Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Viele Fragen und Unsicherheiten

Antwort von Birgit Neumann

Hallo grummelhummel3
stillst du noch?
Um euren Essalltag fröhlicher, leichter und sorgenfreier zu gestalten, kannst du einmal folgendes tun:
lehn dich zurück, atme einmal tief durch und mache mit einer gelockerten Haltung (Einstellung) weiter. DIe Überleitung zum Familienesstisch kannst du entspannt nochmals neu beginnen.
Sieh Essen als eine Art ganzheitliches Lernen. Lass sie bei Tisch, lass sie mit dem Essen spielen. ichte ihre Teller hübsch an. Lass sie Essen mit allen Sinnen erfahren. Dein Kind kann sich somit immer besser in eure Tischgemeinschaft integrieren. Deine (gesunde) Tochter wird stets immer nur soviel essen und trinken (in 24h) wie sie zum Satt- und Zufriedensein benötigt. Wenn sich deine Tochter immer wieder zwischendurch mit Mumi satt trinken kann, fehlt ihr der Anreiz um größere Mengen bei Tisch routinemäßig mitzuessen.
Kinder ess meist immer nur das, was ihnen schmeckt. Es schmeckt, wenn sie es bereits kennen, wenn sie die Chance hatten um es kennen lernen zu können. Um Neues zu akzeptieren braucht es mitunter bis zu 10 Kontakten mit der neuen Speise - freiwillig, ausgiebig mit allen Sinnen erlebt und am besten selbständig entdeckt.
Siehe auch hier:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Kind-1-Jahr-isst-immer-noch-fast-nur-Brei_46797.htm. Was ihnen spontan und auf Anhieb schmeckt wenn sie etwas Neues probieren, das liegt zum einen an genetischen Gründe und zum anderen an der Prägung durch Fruchtwasser und Mumi, u.a..
Genetisch angepasst sind sie vor allem an den Geschmackseindruck süß aber auch andere charakteristisch Merkmale wie bspw weiche, leicht fettige Speisen.
Damit Kinder lernen verschiedene Konsistenzen und Partikelgrößen im Mundraum zu akzeptieren, müssen sie sich langsam, am besten in ihrem eigenen Tempo, an die neuen Eindrücke gewöhnen.
Ab jetzt wird das gemeinsame Essen bei Tisch sicher besser verlaufen, oder was meinst du?
Eines möchte ich noch kurz anfügen; bei Tisch braucht deine Tochter einen guten und festen Sitz (Halt) in ihrem Hochstuhl und die Füße müssen einen Kontakt zu einer Unterlage haben. Der Abstand zwischen Stuhl und Tisch sollte ebenfalls gut passen. Nur so kann deine Tochter sich auch wirklich gut und ausdauernd mit dem Essen beschäftigen. Auch wenn sie nicht viel isst - wichtig ist dass sie isst und dass sie sich an Vielfalt gewöhnen kann. Wichtig ist das ausgiebige Kennenlernen eurer/unserer Esskultur und zwar mit allen Sinnen. Je mehr Hunger deine Tochter hat, je mehr Speisen deine Tochter im Lauf der Zeit kennenlernen und mögenlernen wird, desto mehr kann und wird sie bei Tisch mitessen. Die Mengen können phasenweise mehr oder weniger stark variieren.

Was mir bei deiner Beschreibung auffällt, sind zwei Dinge. Deine Tochter trinkt gerne Pre-Milch und sie zeigt Interesse an den Speisen, die ihr Eltern mit besonders großer Begeisterung esst (Kaffee, Süßigkeiten etc).
Nutze diese Neugier in viel mehr Situationen aus. So wird deine Tochter viele neue Speisen kennenlernen. Und zwar durch eigenen Antrieb, mit Freude.

Esst möglichst immer gemeinsam mit viel Spaß und Freude. Gestalte eure Mahlzeiten erlebnisreich. Sei (auch Papa und andere Mitesser) deinem Kind ein gutes Vorbild. Bleibe authentisch und hab selber Freude beim Verzehren deiner Gerichte. Ernährungserziehung passiert zu großen Teilen nonverbal. Kinder imitieren lediglich. SIe passen sich an.
Finde eine tägliche Routine. Kinder lernen das ganz schnell. Versuche am Anfang möglichst viele positive Esserbnisse zu bieten. So wächst das Vertrauen in die Probiermomente und macht deinem Kind auch irgendwann Spaß. Spaß macht das Essen, wenn das Essen bspw eine cremige Konsistenz hat, wenn es bspw eher süßlich und milde schmeckt. Das sind aber nur enie weinige Beispiele. Bitter oder sehr sauer schmeckende Speisen lehnen Kinder dagegen aber instinktiv i.d.R. ab. Diese Esserfahrungen können für Kinder sogar sehr schrecklich sein, weshalb du bitter schmeckende Speisen zu Beginn auf gar keinen Fall anbieten solltest. Je sensibler das Geschmacksempfinden, desto eher die Ablehnung bestimmter Speisen. Auch bestimmte Konsistenzen können sehr schrecklich sein und ggf sogar einen direkten Würgereiz auslösen.
Meist ist es, abgesehen von "bitter" übrigens gar nicht der Geschmack, der Kinder etwas wieder ausspucken lässt, mangels Gefallen. Es ist viel häufiger die Konsistenz.
Das hilft: an die neue Konsistenz gewöhnen sich Kinder, indem sie die Speise mit den Fingern befühlen und nur eine kleine Menge in den Mund nehmen. Immer und immer wieder.
Versuche deine Tochter in kleinen Schritten (durch kleine Portionen) an Brot zu gewöhnen. Schneide vorerst noch die Rinde ab und bestreiche das Brot dünn mit Buuter. Teile die Scheibe in kleine Stücke zu ca 1 Quadratzentimeter. Lass deine Tochter die Stücke mit den Fingern picken und sich selbst in den Mund geben.

Kinder sollten sich an die übliche Familienkost gewöhnen. Sie gewöhnen sich an die Familienkost in dem sie in einer Tischgemeinschaft einfach mit essen was serviert wird - die Kost sollte für das Kleinkind den individuellen Bedürfnissen entsprechend aufbereitet werden - ggf klein geschnitten, ggf weniger gewürzt sein, keine harten Zutaten enthalten etc.
Bei einem ausreichenden, regelmäßigen und abwechslungsreichen, gesunden Speisenangebot können sich die Kleinsten entsprechend ihrer Erfordernisse satt essen. Dazu sollten Kleinkinder weiterhin Milch bekommen (ca 300 ml Kuhmilch oder vorübergehend noch Pre-Milch) ggf stillen) plus gewohnte und gemochte Speisen, vor allem Nahrungsbasics.
Ernährung für Kleinkinder beinhaltet jetzt mehr als nur die Versorgung des Kindes mit Kalorien und Nährstoffen gemäß den Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr. Jetzt zählt auch der Spaß beim Essen, das Vermitteln unserer/eurer Esskultur = Ernährungserziehung. Für euch Eltern ist die Phase evtl eine Herausforderung, aber ihr müsst lernen den Drang nach Autonomie zu respektieren und angemessen darauf reagieren.
Kinder testen auch beim Essen gerne ihre Grenzen und ihre Möglichkeiten.
Was Babys bereits mit der Beikost kennenlernen konnten und akzeptierten, das bildet meist weiterhin die Basis für die kommende Zeit bis zum 18 Lm (+/-). Um diese Zeitspanne - jetzt - herum verweigern sie häufig ganz plötzlich das, was sie zuvor gerne gegessen haben und möchten noch nicht einmal mehr Neues versuchen. Ihre Ernährung scheint ggf sehr einseitig und monoton zu werden. An diesem Punkt seid ihr gerade angekommen.
Als Eltern darf und sollte man die individuellen Bedürfnisse des Kindes achten, diese im familiären Kontext beim Essensangebot berücksichtigen, jedoch möglichst keine Extrawürste servieren, sondern besser ein umfangreiches Angebot bieten, und zwar verfügbar für alle.
Achte darauf, dass ihr nur am Tisch und nur zu den Mahlzeiten esst, damit Hunger entstehen kann.
Essen sollte immer freiwillig geschehen und darum sollte Essen Spaß machen. Spaß macht das Essen dann, wenn es lustig am Tisch zugeht und trotzdem eine liebevolle Strenge dafür sorgt, dass Tischmanieren und andere familieninterne Gebote befolgt werden.
Hab also einfach Geduld, esst zusammen, esst vielseitig und habt Spaß beim Essen. Normalerweise klappt diese Methode (bei gesunden Kindern) sehr gtu und führt zum gewünschten Ziel - nämlich dazu, die Selbstbestimmung zu fördern und gleichzeitig die kulturell basierte Esserziehung (in eurem familiären Kontext), durch Gemeinschaftserlebnisse bei Tisch (=Anpassung) zu lernen.
Das Wichtigste ist jedoch - du musst dich damit wohl fühlen.
Was meinst du, hift dir das weiter?
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 09.08.2019

 
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