Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Zu wenig Essen

Hallo,

ich möchte mich heute einmal an Sie wenden, da Sie vielleicht häufig mit meinem Problem konfrontiert sind. Meine Tochter isst so wenig, speziell zu wenig Fleisch, Wurst, Eier und sie nimmt auch nur sehr wenig zu. Sie ist jetzt 20 Monate alt und darf auch vom Tisch mitessen, aber sie mag vieles nicht. Es gibt so oft Geschrei beim Essen... Fleisch und Wurst spuckt sie generell wieder aus, obwohl es schon im Mund war. Sie ist sowieso schon eher eine Zarte und das Gewicht steigt nur langsam und ich mache mir Sorgen. Mein Kinderarzt nimmt die Bedenken aber nicht richtig ernst. Was können Sie mir raten?

Schönen Dank für Ihre Antwort!

von MatildaM am 29.10.2010, 15:33 Uhr

 
 

Antwort:

Zu wenig Essen

Guten Tag!

Ihre Schilderungen entsprechen einem typischen Bild, das in der Tat häufig vorkommt. Es spricht eher dafür, dass Ihre Tochter keine Nahrungsunverträglichkeit oder organische Erkrankung hat. Nur wenn andere Symptome zusätzlich auftreten, würde man weitere Diagnostik machen.

Viele Kinder haben ihre eigenen Vorlieben und ihren eigenen Geschmack. Wenn Eltern dann gegen eine eventuelle Abneigung Nahrung mit Nachdruck zuführen, weil sie sich wegen der schlechten Nahrungsaufnahme Sorgen machen, kann dies zu stressigen Situationen am Essenstisch führen und von Tag zu Tag sich die Emotionen auf beiden Seiten aufschaukeln.

Falls Ihr Kind nach objektiven Kriterien nicht untergewichtig ist und es keine Mangelzustände gibt (Eisenmangel?) - das kann Ihr Kinderarzt gut entscheiden- sollten Sie versuchen, beim Essen Ruhe zu bewahren. Oft hilft es, eine positive Athmosphäre bei Essen zu schaffen, sich Zeit zu nehmen und Ablenkungen wie Fernsehen und Spielzeuge zu vermeiden. Klare Regeln zu besprechen, ist schon bei Kleinkindern sinnvoll („alle bleiben sitzen, bis die Mahlzeit beendet ist“; jeder probiert von der Speise, darf sie aber liegen lassen, wenn sie nicht gemocht wird“; es gibt maximal ein Alternativangebot usw.).

Wichtig ist auch, keine Zwischenmahlzeiten als Ersatz für nicht gegessene Hauptmahlzeiten anzubieten.

Gegen den Willen eines Kindes zu füttern oder lange Diskussionen um jeden Bissen zu führen, hat langfristig oft den gegenteiligen Effekt einer Verschlechterung des Essverhaltens. Manchmal muss man, bis diese Maßnahmen greifen, auch einen Gewichtsstillstand in Kauf nehmen.

Wenn Sie die Situation nicht alleine bewältigen können, sollten Sie Ihren Kinderarzt noch einmal ansprechen. Manchmal hilft auch die Beratung durch einen/eine Psychologen/Psychologin, die mit dieser Problematik Erfahrung haben.

Viel Erfolg!

M: Claßen

von Dr. Martin Claßen am 31.10.2010

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