Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Kuheiweißllergie mengenabhängig?

Hallo Dr. Claßen,

ich habe bitte nochmal folgende Fragen an Sie:

1.) Unser Allergologe (der nicht an die Kuheiweissallergie glaubt) meint, eine Allergie sei nicht mengenabhängig.
Wir stellen aber schon fest, dass unsere Tochter bei Kleinstmengen Kuheiweiss, z.B. über die Muttermilch oder beim Austesten, wenn sie nur Mini-Mengen gegessen hatte nicht für uns sichtbar reagiert, bei großen Mengen aber deutliche Symptome zeigt. Was ist richtig?

2.) Wenn wir von dem was ich esse keine Symptome bei unserer Tochter merken (wird noch gestillt), kann ich weiterhin Kuheiweiss essen oder muss die Abstinenz auf jeden Fall zu 100% (auch bei meiner Nahrung) erfolgen, damit es sich langfristig bessert?

3.) Der Allergologe meint zudem, dass es bei Kuheiweissallergie oft auch
Unverträglichkeiten bei Soja gibt. Als Alternative zum Stillen (ich kann glaub ich nicht ewig auf Kuheiweiss verzichten, wenn erforderlich)hätte ich jetzt z.B. Humana SL genommen, wenn Soja auch nicht geht, was ist die Alternative außer Stillen (Kind 13 Mon.)?

4.) Die Kuheiweissallergie müsste ja ggf. nach längerer Abstinenz wieder verschwinden. Kann es sein, dass auch die Fructosemalabsorption ggf. bedingt durch Dauergabe von Kuheiweiss und dadurch "Schädigung" des Darms sich wieder gibt und dadurch verursacht wurde?

Vielen Dank nochmal für Ihre Mühe,
viele Grüße
Müdemami

von Müdemami am 21.02.2012, 13:44 Uhr

 
 

Antwort:

Kuheiweißllergie mengenabhängig?

Guten Abend!

Sie haben wie immer sehr gut überlegt und interessante Fragen, die nicht ganz einfach zu beantworten sind.

1. Ihr Allergologe hat Recht, wenn es um sogenannte Typ 1 Allergien geht, da reichen oft schon Spuren ( zum Beispiel bei Nussallergien). Bei den Darmmanifestationen einer Allergie gibt es durchaus auch solche, bei denen kleine Mengen dann "nur" zu einer leichten Entzündung des Darms führen, ohne typische Allergiesymptome zu zeigen. Mit diesen Formen der Allergie haben meist die Kindergastroenterologen zu tun, so dass Allergologen eher die Typ 1 Allergien sehen, die bei Ihrem Kind sicherlich nicht vorliegt.
Führend ist zunächst Ihre Beobachtung!

2. Ziel ist zunächst die Beschwerdefreiheit - dann könnten Sie so weiter machen. Andere Argumente würde für eine komplette Vermeidung sprechen (siehe Punkt 1 und 4).

3. Es stimmt, dass Kinder mit Kuhmilchallergie oft auch eine Sojaallergie haben oder dann entwickeln. Deswegen - und wegen der theoretischen Risiken der Sojamilch (phytoöstrogene) - raten wir zumindest im ersten Lebensjahr auch eher zu Hydrolysat- oder Aminosäuremilch.

4, Eine Reizung/Entzündung des Darms als Folge einer Infektion oder Allergie kann eine Fruktoseunverträglichkeit begünstigen oder hervorrufen. Aber sie gibt es auch ohne diese Ursachen.
Die Prognose ist grundsätzlich gut und meist kann man damit einfacher zurechtkommen als mit der Milchallergie. Da bei Ihrer Tochter die Symptomatik so ausgeprägt war, kann ich mir durchaus einen Effekt der Kuhmilch auf die Verträglichkeit der Fruktose vorstellen. Vieelciht versuchen Sie noch einmal die konsequente Meidung auch von Spuren und steigern dann vorsichtig die Fruktosezufuhr (die kann keinen Schaden anrichten).

Ich hoffe, dass die Erläuterungen helfen..

Schöne Grüße aus Bremen

M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 22.02.2012

Antwort:

Kuheiweißllergie mengenabhängig?

Hallo Dr. Claßen,

vielen Dank nochmal für die ausführliche, hilfreiche Antwort.

Unser Allergologe, der zumindest auch sehr bemüht ist (wir haben heute wieder telefoniert) glaubt jetzt doch auch an die Kuheiweissallergie, Fructosemalabsorption hatte er vorher schon abgenickt :-)

Wir haben verabredet es bei unserer Tochter mit Humana SL zu versuchen (hat sie heute abend sogar gut angenommen), möglichst abzustillen (in der Hoffnung,dass sie nicht zu sehr darum kämpft) und so sämtliche Milchallergene auszuschließen.Nach ca. 3 Wochen ohne Milchallergene würde ich dann die Fruktosemengen erhöhen.

Er erstellt unss zudem ein Rezept für einige Ernährungsberatungen bei einer Beraterin, die ich auskennen soll und dann sehen wir mal weiter.

Ich habe seit Monaten endlich das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind und sowohl Ursache als auch eine Lösung gefunden zu haben.

Ich danke Ihnen nochmal herzlich für Ihre Zeit und Mühe. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Jemand neben seinem normalen Job auch noch Zeit für Forumsratsuchende nimmt und so kompetent zur Seite steht.
Super!!!

Falls mir nicht vorher nochmal Fragen unter den Nägeln brennen, melde ich mich mal in 1-2 Monaten und berichte Ihnen von den hoffentlich eingetretenen Erfolgen!

Liebe Grüße
Müdemami

von Müdemami am 22.02.2012

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