Kleine Engel

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Geschrieben von Nomadin13 am 15.05.2011, 19:14 Uhr

Sonntag

Ich habe meinen Mann heute zum sonntaeglichen Motorradfahren mit unserer Motorrad-Clique geschickt. Ich weiss, dass ihm das gut tut.
Er wollte nicht gehen, er wollte mich nicht allein lassen. Aber ich konnte ihn ueberzeugen.
So kann ich weinen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu muessen, dass ihn das noch trauriger macht.
Er ist erst zwei Stunden weg und hat schon zweimal angerufen, um sich zu versichern, dass es mir "gut" geht.
Als er ging heute morgen, hatte ich ploetzlich eine Riesenangst, es koennte ihm etwas passieren. Ich koennte ihn auch noch verlieren. Wir umarmten uns fest und ich bat ihn, besonders vorsichtig zu sein. Er IST ein vorsichtiger Fahrer, er (und unsere Motorradgruppe) faehrt zum Genuss, nicht um der Geschwindigkeit Willen.
Ich streife durchs Internet, lese von anderen Frauen, die ihre Kinder fruehzeitig hergeben mussten. Ich weine und lasse meine Trauer raus.
Ich koennte schreien ueber einige email-Antworten von Freunden aus der Schweiz auf die Nachricht des Todes unseres kleinen Kindes. Die sind so lieblos, so unpersoenlich geschrieben!!! Aber ich weiss ja, nicht jeder weiss sich in so einer Situation geschickt auszudruecken.
Ich denke an meine Mutter, die alleine in der Schweiz ist und ueber den Verlust ihres Enkelsohnes weint. Sie sagte mir, seit dem Suizid meines Bruders 1998 habe sie nie mehr so geweint. Wir haben telefoniert und versuchten uns gegenseitig zu troesten.
Ich habe eine Sternenkinder/Engelskinder-homepage gefunden, die mir gefaellt und darum gebeten, dort eine Gedenkseite fuer meinen kleinen Sternenjungen einrichten zu duerfen.
Es tut gut, hier einen Ort zu haben, wo ich all diese Gedanken einfach so niederschreiben kann.
Nomadin

 
25 Antworten:

Re: Sonntag

Antwort von menschlich am 15.05.2011, 19:38 Uhr

Trauer trägt sich leichter, wenn man sie nicht allein aushalten muss - ich finde es unglaublich toll, wie ehrlich und offen du mit der Scheiße umgehst - irgendwie muss man ja in den Alltag zurück, auch wenn dieser nicht mehr so ist, wie vorher - und man will ja auch zurück in den Alltag, Leben spüren.... Mein Mann meinte mal, dass ich mir vielleicht nichts Gutes tue, wenn ich hier noch schreibe und lese, obwohl ich unser Baby verloren habe - und er ist wirklich ein verständnisvoller Mensch!!! Aber manche Dinge können andere eben nicht nachvollziehen - ich kann dir nur wünschen, dass sich die Blödmänner zurückhalten, die nur schwachsinnige Sprüche auf Lager haben - und du alle Zeit der Welt hast für deine Traurigkeit und die Sehnsucht nach deinem Sterchen!
Und dann irgendwann wieder lachen magst!!!

Ich denk an dich ganz doll......

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Re: Sonntag

Antwort von Christine70 am 15.05.2011, 20:34 Uhr

ähm.......... das wort mit sch passt hier aber nicht so ganz .... find ich unmöglich, ihre geschichte als Sch***** zu bezeichnen.

überdenk man deine ausdrucksweise. diese wörter wie blödmänner oder schwachsinnig helfen ihr jetzt nicht weiter.

liebe nomadin
ich weiß wie schwer das ist. mein mann musste gleich nach meiner totgeburt wieder arbeiten gehen und ich war den ganzen tag zuhause. war damals hausfrau und mutter, aber die beiden großen waren vormittag in der schule und so hatte ich viel zeit im internet zu lesen und in foren zu schreiben. das hat mir sehr geholfen.
auch ich bekam damals anrufe, mails, die nicht wirklich von herzen kamen, aber da sah ich drüber hinweg. sie wissen es nicht besser.

lass dich drücken

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Re: Sonntag

Antwort von Tina_Ra am 15.05.2011, 22:02 Uhr

Hi Nomadin,

seit Mittwoch bist du in meinen Gedanken, auch wenn du weit weg bist, hoffe ich, das du weißt, das du nicht alleine bist! Was da mit eurem Krümel passiert ist, ist so ziemlich das schrecklichste was man sich vorstellen kann. Seit Freitag habe ich jeden Abend eine Kerze brennen für deinen Sohn, und alle anderen Sternenkinder (auch ich habe ein Würmchen in der 7 SSW verloren, das ist aber nicht vergleichbar, ich weiß). Meine Freundin hat ihr Mädchen damals in der 25 Woche tot auf die Welt bringen müßen, ihr half es auch im I-Net zu surfen und anonym die Trauer zu verarbeiten. Jetzt hat sie zwei gesunde Jungs. Und ich glaube nach wie vor, das du bzw. ihr irgendwann wirklich ein gesundes Baby haben werdet. Und so wie bei meiner Freundin, wird dann der symbolische Kranz als Foto zwischen den KInder Fotos hängen. Und er wird immer ein Teil eurer Familie sein, so wie bei meiner Freundin. Ich glaube wirklich fest an dich. Und das sag ich nicht nur so, ich glaube da wirklich fest daran.
Liebe Nomadin, am liebsten würde ich dich in den Arm nehmen, dich halten, ein Taschentuch reichen, und nur da sitzen, bis du anfängst zu reden. Ich glaube auch, das reden das beste ist, also bist du auf dem Besten Weg.
Ich glaube an dich!!!!!
Alles alles alles Liebe nach Trinidad aus dem kalten Deutschland
*Bussi* Tina

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Re: Sonntag

Antwort von Bivi76 am 15.05.2011, 22:24 Uhr

Liebe Nomadin,

es tut mir alles so schrecklich leid für dich! Ich muss jeden Tag an dich denken und ich wünsche dir nur das Allerbeste!! Leider kann ich nur schlecht Worte finden, aber du bist stets in meinen Gedanken!!!

Ich drück dich.....

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Re: Sonntag

Antwort von PhiSa am 16.05.2011, 10:02 Uhr

liebe nomadin,

als unser sohn starb haben wir einige trauerkarten erhalten. nur 3 karten waren besonders.
das war einmal von meiner schwester, die anscheinend (der schrift nach zu urteilen) mit zittrigen händen die ganz persönlichen trauererfüllten worte schrieb.
dann eine weitere bekannte, sogar hier aus dem RuB. mit der ich bis dahin doch relativ viel privaten kontakt hatte (sms/email) und die auch die zeit mit-ohne phillip "live" miterlebt hat. und dann noch eine (auch hier aus dem RuB) mit der ich nicht gerechnet hätte. Sie hatte so liebevoll ein paar Sätze geschrieben, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten.
Aber ich fand es einfach schön.

Anders als die vielen anderen Karten, die wir bekamen. Irgendwelche "Omatrauerkarten" und so gut wie bei allen nur mit Namen unterschrieben.

Damals war es mir herzlich egal, was in den Karten steht. Oder von wem sie kommen. Aber eine Zeit später habe ich sie mir alle einmal durchgelesen (durchgelesen ist vielleicht auch das falsche wort...) und es war schon traurig zu sehen, da es mir dann so vor kam, als hätte man uns eine trauerkarte gechrieben, weil man das eben so macht. :-(

Es gab noch zwei Karten, die mir auch gefallen. Weil etwas kleines persönliches bei war.
Aber die drei o. g. waren einfach die schönsten - muß man mal so plump sagen.

...
mein mann mußte am montag wieder arbeiten (phillip wurde am donnerstag beerdigt). ich war ganz schön auf mich alleine gestellt, mit einer damals 2jähirgen (dessen geburstag in einer woche war...), den blicken der anderen im kiga. einkaufen, haushalt... mich selber.

wenn ich die hürde "sarah in kiga bringen" geschafft habe, war ich einfach nur froh, zu hause zu sein.
endlich konnte ich das machen, was ich meinte. ich habe sehr sehr viel im internet gesurft. mußte mich um vieles kümmern. arbeitslosengeld, krankschreibung... etc.

von der krankenkasse kam dann ein brief, alles gute zur geburt ihres kindes....
die familienkasse hat es monatelang nicht gebacken gekriegt, die kindergeldzahlungen einzustellen (für okt. stand mir ja zu, aber mehr nicht). erst im januar (oder feb.) 2009 haben sie es dann mal geschnallt...
die frau von der caritas rief freudestrahlend an und gratulierte erstmal herzlich "das baby müßte ja nun schon da sein".

all das habe ich abgekriegt. ich mußte mich um all das kümmern.

eine "freundin" schrieb irgendwann eine email: sie möchte jetzt eine gute freundin sein und ich solle mich melden.
mal ernsthaft! die kraft nach hilfe zu suchen / zu nehmen hatte ich nun wirklich nicht mehr. hätte sie sie mir handfest angeboten, zb. gesagt, komm ich mach das oder jenes. aber einfach so eine lieblose email...

der alltag mit meiner großen tochter damals ging mir auf die nerven. ständig man muß, man muß, man muß. aufstehen, anziehen, essen (kochen), hinbringen, abholen, bespaßen. zum arbeitsamt, zum friedhof. zur frauenärztin.
später das gespräch mit der hebamme, dem arzt der eine KS-Narbe bestaunte, die schon damals 2 jahre alt war und meinte, er hätte die bei phillis geburt gemacht...

jetzt... nach (fast) 3 jahren (im okt.) bin ich froh, das so ein strenger alltag da war. ich glaube, hätte ich damals nur so in den tag reingelebt, hätte ich mich nicht so schnell aufgerafft, aufraffen müßen und können.
und nicht so schnell beginnen können, phillips geburt und tod aufarbeiten zu können.

ganz lieben gruß
manja

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christine

Antwort von pothi am 16.05.2011, 11:51 Uhr

wer mit trauer umgehen muss, denkt mit sicherheit nicht über die genaue wortwahl nach, oder?
da schreibt man sich einfach was von der seele und denkt nicht drüber nach wie man sehr geschickt verfasst.

und ja es ist scheisse!

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Re: Sonntag

Antwort von pothi am 16.05.2011, 11:56 Uhr

aber nicht jeder mensch hat die gabe immer irgenwas schönes zu verfassen, möchte aber dennoch seine trauer in einem kärtchen niederlassen.

eigentlich frage ich mich.....hättet ihr dann lieber keine anteilnahme gehabt? also keine karte, kein wort was wieder falsch war etc....?

ich verstehe nicht wieso man dann nicht eine trauerfeier im kleinsten kreis macht. dann ist keiner dabei, es muss auch keiner wissen etc...

wie man es macht ist es doch falsch irgendwie.

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Pothi

Antwort von das_echte_zwergchen84 am 16.05.2011, 12:51 Uhr

Ich mag solche 08/15 Dinger auch nicht. Wenn man nicht in der Lage ist, etwas persönliches zu verfassen, dann ist es MIR immer noch lieber, man schreibt es genauso! Oder man schreibt ein Zitat rein und dann vielleicht, dass einem die Worte fehlen, es unendlich viel zu sagen gäbe, aber man einfach nicht die richtigen Worte findet.

Wie sollte Phisa es denn beispw. schaffen, dass es keiner mitbekam? Sie war doch schon hochschwanger! Und kommt dann ohne Baby heim. Klar, werden da Fragen gestellt, klar gucken Nachbarn, KiGa Mütter ect. Und tratschen... Dann bekommt man meistens lieblose Karten, weil "es sich so gehört"...

Als mein Schwager starb, bekam meine Schwiegermutter eine wahre Flut an Karten. Weil das ganze Dorf mitbekommen hat, was passiert ist...

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Re: christine

Antwort von Christine70 am 16.05.2011, 12:57 Uhr

dann gib mal den namen menschlich in der suche ein. sie drückt sich immer so aus.

ich hab weißgott schon viel trauer hinter mir und noch in mir, aber ich würde nie die fehlgeburt einer Frau mit SCH**** betiteln :(

klar ist jeder anders, aber manchmal ist schweigen halt besser.
oder einfach mal bisschen den kopf einschalten.

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Re: Pothi

Antwort von Christine70 am 16.05.2011, 13:06 Uhr

bei mir wars damals auch so. kleine stadt mit 4000 einwohner, ich hochschwanger, auf einmal ohne babybauch aber auch ohne kinderwagen :(
Da kamen freilich fragen auf. aber mir war es lieber, die menschen redeten mich persönlich drauf an als all diejenigen, die hinterm rücken geschichten erfunden haben. da kamen die schlimmsten gerüchte auf. und so nach und nach hab ich das halt dann doch wieder erfahren müssen, leider. und da war das "harmlosteste" noch, ich hätte mein kind zur adoption freigegeben :(

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Re: Pothi

Antwort von Christine70 am 16.05.2011, 13:07 Uhr

eben weil wir unsere tochter nur im kleinen kreis beerdigt haben.

zwei wochen später hab ich dann noch eine anzeige geschaltet, damit auch der letzte noch mitbekommen hat, was uns WIRKLICH passiert ist :(

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Re: Sonntag

Antwort von PhiSa am 16.05.2011, 14:29 Uhr

wir haben nur im engesten familienkreis unser kind beerdigt.

es waren meine eltern+schwester+großeltern dabei.
und die oma+papa meines mannes, sowie sein bruder und seine schwester (inkl. mann)

meine familie mußte mir nichts sagen. sie haben genug für mich getan in der zeit während mein kind noch auf der ITS lag.
die familie meines mannes ist kein freund großer worte. alle zusammen nicht.

natürlich ist es schwer, die richtigen worte zu finden. das geht ja auch schon bei erwachsenen so.
nur eine beileidskarte mit vorgefertigen spruch vorne "herzliches beileid" und einfach nur unterschrieben mit xy und xy und einen 10euro schein reingesteckt, finde ich einfach die art "das macht man eben so".

klar, ich hätte auch nicht gewußt, was ich schreiben soll, wenn es nicht mir passiert wäre. aber mir ist es passiert udn ich weiß es nun jetzt besser und da kann ich auch wohl sagen, was ich gut und nicht so toll fand.

weiterhin war ich hochschwanger. ich habe mein kind während der spontangeburt verloren. da war nichts mehr zu verstecken. selbst die tankstellenfrau wußte, dass ich schwanger bin....

wie soll ich hinbekommen, dass es niemand weiß? es war doch offensichtlich, dass das baby nicht da ist. warum auch immer

es gab nichts zu verheimlichen oder verstecken.. es war offensichtlich

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Re: Sonntag

Antwort von Mopelchen am 16.05.2011, 15:19 Uhr

Ja,zuerstmal ist es nie leicht für eine Mutter,Ihr Kind zu verlieren.
Ob es nun mal in der ersten kritischen zeit ist und man sich kaum auf das kleine im bauch einstellen konnte.
Oder ob es dann später passiert und man schon auf Geburt eingestellt ist.
Es ist nie leicht,man ist schockiert und überfodert.Man denkt sich warum wir?
Der Körper,die Seele alles ist durcheinander.
Und jeder verarbeitet seinen Schmerz anders.Es gibt welche,die den ganzen Tag weinen und ihre Ruhe wollen um es selbst zu verarbeiten.
Ich z.B.fand es gut am Telefon oder mit meinen engsten Freundinen darüber reden konnte.
Ich fand das sehr befreiend.Und irgendwie tut mir auch unser Sohn Lukas jetzt gut.
Nur,wie schon oben beschrieben,es gibt Leute,die einfach ihre Gefühle oder was sie sagen wollen,einfach nicht richtig ausdrücken können.
Da denkt man sich ach,sie meinen es ja nur gut,und können nicht anders.
Bei anderen denkt man sich,hätten sie es nur gelassen.
Nur kommt es halt auf die betroffen daurauf an,denn Väter trauern auch mit.
Sie hatten auch einen Verlust.Mein Mann hatte mich heute spontan beim kochen umarmt und geheult.
Das kenne ich nicht von ihm.Doch er muss auch seine Gefühle loswerden.
Und so sollte jeder machen was ihm gut tut.
Doch leider geht der Schmerz erst mit der zeit weg.
Und die sollte man sich geben.Denn unterdrücken ist nicht gut.
Wir wollen jetzt auch alles loswerden was uns mit unsrem kleinen Engel so bedrückt.Um uns wieder Platz zu schaffen für einen Neubeginn um wieder mal schwanger zu werden.
Vielleicht wollte Gott genau das,damit wir uns auf unser nächstes Kind noch mehr freuen.

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kleinster kreis?

Antwort von malwinchen am 16.05.2011, 19:34 Uhr

wenn es denn gelingt... das war bei uns garnicht so einfach, weil wir eben keine gaffer - ja, GAFFER - bei der trauerfeier dabei haben wollten. wäre uns das nicht gelungen, hätte mein vater nicht an der trauerfeier teilnehmen können... ich vielleicht auch nicht. wer will schon, dass einem die menschen in einer der schlimmsten stunde des lebens auf die tränen schauen? wer möchte schon, dass einem der abschied vom liebsten, das an hat(te), wie eine misslungene und quälende veranstaltung vorkommt? eine trauerfeier ist etwas sehr intimes... eigentlich... da will man nur menschen um sich haben, denen man vertraut und die einem nahe sind, denn die innere einsamkeit ist in diesem moment so unendlich groß, dass man den halt von menschen braucht, um diese schwere stunde durchstehen zu können. ich bin mir sicher, dass die trauerfeier im engsten kreis einzig richtig war - das sehen aber diverse menschen, die uns das immer vorgehalten haben, anders. denen ging es ums "köpfezählen"... uns ging es um ein wenig geborgenheit.

und ja, es war nicht leicht, den kleinen kreis zu wahren. wir haben bewusst ein kleines café ausgesucht. der bestatter musste noch einen hocker für die sehr kleine pastorin aus der kapelle holen und wurde prombt von ihm fremden angesprochen (einer hatte einen fotoapparat dabei), wo und wann denn die trauerfeier für sönke wäre... er hat nichts gesagt und stieg in sein auto. nach zwei runden durch die innenstadt hat er sie abhängen können... sage bitte niemand, dass er solche gaffer dabei haben möchte, wenn er abschied von seinem kind nehmen muss...

mir ist es immer noch gut in erinnerung, dass bei der beisetzung meiner damals besten freundin (sie starb mit 18 in der sylvesternacht) über tausend menschen waren... meine eltern und ich standen neben widerwärtigen menschen, die die ganze zeit kommentieren mussten, wie nahe sie mutter und schwester meiner freundin am zusammenbruch wähnten - da war kein funke anteilnahme... da war kein bisschen trauer... da war nur sensationsgeilheit und hohn. meine freundin war ein wunderbarer mensch mit vielen talenten, die auch noch sehr, sehr hübsch war... und die neider haben es sich nicht nehmen lassen, ihren "abschied" zu nehmen als wollten sie sicher gehen, dass sie nun auch wirklich beerdigt wäre. das hat sich in meinem gedächtnis eingebrandt.

erinnert sich jemand an die tv-bilder von loki schmidts trauerfeier? die totale von helmut schmidts gesicht war mehr als unverschämt! aber genau das wollen menschen sehen, die nicht selber trauern: das leid und den schmerz der angehörigen. sicherlich gibt es auch mitfühlende menschen, die ehrlich anteil nehmen... aber um den angehörigen auch nur einen einzigen gaffer zu ersparen, ist es doch wert, den kreis der trauergäste zu begrenzen. wer wirklich anteil nimmt, ist nicht egoistisch und nimmt rücksicht.

ebenso verhält es sich mit den karten und briefen: wer nicht von herzen mitfühlt und anteil nimmt, soll es doch bitte lassen. es geht doch wohl niemals um die menge der karten als mehr um die ehrlich empfundene anteilnahme. ich selber habe noch nie eine standardkarte verwandt, sondern immer ein paar persönliche worte gefunden - und das habe ich schon vor sönkes tod so gehalten. von den karten und briefen, die ich nach seinem tod bekam, habe ich einige aufgehoben, die mir sehr viel bedeuten... die standardkarten habe ich nur ein einziges mal in der hand gehalten... die persönlichen lese auch jetzt noch ab und an. die kürzeste enthält: " wir finden keine worte und weinen mit dir." DAS ist ehrlich... DAS kommt absolut von herzen ohne großes dichtertalent. erst vergangene woche telefonierte ich mit der absenderin dieser worte, die einmal sönkes tagesmutter war.

und somit schließe ich den kreis... pothi, ich konnte und kann auf "anteilnahme", die nicht von herzen kommt, gerne verzichten. ich halte nichts davon, das eigene mitteilungsbedürfnis über die verletzung von trauernden setzen zu müssen...

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malwinchen

Antwort von pothi am 16.05.2011, 19:54 Uhr

du hast meine worte leider nicht verstanden. wäre viellleicht anders, wenn ich nicht grad als pothi geschrieben hätte.

glaub mir, ich verstehe den schmerz.


möchte nicht mit dir streiten, also verzeih meine worte, wenn sie dir weh getan haben.

lg

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Re: Sonntag

Antwort von malwinchen am 16.05.2011, 20:19 Uhr

liebe nomadin,

diesen schmerz, den du jetzt erleben musst, können viele menschen einfach nicht nachempfinden... vielleicht ist das auch gut so, denn niemand sollte um sein kind weinen müssen. keine worte können ihn lindern... und teilen können ihn nur menschen, die dir sehr nahe stehen. deine mutter leidet auch und mit ihr kannst du deinen schmerz teilen... sie weiß, wie du dich fühlst und sie kennt dich vielleicht besser als jeder andere mensch auf der welt. du wirst einen weg finden, der dir hilft, mit deinem schmerz umgehen zu lernen.

ich wünsche dir, dass deine lieben dir kraft geben und dich stützen können in dieser schweren zeit.

stille grüße

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ach pothi...

Antwort von malwinchen am 16.05.2011, 20:46 Uhr

es geht doch nicht darum, mit dir zu streiten... es geht darum, dass es leider nicht so einfach ist, sich vor den "falschen" reaktionen anderer zu schützen. der tod geliebter menschen - und erstrecht der von kindern - ist so sensibel, dass es eben einfacher ist, dieses thema mit floskeln, ritualen und standards "einfacher" zu machen. wenn es um ein kind geht, greifen diese standards nicht mehr so gut oder garnicht und die "improvisationen" nehmen nicht immer angenehme formen für die betroffenen angehörigen an.

ich hoffe, es wurde klarer, was ich meine... mit deinem nick hat das wirklich nichts zu tun. ;-)

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malwinchen

Antwort von pothi am 16.05.2011, 20:59 Uhr

ja, ich versuche es ja zu verstehen. aber manchmal ist es einfach schwer die richtigen worte zu finden, wobei man eigentlich was liebes sagen möchte.

ich denke ich verstehe aber wie du es meinst.

lg pothi

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Re: Sonntag

Antwort von Chatilia am 16.05.2011, 21:08 Uhr

liebe nomadin

für mich gilt seit dem schrecklichen erlebnis folgende wahrheit: die menschen sind aufgeteilt in jene, die sich nicht zu benehmen wissen und andere, die unterstützend und tröstend zur seite stehen.

über all jene, die unpassende kommentare haben, ärgerst du dich jetzt sehr. bald wirst du merken, dass sie dir so was von egal werden. das wird so weit gehen, dass du ihnen keinen platz mehr in deinem herzen gewährst. wer so ein schreckliches erlebnis mitmachen muss, bekommt ungewollt sehr feine antennen dafür, was wichtig ist und was nicht.

du steckst grad im wahr gewordenen alptraum. sein eigenes kind tot zu sehen ist so grausam, dass es unweigerlich dazu führt, dass man nie mehr der mensch sein wird, den man vorher war.

allerdings ... das bedeutet nicht, dass man irgendwann, in weiter ferne, wieder lachend am leben anteil nehmen kann. gerade die abgrundtiefen gefühle, die du durch das schreckliche erlebnis entwickelst, ermöglichen, die ganze mögliche bandbreite der gefühle zu erweitern und zu entwickeln. das bleibt vielen menschen verwehrt.

du hast dir das kleine baby so sehr gewünscht und musstest es viel zu früh gehen lassen. ich wünsche dir, dass du beim nächsten mal ein lebendiges baby in den armen halten darfst, mit dem du dann über die geschwister sprechen wirst. das sind immer traurige momente, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich bewusster die mutterfreuden erlebe als eine mutter, die sich nie ernsthaft gedanken machen musste und dafür bin ich sehr dankbar.

ich bin das beste beispiel dafür, dass im leben alles passieren kann.

wenn du möchtest, darfst du mir gerne eine pn schreiben.

eine stille umarmung.

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@ pothi

Antwort von Clavi am 16.05.2011, 22:42 Uhr

"aber manchmal ist es einfach schwer die richtigen worte zu finden"

Genau diese Worte wären authentisch und ehrlich.

Warum ist es manchmal so schwer, einfach zu schreiben, dass man nicht weiß, was die richtigen Worte sind??? Da werden lieber Floskeln geschrieben - oder garnichts.

Ich finde beides schlimm.

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@Nomadin

Antwort von Clavi am 16.05.2011, 22:46 Uhr

Liebe Nomadin,

ich habe dein Schicksal etwas mitverfolgt und es tut mir Leid, dass du deinen kleinen Sohn hergeben musstest.

Viel Kraft für diesen schweren Weg, liebe Menschen, die möglichst die richtigen Worte finden und dich so nehmen, wie du nun bist. Den Schmerz kann dir keiner nehmen - aber es tut manchmal gut, wenn es einen Ort gibt und Menschen gibt, die dich annehmen und mit dir um dein kleines Kind weinen.

Lieben Gruß, Claudia

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Christine70

Antwort von menschlich am 17.05.2011, 19:00 Uhr

Hallo - warum wohl glaubst du, dass es irgend Jemanden interessiert, was DU unmöglich findest?
Sind standardisierte Sprüche "von der Stange" besser, weil "man" das eben so macht?
Sie wurde mit echt blöden E-Mails zugetextet, die ihr noch mehr Schmerz zugefügt haben - eben weil sie von diesen Leuten etwas Echteres erwartet hatte - wenn man denn als Freund/in überhaupt via E-Mail seine Trauer bekunden muss( das übrigens finde ICH unmöglich ) - aber ganz offensichtlich geht es hier, wie nahezu überall, um den Schein und nicht echte Gefühle! Ich bin eben kein Mensch für dieses abgekupferte Einheits - Blabla - und wenn du tatsächlich weiter meine Antworten liest ( warum solltest du ?? ), wirst du damit wohl gelegentlich leben müssen!
Nomadin tut mir unglaublich leid - und für sie hoffe ich, dass hier nicht Kommentare zersetzt werden, die einfach nur echt sind, sondern sie das bekommt, was sie sich hier gewünscht hat - einen Platz zum verbalen Austoben!

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Ich danke euch allen

Antwort von Nomadin13 am 17.05.2011, 19:16 Uhr

fuer eure Beitraege.

Es tut gut, sie zu lesen.

Wichtig ist mir der Inhalt eurer Antworten, das Gefuehl, das sie vermitteln und nicht so sehr die einzelnen Worte.

noch immer trauernd, Nomadin

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Re: Christine70

Antwort von Christine70 am 17.05.2011, 22:29 Uhr

ja, du findest deine geschichte vielleicht sch*****... aber dann solltest du nicht andere ebenso deklarieren.

ich selber find meine geschichte alles andere als sch****.. und wenn du mich damit angesprochen hättest, was gott sei dank nicht der fall war, wäre ich zutiefst getroffen gewesen.

aber gut, deine ausdrucksweise ist halt so ne sache. aber ich muss ja nicht damit klar kommen. ich kanns auch überlesen.

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Re: Christine70

Antwort von Christine70 am 17.05.2011, 22:30 Uhr

nochwas... ich glaube kaum daß hier irgendeine Mama sich verbal austoben will.

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