Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Fruktoseunverträglichkeit - Karenzphase

Hallo,

wir haben letzte Woche Mittwoch einen H2-Atemgastest mit meiner Tochter (6 Jahre) gemacht, da sie seit Wochen unter Bauchschmerzen leidet. Er war positiv. Seit Donnerstag wird sie fruktosearm ernährt und wir verwenden im Moment keine Vollkornprodukte, da dies im Infoblatt unserer Klinik stand. Allerdings legen wir Kartoffeln nicht einen Tag vorher ein. Sie hat nur einmal etwas "Verbotenes" zu sich genommen - am Sonntag Orangensaft, als wir nicht dabei waren. In dem von Ihnen empfohlenen Infoblatt http://www.klinikum-bremen-ldw.de/internet/ldw/de/kliniken-zentren/kinder-und-ju gendmedizin/gastroenterologie/Ern__hrung_bei_Fruchtzuckerunvertr__glichkeit__Fru ktosemalabsorption_.pdf ist die Karenzphase nicht aufgeführt. Ist diese unnötig? Wann sollten ihre Bauchschmerzen verschwinden?

Gruß
Kira_n

von Kira_n am 20.07.2011, 11:41 Uhr

 
 

Antwort:

Fruktoseunverträglichkeit - Karenzphase

Sehr geehrte Kira_n!

Mit Karenzphase ist sicherlich der Zeitraum gemeint, den wir in unserer Elterninformation als „Erprobungsphase“ bezeichnen. Zunächst sollte nach einem auffälligen Test durch eine Besserung der Bauchschmerzen unter einer etwas strengeren fructosereduzierten Diät geprüft werden, ob Fructose wirklich Auslöser der Beschwerden ist. Diese strengere Diät sollte ca. 3-4 Wochen durchgeführt werden. Dabei soll vor allen Dingen auf Obstsorten mit hohem Fruchtzuckergehalt und auf Fruchtsäfte verzichtet werden. Wichtig ist auch, dass Nahrungsmittel, welche den künstlichen Süßstoff Sorbit enthalten, problematisch sind. Traubenzucker dagegen unterstützt die Aufnahme von Fructose, weshalb normaler Haushaltszucker, welcher zur Hälfte aus Fructose und zur Hälfte aus Traubenzucker (Glucose) besteht, von fast allen Patienten vertragen wird. Geringe Mengen an Fructose können in der Regel von allen Patienten vertragen werden, deshalb ist Gemüse normalerweise kein Problem. Der Verzicht auf Vollkornprodukte und das Einlegen von Kartoffeln (in was denn?) ergibt für mich keinen Sinn.

Die Bauchschmerzen sollten sofort verschwinden, wenn keine oder nur wenig Fructose aufgenommen wird. Ist nach der Erprobungsphase von 3-4 Wochen sicher, dass wirklich Fruchtzucker der Auslöser ist, sollte trotzdem Schritt für Schritt wieder ausprobiert werden, ob bestimmte fructosehaltige Nahrungsmittel unproblematisch sind. Denn zum einen wird wie schon geschrieben von jedem Patienten eine unterschiedliche Menge an Fruchtzucker toleriert, und zum anderen tritt eine Fruchtzuckerunverträglichkeit oft nur kurzzeitig auf.

Viele Grüße,
M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 21.07.2011

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