Dr. Almut Dorn

Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn

Psychologische Psychotherapeutin

Frau Dr. phil. Almut Dorn ist als Psychotherapeutin seit über 20 Jahren im Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik tätig. Sie studierte Psychologie in Bielefeld, Paris und Mannheim. Nach ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Psychotherapeutin in der Gynäkologischen Psychosomatik des Universitätsklinikums Bonn leitete sie die Gynäkologische Psychosomatik im Endokrinologikum in Hamburg. Seit 2010 ist sie in eigener Privatpraxis in Hamburg tätig und ist neben der Patientenversorgung als Dozentin und Supervisorin tätig.

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Dr. Almut Dorn

verzweifelt nach 2 Verlusten

Antwort von Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn, Psychologische Psychotherapeutin

Frage:

Hallo,

Ich bin 28 Jahre alt und mein Mann und ich haben im August 2017 beschlossen mit der Babyplanung zu beginnen. Ich hab dann nach 12 Jahren die Pille abgesetzt. Leider hat sich dann ziemlich schnell rausgestellt, dass meine Zyklen sehr lang sind und leider auch nicht mehr von der Pille so sein konnten. Ich hab meinen Eisprung immer sehr spät gehabt und Zyklen von um die 40 Tage. Im April 2018 wurde ich dann schwanger und alles war perfekt. Unser Sohn entwickelte sich prächtig. In der 23. Ssw bekam ich abends plötzlich Blutungen und im KH wurde dann ein massiver Fruchtblasenprolaps festgestellt. Es konnte nichts mehr getan werden und unser Sohn kam am 15.09.18 still zur Welt.
Seitdem bin ich auch in therapeutischer Behandlung.
Unser Wunsch ist größer denn je und meine langen Zyklen belasten mich unglaublich. Im April diesen Jahres wurde ich wieder schwanger und verlor auch dieses Kind. In der 10.ssw am 28.05.19 wurde festgestellt, dass das Herz nicht mehr schlägt. Meine Welt ist zusammengebrochen.

Nun hat sich rausgestellt, dass ich zwei Baustellen habe. Einmal eine Gerinnungsstörung ( muss in der nächsten Schwangerschaft ab positiven Test Heparin spritzen) und dann noch eine Muttermundschwäche, weswegen unser Sohn zu früh auf die Welt kam.
Ich hab so Angst, dass wir nie ein gesundes Kind haben werden und trotzdem kann ich mir ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen und wäre am liebsten sofort wieder schwanger. Ich rechne quasi in Zyklustagen, wann wohl mein nächster Eisprung ist und wann ich testen kann. Die langen Zyklen machen das ganze natürlich noch schlimmer, da ich weniger Chancen habe, schwanger zu werden. Es wurde aber schon alles abgeklärt und alles ist in Ordnung.
Ich kann mich einfach an nichts mehr groß erfreuen. Ich will einfach eine eigene Familie. Das ist das einzige was ich möchte.
Schwangere und Babys zu sehen, ist sehr schlimm für mich und erinnert mich immer an unseren kleinen Sohn, der heute schon 8 Monate alt wäre. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Mein Umfeld kann mich da einfach nicht verstehen und ich muss mir auch von meiner Schwester immer anhören, dass ihre Kinder nichts dafür können und ich mich dem stellen muss und nicht immer wegbleiben kann. Es tut aber so weh und ihre kleinen Kinder versetzen mir jedes mal ein Stich ins Herz. :(
Ich fühl mich total unverstanden. Ich hab das Gefühl, alle erwarten von mir, dass ich wieder funktioniere.

Vielen Dank im Voraus.

von Steffi_91 am 19.08.2019, 08:59 Uhr

 

Antwort auf:

verzweifelt nach 2 Verlusten

Ihre Verzweiflung kann ich gut verstehen. Ihr sehnlichster Wunsch ist noch nicht in Erfüllung gegangen und Sie haben auch noch 2 Schwangerschaften verloren. Vor allem der Verlust in der 23. SSW - mit dem Gefühl, "so nah dran" gewesen zu sein ist extrem schmerzlich. Für das Umfeld ist das nicht immer so einfach zu verstehen, weil die Kinder noch nicht "sichtbar" waren. Ich denke, dass erst mal alle Gefühle erlaubt sind, auch Wut und Neid und Angst und Trauer. Vielleicht können Sie mit Ihrer Therapeutin zusammen herausfinden, was Ihnen kurzfristig gut tut (z.B. mal ein Familientreffen auszulassen, weil es zu sehr schmerzt) und langfristig gut tut (z.B. den Kontakt zur Familie nicht ganz zu verlieren; vielleicht könnten Sie Ihre Schwester bitten, sich mit Ihnen mal ohne ihre Kinder zu treffen). Und vieles macht man in so einer Zeit vielleicht auch "obwohl es weh tut", z.B. den Kontakt zu den Neffen und Nichten - es darf ja weh tut, aber möglicherweise gibt es auch die anderen Gefühle, dass es schön ist mit Kindern zusammen zu sein - dann darf beides sein. Trotzdem wünsche ich Ihnen, dass das Tröstlichste noch kommt - eine intakte Schwangerschaft mit einem gesunden Kind. Nehmen Sie an, dass es eine Krisenzeit ist, in der Sie nicht die Krise klein reden können, sondern für genügend Ausgleich und Gegengewicht sorgen müssen.

von Dr. Almut Dorn am 19.08.2019

Antwort auf:

verzweifelt nach 2 Verlusten

Hallo Steffi,

ich finde mich in deinem Beitrag total wieder. Die Gefühle, die du beschreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen nach jahrelanger Kinderwunschzeit.
Sich an nichts mehr freuen können. Und dauernd diese Stiche im Herzen. Das ist alles normal und ich glaube, fast alle Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch kennen diese Gefühle. (Und meist sind es auch nur die, die wirklich verstehen, wie es sich anfühlt.) Und dazu diese Ungewissheit: Wird es jemals klappen? (Wenn man wüsste, in drei Jahren habe ich ein Kind, wäre ja alles gut.)
Manchmal habe ich es in dieser Zeit geschafft, Glück zu empfinden. Das waren so wunderbare, seltene Momente. Ich glaube, Freundschaften haben mir sehr geholfen. Oder Musik? Kreativ sein?
Ich kenne auch dieses Gefühl, dass alle Erwartungen an einen haben, nicht verstehen, dass man tief traurig ist und dann auch noch mit so Sprüchen kommen wie “Meine Kinder können nichts dafür.“ Ich habe in der Zeit gemerkt, zu welchen Menschen ich besser Abstand halten muss. Und sei es nur für eine Zeit lang.
Es klingt zwar doof, aber so eine Zeit bereichert auch.
Ich habe auch eine Gerinnungsstörung (Faktor-V-Leiden), eine Muttermundschwäche und dazu noch einen Uterus Unicornis mit nur einem angeschlossenen Eierstock, also auch eine verringerte Chance, schwanger zu werden.

Halt durch! Versuche, aus dieser extremen Zeit etwas für dich rauszuholen. Ich habe damals ein Tagebuch geführt und da auch reingeschrieben, was mir gut tut.
Was mir auch geholfen hat, war, einen “Plan B“ zu haben. Auch, wenn dieser nicht nötig sein wird am Ende, so hat er mir geholfen, mich weniger abhängig vom Kinderwunsch zu fühlen.

Ich wünsche dir viel Kraft und Mut für alles, was noch kommt! Wir Frauen sind unfassbar stark und es gibt wenig, was so viel Stärke erfordert, wie ein unerfüllter Kinderwunsch.

Anthea

von Anthea am 26.08.2019

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verzweifelt nach 2 Verlusten

Ich kann dich sehr gut verstehen.
Ich habe zwei Fehlgeburten. Eine 2014!2015
kam unser Sohn zur Welt 2019 hatte ich wieder eine Fehlgeburt.
Ich kann dich sehr gut verstehen.
Es ist schwer zu verstehen.
Kannst mir ja Privat schreiben.
Dann können wir uns austauschen.

von Leon2015 am 04.09.2019

Antwort auf:

verzweifelt nach 2 Verlusten

Hallo Steffi :-)

Erstmal finde ich es super das du so eine Starke Frau bist.. Die Mutter meines halb Bruders hat ingesamt 7 Fehlgeburten gehabt. Ihr wurde mitgeteilt beim Kinderwunschzentrum das sie keine Kinder bekommen kann auch mit Hilfe nicht. Doch siehe da nach 7 Fehlgeburten kam mein Halbbruder. Ich möchte dir damit sagen, das es in Gottes Hand liegt. Bete für dich und deine Familie und alles wird gut.

Viel Glück :-)

von Sunshine2019- am 23.09.2019

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