Mehrsprachig aufwachsen

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Geschrieben von Kacenka am 05.04.2018, 8:43 Uhr

Zweisprachiges Baby - wie macht man's am besten?

Hallo,

Du hast ja schon ein paar gute Antworten bekommen - da schliesse ich mich an.
Konkret zu Deinen Fragen: Eine Person-eine Sprache funktioniert am einfachsten, idealerweise von Geburt an. Die Macht der Gewohnheit lässt einen dann ganz normal immer wieder zur "Muttersprache" zurückkehren, sobald man mit dem Kind spricht, egal wie es antwortet.
Sprich ruhig weiter mit Deinem Mann frz, aber ermutige ihn, mit dem Kind Deutsch mitzulernen. Kindersprache ist ein guter Zugang zur Fremdsprache, sie ist elementar und kontextgebunden, meist sprechen ERwachsene mit Babys und Kleinkindern auch intuitiv etwas deutlicher (wurde in wiss. Tests bewiesen und ist scheinbar von Bedeutung beim Erwerb der richtigen Aussprache), das macht es für den Papa auch einfacher. Dazu die Faszination Kind mit allem was dazugehört - oft entsteht da ganz von allein eine ganz spezielle Familiensprache, die sich auch an der Situation der mehrsprachigen Erwachsenen und an der Reaktion des Kindes ausrichtet.

Ich bin auch für Laufenlassen, intuitives Reagieren auf die Situation und das Kind, das funktioniert am besten. Krampf und unnatürliches Verhalten werden von Kindern meist sowieso eher abgelehnt. Sei neugierig auf das Kind und seine Reaktion.
Ich bin auch ein Verfechter von Dialekt - der ist emotional am nächsten und die emotionale Seite der Sprache ist für kleine Kinder total wichtig. Im Muttersprachendialekt beherrschen wir die Kindersprache, Kinderlieder, Reime usw. im Halbschlaf und genau das braucht es auch :-)
Schriftsprache lernen die Kinder in der Schule - wenn ihr in der Schweiz lebt, hat das Kind sicher später sogar beides - deutsch und frz. in der Schule. Kein Grund auch nur einen GEdanken vorher daran zu verschwenden.
Ich kenne auch viele Fälle, wo die Kinder die zweite - schwächere Sprache nur passiv "beherrschen" und nicht sprechen. Oder lange Zeit nicht sprechen... Bitte mach Dich deswegen nicht verrückt, das erzeugt nur Druck und Stress.

Erstens muss es so gar nicht kommen - Du bist als Mutter viel mit dem Baby allein, da wird ein guter Grundstein gelegt. Zweitens - selbst wenn es so sein sollte, sie es mal so:
Dein Kind bekommt von Euch ein zweisprachiges Angebot, mit dem es machen darf, was es möchte. Es darf sich ausdrücken, wie es am angenehmsten ist. Hin und wieder wird es vorkommen, dass es an jemanden gerät, der dann kein Deutsch oder Frz. versteht - dann wird es sich zu helfen wissen, es ist ja Profi im Sprachelernen. Ansonsten ergänze einfach die fehlenden Wörter Deiner Muttersprache, wenn es mischt oder antworte einfach dt., wenn es mit Dir frz. zu sprechen beginnt. ohne Vorwurf, ohne Enttäuschung. Das ist einfach ganz normal. Und die passiven Kenntnisse aus der frühkindlichen Entwicklung lassen sich jederzeit aktivieren, wenn das Kind es möchte, selbst wenn es jahrelang nichts in der Sprache gesprochen hat.

Ja, es ist schwer, wenn man der/die einzige für eine Sprache ist. Aber bestimmt findest Du jemand, der auch deutsch spricht. Videotelefonieren mit Oma oder Opa kann helfen (Dein Kind sieht Dich deutsch mti jemand telefonieren), Krabbelgruppen für deutsch findet man auch, notfalls würde ich den Urlaub öfter ins deutschsprachige Umfeld verlegen - auch das registrieren die Kinder.

Ich bin selbst zweisprachig - und habe die schwächere Sprache (die ich nicht in der Schule hatte) jahrelang kaum aktiv gesprochen. Das hat sich später wieder geändert. Meine Kinder wachsen nun mit diesen beiden und noch einer dritten (der Umgebungssprache und Muttersprache meines Mannes) auf, sie sprechen alle drei Sprachen - nicht immer ohne Mischen und auch nicht ohne Fehler, aber dafür mit Neugier und ohne negative Emotionen mit einer der drei Sprachen zu verbinden. Der Grosse ist gerade in die Schule gekommen, der Kleine ist jetzt 3.
Ich bin genau so rangegangen, wie ich es oben geschrieben habe, allerdings musste ich mich zwischen den beiden Muttersprachen entscheiden, was gar nicht so leicht war. Wir haben es dank Grosseltern (die auch weiter weg wohnen) und häufiger (jeden Sommer, Weihnachten, Ostern + hin und wieder ein Wochenende) Besuche bei diesen trotzdem ganz gut hinbekommen. + als sie grösser waren auch Videos, Bücher vorzugsweise aber nicht nur in der schwächsten Sprache...(Bilderbücher lassen sich übrigens prima in mehreren Sprachen "vorlesen" - erst die eigene und dann z. B. - wenn das Kind das mitmacht - fragen: und wie sagt der Papa dazu?...Meine haben das so mit 3,4 sehr gemocht, ich hab sie aber nie dazu gedrängelt.)
ist arg lang geworden, sorry dafür. Vielleicht ist ja was für Euch dabei.
Alles Gute!
K

 
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