer Ecke...sowas tut unheimlich gut. Mein Mann hatte anfangs überhaupt kein Verständnis dafür, wie ich es wagen kann, zu einem gemütlichen Brunch das Haus zu verlassen, wenn der Küchentisch noch vom Brei unseres Sohnes verschmiert ist und das Wohnzimmer aussieht, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hat, weil der Kleine sein Spielzeug überall hin verstreut hat, dazu noch meine Utensilien im Bad nicht ordentlich weggeräumt sind, weil ich mich in aller Eile zum Ausgehen fertig gemacht habe und pünktlich bei meiner Freundin sein wollte...aber als er gemerkt hat, dass ich bei solchen "Weibertreffen" zu neuem Schwung komme und ich meine Pflichten dafür dann später um so lieber erledige, sieht er das viel gelassener. Die meiste Kraft gibt mir aber immer noch das Gefühl, von ihm geliebt und geschätzt zu werden, und er gibt sich wirklich Mühe, mir dieses Gefühl zu vermitteln.

In deinem Fall geh ich jetzt einfach mal davon aus, dass er dich auch liebt...aber anscheinend braucht er einen Anstoß, dir zu sagen, warum, und warum er sich dann so verhält, als ob ihm deine Gefühle egal wären.

Sollten deine Freundinnen kein Verständnis für deine neue Situation, nämlich leben mit Kind, aufbringen, suche dir andere. Mütter mit ungefähr gleichaltrigen Kindern haben eine gemeinsame Basis, da lassen sich gut Kontakte knüpfen und vertiefen...schon alleine auf dem Spielplatz gäbe es, hier jedenfalls, genug, die kontaktfreudig sind und Freundschaften zu anderen Müttern aufbauen, und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Versteh mich nicht falsch, Freundschaften sind mir fast so wichtig wie meine Ehe, aber wenn dich die Freunde im Stich lassen, sind es keine wahren Freunde.

Kopf hoch, bei uns wurde es durch die gepflegte Kommunikation und gemeinsam getroffene Regelungen, was unseren Alltag anbelangt, viel besser, und so richtig nett ist es wieder, seit unser kleiner Liebling durchschläft, da kommt wieder richtig Freude auf, die so ein Kind doch zweifelsohne sowieso schon in vielen Dingen macht.

Liest sich vielleicht alles ein bisschen altklug, aber deine Situation kommt mir so bekannt vor, dass ich dir versucht habe zu schildern, wie sich bei uns alles wieder zum Guten gewendet hat. Mein Fazit ist echt, dass nichts über eine funktionierende Kommunikation geht, die, wenn hergestellt, aufrechterhalten werden muss. Hoffe, mein Geschreibsel nützt dir etwas :-).

Dir und euch alles Gute.

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Re: Kind da und nur noch Stress

Antwort von Frosch am 04.07.2004, 12:34 Uhr

Hallo!

Einiges kommt mir SEHR bekannt vor... Du darfst nicht vergessen, Du hast Dich AUCH geändert, so wie Dein Mann auch. Durch die Verantwortung, den Streß und die durchwachten Nächte geht viel von der Zweisamkeit verloren. Ihr müßt über Eure Gedanken/Gefühle/Ängste reden, auch über Eure Vorstellung von der 3samkeit! Aber vergeßt Eure Zweisamkeit nicht und unternehmt auch mal was ohne Baby.
Es geht nicht nur um "Meinung sagen" sondern ums miteinander reden - Männer machen zu wenn die Frau sie mit Vorwürfen überhäuft oder aggressiv wird.
Schreib ihm doch einen Brief?
Übrigens, das mit der angespannten Situation/Sex hat sich bei uns nach ca. einem Jahr wieder eingependelt. Die Zeit arbeitet für Euch, und irgendwann könnt Ihr auch zu dritt etwas unternehmen!
LG Antje

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Re: Kind da und nur noch Stress

Antwort von Jolien am 04.07.2004, 20:09 Uhr

Hallo Ihr zwei !

ERstmal vielen Dank !

Es ist toll (naja eigentlich nicht, weil man sich so eine Situation erst gar nicht wünscht) wenn man hört das man nicht alleine ist.
Abends weggehen ist leider mehr ein Traum, weil meine Mutter schon viermal die Woche wenn ich arbeiten gehe auf die Kleine Aufpaßt und eine zweite Oma fehlt leider.
Mir fällt es zur Zeit durch die Arbeit, den Nachmittag mit der kleinen, den Haushalt und unseren Hund sehr schwer auf neue Freundschaften zu konzentrieren, desweiteren weiß ich nicht wo ich jemanden kennlernen soll, Hier bei uns "am Lande" ist alles auf Vormittags ausgerichtet. (krabbelstunden, usw.) also nichts wenn man arbeiten geht.
Aber sicher ganz wichtig, das man abstand findet und auch feste reglungen. Sicher habt Ihr recht das man lernen muß zu dritt und dann auch wieder zu zweit klar zukommen, und sicher bin ich da auch zu ungedulig. Ich werde meinem Mann einen Brief schreiben.
Wäre schön wenn ich nochmal was von Euch höre. Und Frau Maus, Deine Antwort ist nicht kitischik, sondern mit viel Liebe geschrieben.

LG

Tanja

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re:

Antwort von Anetts am 04.07.2004, 21:25 Uhr

liebe jolien, hilft dir dein mann im haushalt?viell könnte er das zum beispiel tun, dann wärst du nicht so gestresst und es würde zeit zum reden sein.
nur eins von vielen beispielen.
Anett

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Re: Kind da und nur noch Stress

Antwort von Rainbow123 am 05.07.2004, 7:08 Uhr

Hallo.

Ein Kind ist eine enorme Umstellung für das Pärchen und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Am anfang hatten wir auch unsere Schwierigkeiten und ich mußte jedoch nicht zwischendurch auch noch arbeiten gehen wie du! Mit der Zeit renkt sich das aber ein. Was nun wichtig ist (nur ein Tip), ist die ganzen Streitigkeiten nicht vor eurer Tochter auszulotsen. Die bekommt den ganzen Ärger und Streß nämlich auch mit uns somit wundert es mich nicht, das sie noch nicht durchschläft!!! Ein regelmäsiger Rhythmus und viel Ruhe ist angesagt um es den kleinen zu zeigen. War dein Mann bei der Geburt dabei? Hatte er vorher vielleicht bedenken ob er mit bei der Geburt in den Kreissaal kommen soll?
Frage dieses weil er auch keine Lust mehr verspürt. Viele Männer können das Bild mit dem vielen Blut und so nicht vergessen!

Kann dir nur sagen, das wenn sich das alles ein wenig eingespielt hat (du weißt was das Kind will wenn es schreit usw) sich vielleicht auch bei Euch alles wieder einrenkt. Sicherlich ist es nicht schön, das du garkeine Unterstützung bekommst.... Drücke euch alle Daumen.

LG Anja

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@Jolien

Antwort von Frau Maus am 05.07.2004, 11:20 Uhr

Hallo Tanja,

wo wohnst du denn? Wohne jetzt zwar in der Hauptstadt, aber kenne das "Landleben" nur zu gut *g*. Was Kontakte knüpfen anbelangt, hab ich z.B. bei "Baby und die ersten Lebensjahre" aus der Apotheke im Leserforum nette Anzeigen aus ganz Deutschland gesehen. Ich bin zum Glück mit guten Freundinnen gesegnet, aber das ist vielleicht was für dich? Und im Internet finden sich vielleicht Möglichkeiten, was gründen von zeitlich anders gelegenen Krabbelgruppen o.ä. betrifft?

Hoffe, du findest deinem Mann gegenüber die richtigen Worte...und vorsicht, schriftliches könnte gegen dich verwendet werden ;-).

Kannst mich auch gerne anmailen.

Alles Gute,
Anke

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Re: Kind da und nur noch Stress

Antwort von NDW am 05.07.2004, 15:13 Uhr

Hallo Jolien,

nach der Geburt meines ersten Kindes war ich auch erschüttert über mein neues, vollkommen anderes Leben... es dauerte eine Weile (eigentlich das ganze erste Jahr *g*), bis mein Mann und ich uns wieder zusammengerauft hatten. Verabrede Dich mit Deinem Mann zu je einen komplett freien Abend in der Woche für jeden von euch. An dem Abend darf der jeweils *Glückliche* tun was immer er will, ohne Seufzen und Jammern des Babysitters. Wechselt euch jeden Sonntag ab: ersten und dritten Sonntag schläfst Du aus, zweiten und vierten Sonntag er. An diese Verabredungen muss sich jeder absolut halten. Sind natürlich nur Beispiele. Wir gönnen uns mindestens einmal im Monat am WE eine Babysitterin (Nachbartochter) und machen einen Erwachsenentag. Und dann freuen wir uns, dass wir im Restaurant essen können ohne den Tierbändiger zu geben...
Auch für die Hausarbeit lassen sich solche Vereinbarungen treffen. Schnapp die ein Blatt Papier, rede mit ihm darüber, dass er im Haushalt helfen soll und er sich die Arbeiten aussuchen kann, die er am liebsten tut oder am besten kann. Nach einem Monat wechselt ihr. bei uns werden mittlerweile auch schon die Kinder mit eingeplant (das macht sie mächtig stolz, denn nur *Große* dürfen helfen...) und es funktioniert. Es gilt allerdings auch die Regel *das nur der Tod oder 40 Grad Fieber* als Ausrede fürs Nicht-Einhalten der Vereinbarungen gelten (oder manchmal auch EM-Finale...)

Liebe Grüße,

NDW

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