Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

Antwort:

Fructoseintoleranz -- besser Fruktosemalabsorption - und nun?

Guten Abend!

Ihre Verunsicherung kann ich verstehen.

Auffällige Befunde sowohl im Allergietest als auch im Atemtest zeigen zunächst vor allem eine Bereitschaft zur Reaktion an, sind aber kein Beweis einer Krankheit.

Eine Diät ist immer dann erforderlich, wenn Beschwerden bestehen, sonst nicht!

Meist ist aber eine Beschwerdesymptomatik Anlaß zur Diagnostik. Warum wurde Ihr Sohn untersucht?

Bei der Fruktosemalabsorption (die dürfte wohl vorliegen) muss der Fruktoseverzehr nur soweit eingeschränkt werden, bis ein Mensch beschwerdefrei ist; eine komplette Meidung ist in der Regel nicht erforderlich. Der Darm vieler Kleinkinder hat Probleme, wenn er größere Mengen Fruchtzucker und/oder Sorbit aufnehmen soll (Sorbit ist mit dem Fruchtzucker verwandt!). Dieses häufige und grundsätzlich harmlose Problem nennt man Fruchtzuckerunverträglichkeit oder medizinisch: Fruktosemalabsorption. Dieses Problem bessert sich oft mit zunehmenden Lebensalter und die Kinder haben keine Beschwerden, wenn man die Auswahl der Obstsorten danach ausrichtet.

Zur Verwirrung trägt oft bei, daß es eine andere, viel ernstere Störung gibt, bei der schon kleine Mengen Fruchtzucker zur Störung der Leberfunktion führen. Diese Krankheit nennt man hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI). Ich schreibe das so ausführlich, weil die Begriffe leider oft falsch verwendet werden.

Im Fall Ihres Sohnes kommt eigentlich nur die Fruktosemalabsorption (harmlose Form der Fruchtzuckerunverträglichkeit) in Frage.

Klinische Zeichen sind meist geblähter Bauch, oft Bauchschmerzen, aber oft auch Durchfall – und das immer dann (1-4 Stunden danach) wenn Nahrungsmittel mit größerem Gehalt an Fruchtzucker gegessen oder getrunken werden. Besonders viel Fruchtzucker findet sich in Äpfeln, so dass Ihre Beobachtungen gut dazu passen. Probleme gibt es oft auch nach Birnen, Pflaumen, Mango, Kiwi, Melonen. Zu Fruktose in Fertigprodukten siehe auch: http://www.vzhh.de/~upload/rewrite/TexteErnaehrung/Fruktose.aspx. Zum grundsätzlichen Problem: http://www.klinikum-bremen-ldw.de/kindfrucht.pdf

Gut vertragen werden in der Regel Bananen, Himbeeren, Kirschen (Beispiele).

Sie sollten sicher noch einmal mit den betreuenden Ärzten Ihre Fragen besprechen, nachdem Sie sich informiert haben.

Viel Erfolg!

von Dr. Martin Claßen am 14.04.2010

 
 
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