Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fruchtriegel

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo.
Ich würde für meine Tochter, 11 Monate alt, gerne selbst Fruchtriegel mit Nüssen (gemahlen), Getreideflocken und Trockenfrüchten für unterwegs herstellen. Ist das schon etwas für Sie oder sollte ich damit noch warten?

von Claudia_Emma am 04.11.2019, 13:19 Uhr

 

Antwort auf:

Fruchtriegel

Hallo Claudia_Emma
hast du dir schon Rezepte herausgesucht?
Fruchtriegel unter 1 Jahr - sind diese geeignet? ja und nein

Das allerwichtigste bei der Selbstherstellung bei sämtlichen Variationen ist auf jeden Fall, dass du die Zutaten so fein zerkleinerst, dass keinerlei Stückchen mehr vorhanden sind. Die Zutaten nach dem ersten Vorzerkleinern ggf nochmals absieben. Das ist im Falle von Nüssen wirklich total wichtig. Wenn du dies mit deinem Zerkleinerungsgerät hinkriegst, dann kannst du das vielleicht machen und Nüsse in dein Rezept integrieren.
Falls Honig im Rezept wäre, den müsstest du für dein Kind unter 1 austauschen, ggf durch Reissirup oder das Süßungsmittel (wenn möglich) ganz weg lassen.
Bei allen Rezepten müsstest du etwas experimentieren, da sie je nach Rezeptur verschiedene (weich oder hart oder zäh) Konsistenzen hervorbringen.Hier musst du sehen, wie dein Baby damit zurecht kommt und durch Zufügen oder Weglassen (bspw Haferflockenmehl, Obstsaft) von Zutaten die richtige Konsistenz kneten, mit der dein Baby wirklich Essgenuss erleben kann.
Rezepte für Babys sind meist weicher gehalten, was durch das Zufügen von Obstsaft oder Obstspüree gelingt. Das jedoch geht zu Lasten der Haltbarkeit und die außen angebrachten Oblaten weichen meist durch, weshalb diese hier besser weggelassen werden sollten.
Fruchtriegelrezepte in einer nicht Babyversion sind meist auch sehr süß.
Ich empfehle dir für den Anfang Rezepte in denen die Nüsse durch Butter/Margarine oder Nussmus ersetzt wurden. Rezepte mit Obstsaft/Obstmus - für die weichere Konsistenz.
Getreideart: feingemahlene Haferflocken. Kein extra Süßungsmittel.
Fetere Fruchtriegel kleben übrigens auch ganz fies an den Zähnen, was für die Zahngesundheit weniger optimal ist.

hier ist ein Beispielrezept, das du abwandeln kannst:
20g getrocknete Datteln
15g getrocknete Aprikosen
15g feine Vollkorn-Haferflocken
1 rechteckige Oblate (du kannst auch runde Formen nehmen)
die Zutaten abwiegen. Die Früchte mit dem Messer grob hacken.
Alle Zutaten in das Zerkleinerungsgerät geben und ganz fein hacken lassen. Ggf Obstsaft zufügen, ggf Butter zufügen.
Die Masse formen, zwischen Oblaten geben und schneiden.

Alternativen zu Fruchtriegeln:
Dinkelstangen
1/2 Banane (ca 50g ohne Schale)
1/4 kleiner Apfel (ca 30g )
13 g Rapsöl
65g Dinkelmehl 630
Banane vermusen, Apfelstück schälen, Kerngehäuse weg und das Stückchen fein raspeln.
Alle Zutaten in einer Schüssel vermengen und verkneten. Den Teig ca 30 min kühl stellen.
Ofen an, 190° C. aus dem Teig vorsichtig kleine Stangen formen und im Ofen ca 20-25 min backen, bis fertig. Die Stangen sollten nicht zu fest werden.


Hafer-Bananen-Cookies:
1 große, reife, gelbe Banane (oder Apfelmus)
ca 100-120g feine Haferflocken
viel weniger als 1 Msp Bourbonvanille
zerkleiner die Haferflocken in einem Blitzhacker zu "Mehl". Zermuse oder püriere die Banane, vermische sie mit der Vanille.
Gib das Hafermehl dazu und bereite aus allen Zutaten einen Brei
Heize den Ofen auf 175° hoch und bereite ein Backblech mit Backpapier vor. Mit Hilfe von 2 TL und deinen Händen kannst du jetzt aus dem Teig kleine Kekse formen, etwas flach drücken und ca 10-12, ggf länger, im Ofen backen. Anschliessend auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Diese Kekse sind bei vielen Müttern beliebt. Ggf musst du etwas experimentieren, bis du nach dem Backen die richtige Konsistenz erhält

oder Brot - mit Butter, mit Fruchtaufstrich...mit zerdrückter Banane, mit Mandelmus, mit Avocado....
Grundrezept für eine Kastenform:
500g Mehl
ca 1/3 Würfel frische Hefe**
1/4l Wasser
4 EL Öl
1 Pr Zucker
7g Salz


alle Zutaten mischen, kneten, kneten, kneten! Ganz viel kneten, weil sich der Teig auf diese Weise einfach gut zusammenfügt.
Beim Kneten verbinden sich die Eiweiße zu einem festen Gerüst - knete deinen Brotteig einfach so lange, bis er nicht mehr klebt und gut zusammenhält. Das kann schon (sogar in guten Knetmaschinen) bis zu ca 10-20!! Min dauern.
Je länger der Teig geknetet wurde, desto besser ist die Krume, d.h. desto fester und brotartiger ist dein Ergebnis. Zu kurz geknetete Brot bröseln/fallen nämlich sonst leicht auseinander. Der Teig sollte nicht kleben.
10 min ruhen lassen.

Etwas Mehl auf deine Arbeitsfäcjhe streuen und den Teig darauf "rund- bzw länglichwirken".
Das bedeutet: du arbeitest dich quasi einmal die Aussenränder nach innen klappend einmal im Kreis um den Teig herum. Das gibt dem Teig Spannung, was sich auf das Backergebnis einfach besonders positiv auswirkt.
Du kannst das Brot in einer Kastenform backen und erhältst dadurch auf jeden Fall ein formstabiles Brot, das du hinterher in Scheiben schneiden kannst.
Das gefaltete, gewirkte Brot kommt nun in deine Kastenform (Backpapier/Backfolie wenn nötig) und darf hier noch einmal solange gehen, bis der Teig leicht über den Rand schaut. Den Teig dafür abdecken.
Je nach Wetter, Standort des Teiges, der Wärmeentwicklung während dem Kneten, deiner Hefe, deiner Mehlqualität, u.a. anderem geht der Teig mehr oder weniger schnell auf.
Den Ofen vorheizen (Zeitcheck!) und das Brot bei ca 220° ca 40 min (200° ca 45-50 min) backen.
Nach dem Backen das Brot aus dem Ofen holen und auf ein Backgitter legen. Die Oberfläche mit Wasser bepinseln. Das Wasser verdampft sofort und sorgt aber dafür dass das Brot feuchter bleibt, die Kruste nicht zu hart ist und einfach besser mundet.
Das ist das Grundrezept. Dieses Rezept kannst du beliebig abwandeln und mit Getreidesorten "spielen", experimentieren.Du kannst am Salzgehalt****schrauben, du kannst Butter statt Öl verwenden. Du kannst weniger Hefe verwenden und die Gehzeiten dadurch verlängern.
**Merke:
viel Hefe - kurze Gehzeit
wenig Hefe - lange Gehzeit
warum lange Gehzeit? Während der Gehzeit werden die sog. Antinutritiva im Mehl abgebaut, was sich bspw auf die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe (Mineralstoffe, auch Eiweiße (Stichwort Gluten) etc) sehr positiv auswirkt. Das ist besonders gut, wenn du Vollkornmehle verwendest.
Es verbessert insgesamt die Verdaulichkeit und Bekömmlichkeit und darum sind diese Brote besonders "gut" und lecker.
Warum weniger Hefe? Wenn der Teig geht, dann vermehrt sich die Hefe. Viel Hefe vermehrt sich entsprechend schnell und der Teig nimmt schnell an Volumen zu. Irgendwann ist ein Maximum erreicht und der Teig fällt wieder in sich zusammen.
Wenig Hefe braucht logischerweise entsprechend mehr Zeit, um entsprechend zur ca doppelten Teiggröße zu wachsen.
Der Hefeteig kann bspw über Nacht gehen, muss dafür dann in den Kühlschrank.
Siehdas Rezept als Starthilfe für deine eigenen Kreationen.

Bspw:
Dinkelbrot:
500g Dinkelmehl (halb Type 630 und halb Dinkelvollkornmehl)
oder: 100g Vollkornmehl/400g hellem Mehl - ganz wie du magst.
1/2 Würfel frische Hefe (**)
ca 1 TL Salz
1 Prise Zucker (oder Zuckerrübensirup) oder weglassen.
Wasser nach Bedarf (ca 300-350ml)
Bei der Verwendung von Dinkelmehl brauchst du mehr Wasser, weil Dinkel mehr Wasser bindet. Vollkornmehl erst recht.
Rest wie oben schon beschrieben.
Wenn das Brot gut ausgekühlt ist, kann es geschnitten werden. Je nach dem kannst du die Scheiben einfrieren. Bei Bedarf ist es ratz fatz aufgetaut - oder die einzelnen Scheiben direkt in den Toaster geben.

Deine Tochter wird es lieben. Mit Butter/Margarine und einem Aufstrich deiner Wahl, wird dies zu einem prima Nachmittagssnack.

Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 06.11.2019

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