Dr. Almut Dorn

Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn

Psychologische Psychotherapeutin

Frau Dr. phil. Almut Dorn ist als Psychotherapeutin seit über 20 Jahren im Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik tätig. Sie studierte Psychologie in Bielefeld, Paris und Mannheim. Nach ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Psychotherapeutin in der Gynäkologischen Psychosomatik des Universitätsklinikums Bonn leitete sie die Gynäkologische Psychosomatik im Endokrinologikum in Hamburg. Seit 2010 ist sie in eigener Privatpraxis in Hamburg tätig und ist neben der Patientenversorgung als Dozentin und Supervisorin tätig.

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Dr. Almut Dorn

Umgang mit Ängsten während der Schwangerschaft

Antwort von Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn, Psychologische Psychotherapeutin

Frage:

Sehr geehrte Frau Dorn,

ich wende mich an Sie, weil ich nicht mehr so recht weiter weiß.

Kurz zur Vorgeschichte: ich habe durch Kinderwunschbehandlung bereits eine Tochter geb. 12/2018. Aktuell bin ich wieder schwanger in der 25. SSW, auch wieder nach Kinderwunschbehandlung. Letztes Jahr hatte ich zwei Fehlgeburten, einmal ganz früh in der 6. SSW und einmal mit eineiigen Zwillingen in der 10. SSW.

Nach einigen Hämatomen mit Blutungen und kurzem Krankenhausaufenthalt sieht im Moment eigentlich alles gut aus, das Baby ist zeitgerecht entwickelt und auch beim Feinultraschall gab es keinerlei Auffälligkeiten. Trotzdem schaffe ich es einfach nicht, zu entspannen. Ich habe weiterhin so große Angst, dass irgendetwas passiert und das Baby doch nicht zu uns kommt. Ich schaffe es kaum, mich darauf zu freuen und fühle mich deswegen furchtbar. Das Kleine hat es doch verdient, dass ich mich freue und an es glaube. Ich habe Angst, dass es zu so einer Mama nicht will und wieder geht...

Ich wäre so gerne optimistisch und würde so gerne dran glauben, dass alles gut wird. Eigentlich besteht ja auch aktuell keinerlei Anlass zur Sorge. Es könnte gerade so schön sein. Es ist Sommer und ich hatte mich so darauf gefreut, mit dickem Bauch am See zu sitzen, mit meiner Tochter auf dem Spielplatz zu spielen usw. Aber stattdessen habe ich die ganze Zeit Angst. Immer wieder fallen mir neue Dinge ein, die mir Angst machen.

Aktuell habe ich riesige Angst vor CMV und Toxoplasmose. Ich wasche mir ständig die Hände, Kochen ist zum Alptraum geworden, ständig habe ich Angst, irgendetwas angefasst zu haben, das infiziert ist. Gerade eben habe ich den Tee aus meinem Teekrug in einen Topf getan und wieder aufgekocht, weil ich daneben die Plastikfolie einer Packung mit Erdbeeren aufgerissen habe und dabei ein wenig vom Kondenswasser hoch gespritzt ist. Ich hatte dann Angst, dass da vielleicht Toxoplasmose dran war und ein Tropfen in den Tee gekommen ist. Den Teekrug habe ich während dem Kochen auch heiß und mit Spülmittel ausgespült. Das ist doch nicht normal? Und das war nur ein Beispiel von vielen.

Aber selbst wenn ich beim Thema Toxoplasmose und CMV Ruhe finden würde, würde ich das nächste finden, wovor ich Angst habe. Und dann grüble ich ewig darüber nach und werde immer ängstlicher.

Ich weiß nicht was ich noch tun soll. Meine Frauenärztin ist an sich sehr gut, aber hat dafür nicht wirklich Verständnis, ich mag es schon gar nicht mehr ansprechen. Meine Hebamme ist sehr lieb und hat mir Schüssler Salze empfohlen, aber die helfen nicht. Ich habe bei einer Hotline für Schwangere in Not angerufen, die Dame dort war sehr nett, aber das ist wohl nicht auf Dauer ausgelegt. Die Beratungsstelle vor Ort bietet derzeit wegen Corona keine Beratungen an, erst wieder Mitte/Ende Juli. Ich hatte während der Kinderwunschzeit eine Beraterin vom BKiD, mit ihr bin ich auch gut zurecht gekommen, aber (und ich weiß, dass das blöd ist) ich kann dort einfach nicht anrufen, ich habe zu große Angst. Bei der Zwillingsfehlgeburt letztes Jahr habe ich während der Schwangerschaft auch angerufen wegen meiner Ängste, und kurz danach habe ich die Nachricht erhalten, dass die Herzchen nicht mehr schlagen. Mein Verstand sagt mir, dass es da keinen Zusammenhang gibt, aber trotzdem bekomme ich allein beim Gedanken daran, dort anzurufen und nach einem neuen Termin zu fragen, Panik. Es macht mir schon Angst, Ihnen zu schreiben, aber so wie jetzt kann es ja auch nicht weitergehen?

Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Ich will mich so gern auf das Baby freuen und die hart erkämpfte Schwangerschaft genießen. Wenn meine kleine Tochter nach dem Baby fragt, antworte ich ausweichend. Zu sehr habe ich Angst, sie zu enttäuschen. Gleichzeitig fühle ich mich so schuldig dem Baby gegenüber. Es hat doch verdient, dass ich der ganzen Welt von ihm erzähle und wir uns alle freuen? Ich muss gerade so weinen, weil es mich getreten hat und das ist doch eigentlich so toll, aber mir macht es Angst. Angst, dass es wieder geht und nicht mehr tritt...

Was soll ich nur tun?

Viele Grüße,
Zelli

von Zelli20 am 21.06.2021, 10:08 Uhr

 

Antwort auf:

Umgang mit Ängsten während der Schwangerschaft

Gar nicht so einfach, Ihnen jetzt etwas zu raten, denn Sie haben sich ja bereits viel Hilfe geholt. Für mich hört es sich so an, dass sich ein starkes magisches Denken aufgebaut hat, dass schon an Zwangsgedanken grenzt ("wenn ich das gleiche wie in der letzten Schwangerschaft mache, geschieht wieder das gleiche"). Auch die Zwangshandlungen (alles immer wieder abwaschen, Hände waschen) sind Versuche die Kontrolle zurück zu bekommen über etwas, was autark abläuft (die Schwangerschaft).
Vielleicht beruhigt es Sie etwas, dass auch ängstliche und psychisch belastete Frauen gesunde Kinder bekommen. Aber für Sie selber wäre es wichtig, dass Sie psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, also z.B. nochmals zu der BKiD-Beraterin gehen. Mit ein paar Sätzen von mir wird sich dies nicht auflösen lassen.

von Dr. Almut Dorn am 21.06.2021

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