Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Kuhmilch/Hühnereiweißunverträglichkeit

Mein Sohn (7 Monate, bekommt Mittags und Abends Brei) hat Neurodermitis. Der Kindrarzt hat per Allergietest festgestellt, dass eine Allergiebereitschaft bezüglich Kuhmilcheiweiß und Hühnereiweiß besteht. Er möchte, dass mein Sohn deshalb den Abendbrei mit "neocate infant" Säuglingsmilch angerührt bekommt. (Ist teuer, künstlich und schmeckt meinem Sohn nicht. Mein Hautarzt und Allergologe sagt: Allergieteste in dem Alter sind nicht ausssagekräftig. Er soll Ziegenmilch trinken, wenn er sie verträgt. (Bei Kuhmilch bekommt mein Sohn kurzzeitig rote Flecken um den Mund herum, bei Ziegenmilch nicht, die Verdauung ist bei beiden Milcharten ok, die Haut nicht ganz so gut) Meine Heilpraktikerin meinte nun: Kinder benötigen überhaupt keine tierische Milch. Was sagen sie??? Kann ich Milch im ersten Lebensjahr komplett weglassen oder besteht dann die Gefahr einer Mangelernährung?

Vielen Dank im Vorraus für Ihre Antwort!

Liebe Grüße
Anne Osenberg

von anne007 am 29.04.2010, 22:10 Uhr

 
 

Antwort:

Kuhmilch/Hühnereiweißunverträglichkeit

Sehr geehrte Frau Osenberg!

Es stimmt, positive Allergieteste sind in diesem Alter nicht unbedingt beweisend für das Vorliegen einer Allergie (übrigens auch in anderen Altersklassen nicht). Ihr Sohn zeigt mit der Neurodermitis jedoch Symptome einer allergischen Reaktion, und da ist so ein Test oft hilfreich, um den Auslöser zu finden. Letztendlich kann man eine Allergie nur beweisen, indem man den Auslöser - also in diesem Fall die Kuhmilch -komplett weglässt und bei Besserung der Symptome erneut verabreicht. Verschlechtert sich dann die Haut wieder, ist die Diagnose einer Kuhmilchallergie gesichert.
Ich würde genau wie Ihr Kinderarzt ebenfalls die Umstellung auf eine Aminosäurenahrung (z.B. Neocate) oder eine Hydrolysatnahrung empfehlen. Ziegenmilch halte ich für nicht geeignet, da die Eiweiße ähnlich zusammengesetzt sind wie die der Kuhmilch und deshalb ebenfalls oft Reaktionen ausgelöst werden.

Von einer milchfreien Ernährung ist in den ersten Lebensjahren dringend abzuraten, da der Kalziumbedarf des Körpers in diesem Alter sehr hoch und Milch der wichtigste Lieferant hierfür ist. Bei Kuhmilchallergie stehen im 1. Lebensjahr obengenannte Hydrolysat- oder Aminosäurenahrungen (d.h. die Kuhmilcheiweiße sind so stark aufgespalten, dass der Körper nicht mehr allergisch darauf reagieren kann) zur Verfügung. Bei älteren Kindern kann man dann eventuell auch auf tierische Milch verzichten und den Kalziumbedarf z.B. mit Sojamilch und Reismilch abdecken.

Und wichtig: bei nachgewiesener Kuhmilchallergie werden die Kosten für das Neocate von der Krankenkasse übernommen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.
Alles Gute,
M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 30.04.2010

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