Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

Antwort:

Nahrungsmittelallergien mit Anaphylaxien

mein kleiner Sohn ist nun gerade 4 Jahre alt geworden. Er hat mehrere (angeborene) chronische Erkrankungen (Zystennieren, Bronchusaplasie, Komplementdefekt, schweres, austherapiertes, gemischtförmiges Asthma bronchiale, Neurodermitis).

Er hat eine nachgewiesene Fructosemalassimilation und multiple Nahrungsmittelallergien gegen Milcheiweiß, Eier und Nüsse, insbesondere Haselnüsse. Er reagiert im RAST-Test mit Rastklasse 6, im Pricktest mit einer Verdünnung von 1:100 mit ++++ (Histamin ++). An eine Provokation hat sich bislang kein Arzt herangetraut. Jetzt im Frühjahr reagiert er heftig auf Blütenpollen (Hasel, Birke, Erle) und wir vermuten´, dass er gerade dabei ist pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien zu entwickeln.

--> Sie sollten unbedingt ein Notfallset („Anaphylaxie-Set“) zur Verfügung haben

Er hat schon als kleines Baby diese Neigung zu Allergien und Unverträglichkeiten gehabt, und so konnten wir Beikost nur ganz allmählich einführen. Anfangs bestand auch noch eine Allergie gegen Weizen.
Er war auch schon immer sehr skeptisch, was Essen angeht. Und auch heute lehnt er Vermischtes, Süßes und stärker Gewürztes vehement ab. Er hat auch noch nie bewusst Nüsse gegessen.

Nun zu meinen Fragen:

* Kann eine Sensibilisierung für ein bestimmtes Allergen auch durch Spuren davon in der Nahrung stattfinden (der Hinweis auf Nüsse findet sich ja auf vielen Nahrungsmitteln)
--> Über welchen Weg die hochgradige Sensibilisierungen erfolgen, ist nicht eindeutig geklärt. Neben Resten in Fertigprodukten, Verunreinigungen von Kochuntensilien kommt auch ein Kontakt über die Haut grundsätzlich in Frage.

Gerade die Nussallergie ist im Laufe der letzten eineinhalb Jahre deutlich stärker geworden. Kann sie sich auch wieder zurückbilden?

--> grundsätzlich ja, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht so groß wie bei einer Milchallergie in diesem Alter.

* Würden die Reaktionen auf Nüsse auch weniger gefährlich ausfallen, wenn wir eine Behandlung mit Xolair beginnen würden? Unsere Ärzte diskutieren gerade darüber...

--> Das wird wahrscheinlich die allergische Neigung reduzieren; ob man damit wirklich alle Reaktionen verhindern kann, ist nicht vorherzusagen. Die Erfahrungen mit der Anwendung dieses Antikörpers bei den Nahrungsallergien sind noch nicht so umfangreich wie beim Asthma.

Im Infektfall reagiert auf Allergene noch einen Tick sensibler als er es ohnehin tut. Wir haben nun beschlossen ihn deshalb sobald er obstruktiv ist oder fiebert Antihistaminika dazu zu geben, um die Allergiekomponente möglichst niedrig zu halten. Wie sehen sie das?

--> dies ist eine Beobachtung, über die viele Eltern berichten; sie ist auch immunologisch und klinisch plausibel. Wenn entsprechende Beschwerden bestehen, halte ich eine solche Maßnahme für probierenswert.

Alles Gute und viel Erfolg bei den Maßnahmen!

Ihr

M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 14.04.2010

 
 
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