Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Hungrig trotz reichlichem Essen

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Guten Tag!

Mein Sohn ist fast ein Jahr alt und wiegt 10 kg. Er ist sehr aktiv und krabbelt viel herum.
Seit ca 2 Monaten weint/protestiert er fürchterlich nach dem Essen. Es wirkt als wäre er noch hungrig, obwohl er reichlich gegessen hat. Ein Beispiel: zu Mittag bekam er heute ein ganzes Gläschen mit Rindfleisch, eine ganze Banane, eine Portion Bananenbrot (laut Rezept, das war eigentlich für den Nachmittag gedacht) und ein Stück Honigmelone. Dennoch war er unzufrieden und weinte.
Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr was ich ihm als Alternative- wenn er so fürchterlich weint- anbieten kann. Zum Nachtmahl bekommt er zum „Trost“ oft gekochte Karotten, doch bekommt er dadurch starke Blähungen.

Ich habe ein wenig Angst ihn zu überfüttern.
Ich wäre sehr dankbar für ein paar Tipps.

Mit freundlichen Grüßen
Lotusblut

von Lotusblut am 06.10.2019, 20:12 Uhr

 

Antwort auf:

Hungrig trotz reichlichem Essen

Hallo Lotusblut
mit einer altersentsprechenden und ausgewogenen und gewöhnlichen Babykost kannst du dein (gesundes) Baby nicht überfüttern. Babys können das selbst am allerbesten regulieren und Überfüttern ist in diesem Alter eigentlich unmöglich.
Eine altersentsprechende Kost sieht mit 10 Lm etwa so aus:
morgens:
Brot und Säuglingsmilch (bzw stillen nach Bedarf) , ggf etwas Obst.
Brot (ca 25g Brot plus ca 5 g Butter und Belag) eignet sich ideal, da morgens die Bereitschaft zum Kauen hoch ist. Kauen ist wichtig für die Ausbildung einer kräftigen Kaumuskulatur.

ZMZ:
Brot oder Obst
je nach dem wie lange die Zeitspanne bis zum Mittagessen ist, kann eine Zwischenmahlzeit sinnvoll sein. Hier gibt es entweder etwas Obst oder je nach dem evtl auch noch einmal etwas Brot.
diese Mahlzeit ist milchfrei - stillen (oder Pre-Milchflasche) nach Bedarf "erlaubt":

Mittag:
das Mittagessen darf entweder sehr basic sein. Das Angebot kann in Anlehnung an die üblichen Breie oder bereits bekannte einfache Gerichte und/oder Familienkost angepasst sein.
neu ist jetzt, dass neben dem üblichen Brei und bereits bekannten Fingerfoodhäppchen auch schon vermehrt Familienkost, vermehrt stückige Nahrung und vor alllem das selbständige Essen und das gesamte Esserlebnis größere Beachtung finden dürfen.

Nachmittag/ZMZ:
Obst (als Brei oder als Fingerfood) ggf weiche Babykekse oder wenig süß schmeckende Muffins, Waffeln etc - je nach Hunger und Mittagsschlafrhythmus.
Vielen Babys reicht es aus, einfach "nur" Obst (als Obst-Fingerfood) zu essen.
nachmittags ist ein Energienachschub durch Kohlenhydrate (Obst und/oder Getreide) erwünscht. Diese Mahlzeit sollte milchfrei (stillen bzw Pre-MIlchflasche nach Bedarf "erlaubt") sein. Kuhmilch als Bestandteil in Rezepten von Kuchen und Co ist ab und zu aber o.k.

Abends:
Brot und Säuglingsmilch (oder: Grießbrei, Haferbrei/müsli), Nudeln und Säuglingsmilch etc
die Kombination aus Getreide mit Milch fördert den guten Nachtschlaf.
dazu Obst/Gemüse
(stillen bzw Pre-MIlchflasche nach Bedarf "erlaubt")

tagsüber zwischendurch bzw nach den Mahlzeiten:
Wasser, ggf Tee
stillen nach Bedarf

ca 400-500 ml Säuglingsmilch (phasenweise oder nach Bedarf auch mehr oder weniger) bzw stillen nach Bedarf und ausnahmsweise die Pre-Milchflasche nach Bedarf ist aber unbedingt erwünscht.

Ab dem 10. Lm sollte dein Baby viele Gelegenheiten erhalten um selbständig zu essen.
Beobachte dein Kind. Bestimmt möchte es inzwischen auch selbständig essen. Auch wenn dein Baby nicht alles essen oder schlucken wird, was es sich selbständig zum Mund führt, so erfährt es doch eine ganze Menge über die Eigenschaften der verschiedenen Lebensmittel. Es kann die Lebensmittel fühlen und riechen. Sehen und schmecken und sogar hören. Jedes LM hat beim essen einen typischen Sound. All diese Eindrücke nähren dein Kind in einer sensomotorische Art und Weise, die ganz wesentlich beim Essenlernen mit hilft.
Biete deinem Kind nun einfach weiterhin die bekannte Kost und ergänze diese mit ganz vielen neuen, leckeren, gesunden, farbenfrohen, weichen, ungefährlichen, ... , Speisen und eurer typischen Familienkost.

Setzt euch zusammen hin und esst gemeinsam, Denn beim Zukucken lernt dein Kind ebenfalls eine ganze Menge. Dieses sog. soziale Lernen (Kinder imitieren und adaptieren) prägt sie auf besonders und ermöglicht ihnen eine Anpassung, ganz easy und nebenbei.

Jetzt möchte ich noch einmal konkret rückfragen:
Wie viel Milch und welche Milch bekommt dein Baby momentan?
Ist es genug? Oder gar deutlich mehr als die empfohlene Menge?
Dein Plan enthält (was ich lediglich aus deiner Aufzählung entnehmen kann) relativ viel Obst (bzw "süß") aber eher wenig Fett. Kann das sein?


Zelebriert eure Mahlzeiten gemeinsam am Esstisch sitzend. Biete Farben, Formen, Muster, Düfte, Aromen, Geschmacks, Spaß!
Essen lernen ist ein stetiger Prozess, der wie das Laufen lernen und das Sprechen ganz viel Übung bedarf. Die motorischen Fähigkeiten müssen verfeinert werden und auch das Essen fördert das Zusammenspiel der Muskeln und trainiert die Kraft - auch in der Kaumuskulatur.
Mehr als nur Milch und Brei zu essen/trinken ist für (d)ein Kind im Gesamten betrachtet ein wichtiger Schritt in der Entwicklung. Es geht neben dem Nährwert der festen Nahrung auch um das spielerische Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln. Pflege jetzt ruhig gewisse Gewohnheiten im Speisenplan und füge langsam immer mehr und Neues hinzu.
Lass deinen Sohn bequem aber sicher und gut im Hochstuhl sitzen und gib ihm einen eigenen Teller.
Finde klare Essenszeiten und füttere nicht zu viele Mahlzeiten über den Tag verteilt. Orientiere dich an oben geschilderten Empfehlungen und verändere den Plan entsprechend nach Bedarf.
Und hier findest du noch ein paar Rezeptvorschläge:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Rezeptideen_44415.htm


Lass dein Kind immer so viel essen und trinken wie es braucht.
Orientiere dich bei der Speisenauswahl (zur jeweiligen Mahlzeit) an den üblichen Empfehungen, d..h. an den typischen Breivorschlägen samt ihren einschlägigen Rezepturen und ergänze diese mit FIngerfood, Familienkost und lass etwaigen Hunger noch durch MIlchgenuss (stillen oder Pre-Milch) kompensieren.
Möhrenstücke sind dafür leider nur weniger gut geeignet, da sie kaum Nährwert (Kalorien) haben und zum Satt- und Zufriedenessen nicht wirklich taugen.

Hier sind noch einmal die üblichen Breirezepte:

Grundrezept GKF-Brei:

100g Gemüse

50g Kartoffeln

20-30g Fleisch

2 EL Obstsaft (Vit C-reich)

8g Öl



Grundrezept vegetarischer Brei:

100g Gemüse

50 g Kartoffeln

wie gewohnt dünsten

dann 10g feine Haferflocken (auch Instant-Babyflocken: Hirse oder Hafer)

zufügen

weitergaren lassen

mit

30g Vit C reicher Obstsaft

pürieren

8 g Öl

zugeben



GOB

20g Getreideflocken Instant

90-100g Wasser (evtl mehr)

1oog Obstmus

5g (1 TL) Butter oder Öl



Milchbrei;

200ml Milch (bzw Wasser plus stillen)

20g Getreideflocken Instant

20g Obstmus


vergleiche diese Rezepte einmal mit deinen bwz mit den Gläschen.
In den Mittagsbrei kommt 1 EL Öl - Menge gilt für ca 190g Brei.
Pauschal gesagt: 100g Brei - 1 TL Öl

Öl kommt auch in den GOB.
Hier: 1 TL auf 200g Brei - nur halb so viel wie im Mittagsbrei.


seieh auch hier:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Oel_46122.htm

Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 07.10.2019

Mobile Ansicht

Impressum Team Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2019 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.