Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fragen zu Breifrei

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo

Mein Sohn ist gerade 7 Monate und 2 Wochen alt. Er wird nach Bedarf gestillt. Breifüttern ist eine Katastrophe, deshalb haben wir nach wenigen Versuchen ganz auf Fingerfood umgestellt. Er isst so sehr gerne, während wir auch essen.
Jedoch habe ich einige Fragen:


1. Er isst bis anhin viele Gemüse und Obstsorten, Getreideprodukte und Eiweiss eher selten, ab und zu Nudeln, Maisschnitten oder Haferflocken.
War das falsch? Gerne würde ich ihm jetzt regelmässig mehr als Obst und Gemüse anbieten. Wie ausgewogen sollten Babymahlzeiten sein? Jedesmal Kohlenhydrate, Eiweiss und Gemüse/Obst?

2. Ich habe ihm manchmal das gedünstete Gemüse mit feinen Haferflocken paniert, damit er es besser greifen kann. Jetzt wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ungekochte Haferflocken für Babys schädlich seien. Stimmt das? Habe ich ihm geschadet?

3. Ich selbst vertrage keine Milchprodukte. Soll ich meinem Sohn welche anbieten, auch wenn ich noch stille? Wenn ja, ab wann? Ich selbst verwende Hafermilch, da ist aber Kalzium beigesetzt. Wäre das okay für ein Müsli? Sofern er überhaupt Müsli essen darf....
Kann der B12 Bedarf über Muttermilch, Eier und Fisch gedeckt werden?

5. Wir ernähren uns vegetarisch (essen aber Fisch), meine Kinderärtzin behauptet das ginge nicht ohne Eisenmangel. Wie sehen sie das? Wir lassen seinen Wert mit 9 Monaten kontrollieren.
Darf er zerdrückte (wegen verschluckgefahr) Hülsenfrüchte wie Bohnen und Kichererbsen, Linsen essen?

6. Wie häufig in der Woche sollte Fisch und Eier angeboten werden? Er mag Omlette und Fischstäbchen (panade entferne ich)

7. Wie ist das mit dem Salz? Ich koche alles ohne Salz, aber kann ich ihm auch mal Brot geben? Oder im Restaurant von meinem Teller?

8. Können sie ein vegetarisches Breifrei -kochbuch empfehlen?


Sorry, so viele Fragen- ich habe leider niemanden sonst an den ich mich wenden könnte...
Ganz vielen Dank und liebe Grüsse
Lyamaria

von lyamaria am 25.11.2019, 13:45 Uhr

 

Antwort auf:

Fragen zu Breifrei

Hallo lyamaria
ich gerne deine Fragen am besten einmal chronologisch durch:
1. biete deinem Baby einfach etwas zum Entdecken und Essen an. Es geht bei breifrei vorrangig um das eigenständige Entdecken von Lebensmitteln und gleichzeitig um das Dabeisein am Familientisch. Von diesem Angebot am Familientisch darf ein Baby gefahrenfrei essbare und ungefährliche Speisen mit essen. Die Idee ist, dass das Baby dadurch automatisch die Gelegenheit erhält alle Komponenten einer Mahlzeiten kennenzulernen, da man als Familie ohnehin alles bei Tisch bereit hält. Familienmahlzeiten sind in ihrem Angebot und der Zusammensetzung meistens sehr ausgewogen. Das Baby erhält dadurch rein theoretisch die Möglichkeit aus diesem Sammelsurium das zu wählen, was es möchte. Die Idee von breifrei zielt vor allem anfangs weniger auf die nutritiven Eigenschaften der Speisen als vielmehr auf Vielfalt und Erlebnis. Das Baby soll Unterschiede bei den Speisen erkennen und evtl Gemeinsamkeiten finden. Durch diesen Mix kann es Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den verschiedensten Speisen entdecken und erfahren. Bspw kann es Formen entdecken, Farben (rot/orange) sehen und schmecken, Konsistenzen vergleichen, Geschmack wahrnehmen, schlucken, kauen, verdauen.
Lass dein Baby also einfach querbeet probieren und eigene Erfahrungen machen.

2.kein Problem - wenn dein Baby die Haferflocken gut essen und schlucken konnte und schließlich gut verdauen konnte.
Für mehr haftenden Griff an Gemüse und Obst verwenden manche Mütter Wellenschnittmesser beim Zubereiten der Sticks. Vielleicht wäre das etwas?
Statt ganzen Haferflocken könntest du nächstes Mal bei Gefallen sonst zu Mehl zerkleinerte Haferflocken nehmen und das gegarte Gemüse darin wälzen.
Wichtig ist immer nur, dass dein Baby alle Speisen gut und gefahrenfrei schlucken kann.

3.dein Baby wird via Mumi bzw dem Stillen nach Bedarf weiterhin ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt. Haferdrink wäre okay, für dein Baby, Haferdrink mit einem Calciumzusatz wäre eher ungünstig. Du kannst Haferdrink im Rahmen der Famliienkost anbieten, solltest aber besser ein komplett zusatzfreies Produkt verwenden, ggf selbst herstellen. Auch Kuhmilchprodukte könntest du im Rahmen der Familienkost verwenden und dein Baby mit essen lassen, so viel bzw so wenig wie es einmalig möchte.
Extra Milchprodukte brauchst du deinem Baby noch nicht zu geben.

5.zerdrückte Hülsenfrüchte (weil so besser, gefahrenfrei essbar) darf dein Baby ebenfalls im Rahmen der Familienkost bekommen. "Im Rahmen der Familienkost" bedeutet, dass das Speisenangebot bei Tisch automatisch irgendwie "vernünftig" ist, weil die Speisenfolgen -und kombinationen, die Zutaten wechseln. Während mit Brei gefütterte Babys mehrere Tage hintereinander das Gleiche essen, bietet die Familienkost Abwechslung und hierzulande als gemeinhin bspw eher schwerer verdauliche Speisen wie bspw Hülsenfrüchte kommen hierzulande eher doch nur seltener auf den Tisch. Und wenn Hülsenfrüchte in manchen Familien sehr häufig auf dem Speiseplan stehen, dann ist das Baby sozusagen auch schon während Schwangerschaft und durch das Stillen darauf geprägt worden und verträgt diese mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit besser. Als Zutat für einen Babybrei werden Hülsenfrüchte sonst eher nicht unbedingt empfohlen.
Was die Eisenversorgung betrifft, gibt es meist keinen direkt kausalen Zusammenhang zwischen "nichtfleischfüttern" und der Entwicklung eines Eisenmangels. Gründe für die Entwicklung einer Eisenmangelanämie beim Baby können u.a. sein: (schlecht eingestellter) SS-Diabetes der Mutter, niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt, schlechte Eisenwerte der Mutter im 3. Trimester, muttermilchinduzierte Kolitis, etcetc. Die Mumi hilft ganz wesentlich dabei, Eisen aus der Beikost und der Milch zu resorbieren. Breifreie Beikost ermöglicht einem Baby bei einem entsprechenden Nahrungsangebot sogar dabei die Speisen zu essen, die ihm gut tun und deren Nährstoffe besonders "gebraucht" würden.
Je besser dein Baby an breifrei gewohnt ist, desto mehr wirst du gewisse Vorlieben entdecken und darfst deinem Baby zusätzlich zum breitgefächerten Angebot vom Familientisch auch die Speisen geben, die es gerne mag. Altbewährtes mit Neuem zu kombinieren ist immer eine sehr gute Idee.

6.siehe Punkt 5.

7.Salz ist im Rahmen der Familienkost okay und toleriert. Speisen welche du extra für dein Baby zubereitest sollten möglichst noch salzfrei bzw sehr salzarm sein. Auch damit dein Baby viel Eigengeschmack der Speisen erfährt, bspw Gemüse, Fleisch, Fisch, Ei und Co.

8. was Kochbücher betrifft. Sie sind alle gut. Schau dich einmal um und wähle eines das dir besonders auch optisch gut gefällt. Denn so macht das Kochen gleich noch viel mehr Spaß. Manche Bücher bieten mehr als nur Rezepte (bspw Infos zur Entwicklung oder Empfehlungen zu Verzehrsmengen) oder liefern Rezepte auch für das ältere Kind oder die ganze Familie.

....
breifrei bedeutet einerseits dass du deinem Baby Speisen zubereiten kannst und dein Baby diese Speisen selbständig essen kann. Breifrei bedeutet aber vor allem, dass dein Baby querbeet mit essen kann und dadurch Vielfalt erfährt. Es ist eine eigentlich weniger verkopfte Vorgehensweise zum Heranführen an Beikost. Vielfaltm Geschmack, Erlebnis und das Gefühl der Tischgemeinschaft sind sozusagen die Zauberwörter hierfür.
Siehe auch einmal noch hier:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Blw_46586.htm
Dein Baby darf zu diesen Basics immer auch das bekommen, was ihr esst, um sich daran zu gewöhnen. Zu stark gesalzene oder sehr intensiv gewürzte Speisen darfst du etwas abmildern.
Wenn du breifrei als eine eher synonyme Variante zu Brei anbieten willst, dann wäre es sinnvoll auf einen guten Nährstoffmix zu achten.

Also dann
Viele Spaß
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 27.11.2019

Antwort auf:

Fragen zu Breifrei

Sorry, eine Frage hatte ich vergessen...
9. Kommt es so ohne Salz nicht zu einem Jodmangel?

Danke vielmals

von lyamaria am 25.11.2019

Antwort auf:

Fragen zu Breifrei

Hallo lyamaria
da die Kost nicht komplett salzfrei sein wird, da dein Baby sich vom Familientisch ja quasi mitbedienen kann und hier durchaus auch Jodsalz enthalten ist, passt das. Dein Baby erhält via breifrei einen kunterbunten Nährstoffmix, der zusammen mit Mumi (bzw Pre-Milch nach Bedarf) alles bietet und die Ernährung ausgewogen ist. Jod ist auch enthalten in Fisch, Ei und Milch.
Grüße

von Birgit Neumann am 29.11.2019

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