Dr. med. Martin Claßen

Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln

Dr. med. Martin Claßen

   

 

Andere Frage bezügl Lactoseintoleranz

Hallo,
mein Sohn (jetzt 9 Monate) hat eine per Gentest nachgewiesene Lactoseintoleranz (homozygot). Er hat seit er 2 Wochen alt ist massiv Bauchschmerzen (ständig gedrückt, viel geschrien). Die ersten 2 Monate hat er abgepumpte Muttermilch bekommen, dann Umstellung auf HA Milch, darunter Verstopfung + Neurodermitis, daher V.a. Kuheiweißallergie. Im Rahmen dieser Blutentnahme, Lactoseintoleranz mitgetestet. (Übrigens keine Milcheiweißallergie nachweisbar). Umstellung auf Novalac Allernova. Darunter dann langsame Beschwerdebesserung (mit gewissen Höhen und Tiefen). Zur Frage: Soll er auch zukünftig komplett Lacotsefrei ernährt werden? Stichwort -L-Milch (z.B. für Milchbrei)? Oder können wir mal testen ob er nicht doch Lactose verträgt? Ihm z.B, mal Yoghurt etc anbieten? Unser (neuer) KiA kennt sich da leider überhaupt nicht aus, ist der meinung, dass der Test lediglich aussagt, dass unser Sohn evtl irgendwann mal eine LI entwickelt, aber jetzt bestimmt noch keine hat. Bauchschmerzen am Anfang wären eben "normale" Säuglingskoliken gewesen!
Vielen Dank!

von lilly229 am 08.12.2010, 09:31 Uhr

 
 

Antwort:

Andere Frage bezügl Lactoseintoleranz

Hallo!

Unter dieser homozygoten Form der Lactoseintoleranz „leiden“ große Teile der Weltbevölkerung, in Asien und Afrika bis zu 90% der Menschen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Säuglinge und Kleinkinder Milch gut vertragen können. Im Verlauf nimmt dann erst die Lactaseaktivität ab und in der Regel ab dem Schulalter werden Symptome der Lactoseunverträglichkeit beobachtet. Hierbei handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um einen völlig normalen Zustand, die Menschen in diesen Regionen haben ihre Ernährung dementsprechend angepasst.

Ihr Kinderarzt hat also völlig recht - Beschwerden der Lactoseunverträglichkeit sind bei Ihrem Kind noch nicht zu erwarten.
Die Besserung der Symptome ist dann doch eher eine Folge der kuhmilcheiweißfreien Ernährung oder nur der normale Verlauf bei einem gesunden Kind. Bitte sprechen Sie noch einmal mit Ihrem Kinderarzt, ob die Diagnose einer Kuhmilcheiweißallergie wirklich gesichert ist – oder wurde die Hydrolysatnahrung nur bei Verdacht auf Lactoseunverträglichkeit verordnet? Im Fall einer Kuhmilcheiweißallergie ist eine erneute Belastung mit Kuhmilcheiweiß sowieso nicht vor Vollendung des ersten Lebensjahres empfohlen.

Wenn keine Kuhmilcheiweißallergie vorliegt, können Sie lactosehaltige Milch für den Brei verwenden und später auch lactosehaltige Milchprodukte füttern. Eine lactosereduzierte Ernährung ist erst notwendig, wenn Ihr Sohn die typischen Symptome einer Lactoseunverträglichkeit zeigt. Und auch dann muss man ausprobieren – einige Milchprodukte werden trotzdem gut vertragen.
Neurodermitis oder andere Hauterscheinungen sind keine Symptome einer Lactoseunverträglichkeit.

Alles Gute,
M. Claßen

von Dr. Martin Claßen am 09.12.2010

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