Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Milcheiweißallergie - Provokation

Sehr geehrtes Expertenteam,

mein kleiner Sohn ist nun 5 Jahre alt. Er hat multiple Allergien und Sensibilisierungen im Rast, eine nachgewiesene Fructoseintoleranz (nicht heriditär) und zudem ein schweres Asthma bronchiale.

Wir können generell beobachten, dass seine Nahrungsmittelallergien eher nachlassen, dafür nehmen die Probleme durch das allergische Asthma immer stärker zu.

Er hat Sensibilisierungen auf Milcheiweiß, Eier, Weizen, Kabeljau, Erdnüsse, Haselnüsse, Soja im Bereich der Nahrungsmittel. Auf Haselnüsse hatte er schon eine Anaphylaxie. Wir sind mit kompletten Notfallset ausgestattet. Auch die Sensibilisierung mit Erdnüssen liegt bei Rastklasse 6.

Anfangs hat er weder Eier noch Weizen toleriert und mit heftigsten Hautreaktionen reagiert. Beides kann er einstweilen im verbackenen Zustand) essen, obwohl die Sensibilisierungen immer noch deutlich vorhanden sind.

Wir hatten gehofft, dass sich auch die Milcheiweißproblematik geben würde. Er hat bis zu seinem 5. Geburtstag Neocate getrunken, jetzt haben wir es abgesetzt, da er es nicht mehr trinken möchte. Wir achten auf anderweitige Calciumzufuhr. Letzte Woche haben wir zu Hause einen Versuch mit etwas Milch in einem Auflauf gemacht. Er zeigte keine Sofortreaktion (was auch nicht zu erwarten war), nach etwa 24 Stunden blühte allerdings seine Neurodermitis extrem auf und er bekam auch starken Reizhusten, der immer noch anhält.

Da andere Reize auszuschließen sind gehen wir davon aus, dass es immer noch sinnvoll ist auf Milcheiweiß zu verzichten.

Ist zu erwarten, dass sich auch die Milcheiweißallergie irgendwann zurückbildet? Wie gut liegen die Chancen?

Wir sind generell eine Asthma/Neurodermitis/Allergie-Familie. Ich habe ähnliche Problematik, werde mit Xolair behandelt. Uns belastet die Essensproblematik kaum, wir kochen wegen der verschiedensten lallergien in der Familie sowieso sehr allergenarm. Ein großes, großes Problem ist nur der Umgang mit Allergien im Kindergarten und in der Schule und auch bei Besuchen bei Freunden. Aus diesem Grunde hätte ich dem Kleinen auch gewünscht, dass das "Milchproblem" verschwunden wäre.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

von finima am 05.08.2011, 10:41 Uhr

 
 

Antwort:

Milcheiweißallergie - Provokation

Guten Abend!

Ich erinnere mich, dass wir schon mehrfach im Forum über Ihren Sohn uns ausgetauscht haben. Offensichtlich hat er leider in Bezug auf die Allergien ein besonders schweres Los gezogen.

Insofern tue ich mich schwer, eine Prognose in Bezug auf die Milcheiweißallergie zu geben. Offensichtlich handelt es sich um eine verzögerte Reaktion, so dass ich weiterhin eine Chance sehe, allerdings würde man sich mit der Angabe einer prozentualen Chance sehr auf das Gebiet der Spekulation begeben, was ich nicht gern tun möchte.

Was ist denn aus dem Plan der Hyposensibilisierung und der Gabe von Anti-IgE-Antikörpern (Xolair) geworden?

Sie sind sicher darüber hinaus in allerbester Betreuung - da könne wir aus der Ferne wenig zusätzlichen Input geben.

Alles Gute Ihnen und Ihrem Sohn!

M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 05.08.2011

Antwort:

Milcheiweißallergie - Provokation

Guten Abend Dr.Claßen,

nett, dass Sie sich erinnern. Hm, bei dem Kleinen ist es einfach eine besondere Mischung aus Atopie und Schicksal. Ich habe ja selbst schwerstes, therapierefraktäres Asthma und werde mit Xolair behandelt, und ich hab es dem Kleinen wohl vererbt. ABER: er managt die Nierenerkrankung und auch die Lungenproblematik gut, übernimmt selbst Verantwortung und kennt sich prima aus....

Wir kommen nicht wirklich weiter. Von einer SIT raten unsere Ärzte ab, weil wir das Hauptallergen nicht ausfindig machen können und er laufend neue Allergien entwickelt. Wir bekämpfen das eine, dafür kocht das andere auf. Ist seine Lunge besser, blüht die Haut auf. Die Kunst ist es einigermaßen Gleichgewicht zu halten. Komplette Beschwerdefreiheit werden wir so schnell nicht erreichen können. Der Kleine äußert von selbst, wann er mit dem Juckreiz der Haut nicht mehr klar kommt, er weiß auch, wann er mehr inhalieren muss, weil die Basismedikation nicht ausreicht.

Zwecks Xolair waren wir extra in Berlin bei Prof Wahn. Dieser meinte, solange man die Anfälle irgendwie in Griff bekommt würde er noch zuwarten, da mein Sohn noch zu klein wäre. Eher würde er das viani noch höher dosieren. Auch die Haut sollen wir lieber ausschleichend bzw intermittierend mit Ecural behandeln, anders bekommt man es nicht in Griff. Prof Wahn hatte auch nichts provozieren wollen. Er hat uns nur dringend nahe gelegt bei den allerersten Reaktionen, die auf eine Anaphylaxie hinweisen könnten den Anapen zu verwenden. Steroide und Antihistaminika sofort nachlegen. Auch von einer Hyposensibilisierung mit Nüssen riet er ab, da die Erfolge einfach noch viel zu gering wären.

Danke jedenfalls für Ihre ehrliche Antwort! Irgendwie hofft man einfach drauf, dass sich manches "verwächst". Wir sind in guter Betreuung, klar. Ich kenne mich auch einigermaßen aus, trotzdem stößt man einfach mit diesem Problem oft an Grenzen. Seine Reaktionen auf Milcheiweiß waren von Anfang verzögert und eigentlich "nur" Hautreaktionen und gastrointestinale Beschwerden. Jetzt scheint doch die Lungenproblematik dazu zu kommen.

Viele Grüße!

von finima am 05.08.2011

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