Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Anliegen

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Liebe Frau Neumann,

meine Tochter 14,5 Monate alt ist keine gute Esserin und seit Geburt eine zarte. Zurzeit kommen zusätzlich noch drei Backenzähne gleichzeitig. Es ist schwierig sie momentan zum Essen zu begeistern. Heute wollte sie ein Becher von meinem Lieblingsjoghurt. Joghurt mild Zott Mascarpone Duett Heidelbeer Cassis.

Da sie sonst nichts angerührt hat und gestern auch nur sehr wenig mit viel Ablenkung..War ich froh, dass sie von selber essen wollte und den Mund geöffnet hat. 140 g sind normal drinnen sie hat um die 100 g geschafft.

Nun habe ich das einer Verwandten erzählt und sie meinte es wäre falsch und extrem schlecht!?
Was denken Sie darüber? Ich tippe Ihnen schnell ab was hinten stand.

Durchschnittlich Nährwerte pro 100 g

Brennwert 612 kJ/ 146 kcal
Fett 8,3 g
Davon gesättigte Fettsäuren 5,6 g

Kohlenhydrate 14,5 g
Davon Zucker 13,5 g

Eiweiß 2,4 g
Salz 0,10 g

War heute einmalig. Soll ich ihr das nie wieder geben oder ab und an mal erlaubt? Was haben Sie für weitere Tipps?

Gestern beim Abendessen hat sie am Tisch geschrien wie am Spieß. Sie hat auch nichts angerührt oder gegessen wir haben sie aber trotzdem am Hochstuhl weinen lassen. Und haben weiter gegessen. Fühlte und fühlt sich nicht richtig an...Hätten wir alle das Essen abbrechen sollen?

Vielen Dank für Ihre Mühen.

von Frau Jimmy am 27.11.2019, 12:33 Uhr

 

Antwort auf:

Anliegen

Hallo Frau Jimmy
oh das klingt doch super. Deine Tochter hat etwas gefunden, was ihr in dem Moment so richtig gut gefallen hat und sie hat begeistert und freudig gegessen. Genau so funktioniert das. Nun ist der Mascarpone Joghurt jetzt tatsächlich nicht das, was "Ernährungsberater" explizit für den Übergang zur Familienkost empfehlen würden, aber das macht überhaupt nichts. Deinem Baby hat es geschmeckt, die Speise war gut schluckbar und enthielt keine unmittelbar schädigenden oder sonstwie "gefährlichen" Zutaten (keine Nusstückchen, kein Chili, keine Minze, kein Alkohol, etc) Es war alles genau richtig und ganz wunderbar. Ganz wirklich. Falls der Joghurt irgendwie kalt war, könnte dies evtl genau das richtige für dein zahnendes Kleinkind gewesen sein. Das Dessert ist smooth iund weich durch den hohen Fettgehalt, was ein angenehmes Mundgefühl beschert und die wahrnehmbare Süße verspricht gute Sättigung und das schmeckt einfach "gut". Der Zeitpunkt war stimmig und deine Tochter war in diesem Moment rundum zufrieden. Du darfst dich darüber freuen.
Ganz entscheidend war vermutlich, dass du (!) diesen Joghurt essen wolltest und keinerlei Erwartungen an deine Tochter hattest. Sie hat von sich aus gezeigt, dass sie probieren möchte und dabei sehr angenehme Erfahrungen gemacht.
Als Zauberwörter könnte man vielleicht nennen - freiwillig, Genuß, unerwartet, richtiger Zeitpunkt, fällt dir noch etwas ein?
Zaubere einfach weiterhin häufiger solche magischen Momente, in dem du erwartungsfrei einfach etwas isst und deiner Tochter damit ein unkompliziertes, freiwilliges Mitessen ermöglichst.
Deiner Tochter werden die Speisen am besten munden, welche ihr Eltern mit besonderem Genuss "vor"esst. Sie wird alles mögen, was sie sich freiwillig davon aussuchen darf und was sich in ihrem Mund gut anfühlt, was sie zusätzlich gut sättigt.
Momentan ist ihr Appetit und ihre Essentdeckerfreude durch das evtl doch als heftig erlebte Zahnen etwas eingedämmt. Das ist soweit normal. Wenn eure Tochter noch ausreichend Milch bekommt, dann ist das momentan ihre Hauptnahrungsquelle. Das wäre vorübergehend vollkommen i.O.
Versucht weiterhin einen geregelten Tagesablauf mit geregelten, gemeinsamen Mahlzeiten beizubehalten. Lasst eure Tochter mit essen, Reagiert angemessen auf ihre Bedürfnisse und erlebt mit ihr gemeinsam viele freudig Essmomente. Wenn sie nicht essen will, dann lasst sie. Gesunde Kinder verhungern nicht vor vollen Tellern oder Milchflaschen/tassen.
Habt Vertrauen in eure Tochter, dass sie essen wird, wenn sie hungrig ist. Und wenn diese Speisen mal nicht so ganz in unsere aktuell existierenden Empfehlungen zur Kleinkindernährung passen, dann macht das überhaupt nichts. Die Dosis macht es.


Warum deine Tochter neulich am Esstisch sitzend ganz fürchterlich geweint hat, das konntest du nicht ergründent. Es war euch aber unangenehm und du wußtest nicht recht wie du regaieren sollst. Weißt du, es gibt in diesem Moment kein richtig oder falsch. Bei solchen und ähnlichen eher einmaligen Situationen darfst du ganz so handeln, wie du es zu diesem Zeitpunkt als richtig empfindest. Vielleicht hätte es geholfen, wenn du sie aus dem Stuhl genommen und zu dir gesetzt hättest. Vielleicht hätte sie sich beruhigt oder aber vielleicht auch gewunden oder weiter geschrieen. Man weiß es nicht. Handle einfach so, wie es für dich stimmig ist.
Wenn sich solche oder ähnliche Verhalten häufiger wiederholen, dann lohnt natürlich ein zweiter und genauerer Blick auf die Gesamtsituation, um fortan evtl doch strategischer vorzugehen, um deeskalativ zu reagieren und um die Situation langfristig gut aufzulösen.
Bei einmaligen Ereignissen dieser Art hilft meist am besten eine Portion Zuwendung bzw Mutter/Elternliebe.

Also dann
ich wünsche euch ganz viel Spaß und viel Freude am Familienesstisch
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 28.11.2019

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