Prof. Dr. H. W. Michelmann

Bewertung zweier Spermiogramme

Antwort von Prof. Dr. H. W. Michelmann

Frage:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Michelmann,

ich bitte Sie um die Bewertung zweier Spermiogramme.

Spermiogramm 1 (November 2009 in einer Kinderwunschklinik):
Volumen: 3,5 ml
Konzentration: 13 mio/ml
Motilität: 11 % A, 23 % B
Morphologie: 24 % normal.

Nach Aufbereitung:
36 mio/ml; 26 % A, 29 % B.


Spermiogramm 2 (Juli 2011 in einer anderen Kinderwunschklinik für IUI):
Volumen: 3,4 ml
Konzentration: 13 mio/ml
Motilität: 15 % A, 15 % B

Nach Aufbereitung:
6 mio/ml; 70 % A, 20 % B.

Nun meine Fragen:
1) Die Ausgangswerte sind ja ähnlich. Nach Aufbereitung jedoch sehr unterschiedlich. Woran kann das liegen?
2) Sind beide Spermiogramme nach Aufbereitung geeignet für eine IUI?
3) Wenn nein, was sind denn Ihrer Meinung nach die Grenzwerte für eine erfolgreiche IUI?
3) Die Motilität bei dem 2. Spermiogramm ist ja extrem hoch, jedoch nur 6 mio/ml und es werden ja nur 0,3 ml inseminiert. Kann das reichen? Oder anders gefragt: Sind mehr Spermien mit normaler Beweglichkeit besser als weniger Spermien mit sehr guter Beweglichkeit?

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Ulrike B.

von Ulrike79 am 20.07.2011, 09:17 Uhr

 

Antwort auf:

Bewertung zweier Spermiogramme

Hallo Ulrike,
man kann die Prognose für eine Schwangerschaft nach einer bestimmten Behandlungsart nicht an die Ejakulatparameter knüpfen. Das klappt nur im Rahmen einer Negativauslese, d.h., wenn das Spermiogramm so schlecht ist, dass eine Befruchtung, bzw. eine Schwangerschaft nicht möglich erscheint. In ihrem Fall sind die Werte aber so, dass es schon zu einem Erfolg nach IUI, aber auch nach normalem Geschlechtsverkehr, kommen kann. Doch, wie gesagt, das Spermiogramm ist nur die halbe Miete. Der Erfolg hat in diesem Fall wirklich viele Väter. Der Eintritt einer Schwangerschaft ist ein multifaktorielles Geschehen. Das weitere Vorgehen hängt von der Dauer des Kinderwunsches, ihres Alters, der bisher durchgeführten Verfahren, der gynäkologischen Anamnese etc. ab. Wenn sie es schon mindestens ein Jahr lang ohne Erfolg probiert haben, noch unter 35 Jahren sind, bei ihnen keine Auffälligkeiten gefunden worden sind, sollten sie 4-6 x eine IUI probieren. Danach muss aber über eine ICSI nachgedacht werden.
Ich würde dem Rat der KiWu-Klinik folgen.
Viel Glück!
Mit freundliche Grüßen
HWM

von Prof. Dr. H. W. Michelmann am 20.07.2011

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