Dr. Almut Dorn

Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn

Psychologische Psychotherapeutin

Frau Dr. phil. Almut Dorn ist als Psychotherapeutin seit über 20 Jahren im Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik tätig. Sie studierte Psychologie in Bielefeld, Paris und Mannheim. Nach ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Psychotherapeutin in der Gynäkologischen Psychosomatik des Universitätsklinikums Bonn leitete sie die Gynäkologische Psychosomatik im Endokrinologikum in Hamburg. Seit 2010 ist sie in eigener Privatpraxis in Hamburg tätig und ist neben der Patientenversorgung als Dozentin und Supervisorin tätig.

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Dr. Almut Dorn

Brauche ich Hilfe?

Antwort von Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn, Psychologische Psychotherapeutin

Frage:

Hallo,

ich habe seit über 10 Jahren einen starken Kinderwunsch. Bisher habe ich allerdings nie versucht schwanger zu werden, es fehlte einfach der Partner, das Geld, die Umstände passten nicht etc.

Seit 5 Jahren bin ich mit meinem jetzigen Partner zusammen. Für mich war sehr schnell klar, dass ich mit diesem Mann Kinder bekommen möchte und vor drei Jahren haben wir dann auch über das Thema gesprochen. Mein Partner möchte auch Kinder, zum damaligen Zeitpunkt war es ihm allerdings zu früh.
In den letzten drei Jahren hatte ich dann immer wieder Phasen, in denen der Kinderwunsch so stark wurde, dass ich immer und immer wieder das Gespräch gesucht habe. Mein Partner eröffnete mir, dass er sich aufgrund von meinem starken Übergewicht Sorgen macht. Auch ein paar andere Faktoren würden ihn noch abhalten, aber letzlich sei es hauptsächlich mein Übergewicht. Wir haben vereinbart, dass er mich so gut er kann darin unterstützt Gewicht zu verlieren und wenn ich Normalgewicht hätte, würden wir los legen. Für Normalgewicht hätte ich damals 80 Kg abnehmen müssen (ich bin wirklich stark adipös). 25 Kilo habe ich auch geschafft, ein guter Batzen ging aber auch wieder hoch und seither läuft es wieder gar nicht. Ich bin psychisch irgendwann wirklich auf dem Zahnfleisch gegangen, weil ich mich selbst dafür fertig gemacht habe, dass ich selbst für die Erfüllung meines Kinderwunsches nicht einfach mal meine Ernährung in den Griff kriege.
Irgendwann haben mein Partner und ich uns geeinigt, dass ich wenigstens ein BMI unter 30 erreichen sollte. Da ich nach meiner ersten Abnahme wieder zugenommen habe, hätte ich dafür auch immer noch 45 Kilo abnehmen müssen. Das klappte alles vorne und hinten nicht mehr, ich war nur noch in einer Spirale von mich selbst fertig machen und Druck den ich mir einerseits selbst aufgebaut habe, aber auch dem Druck, dass ich dieses Jahr 31 werde, aufgrund der Adipositas möglicherweise gar nicht auf natürlichem Wege schwanger werden kann und es dann ewig dauert bis wir unser erstes Kind bekommen und ich auf jeden Fall zwei Kinder haben möchte...
Mittlerweile habe ich mich in einer Adipositasklinik angemeldet. Normalerweise wäre ich jetzt auch dort, aufgrund der Coronakrise ist mein Aufnahmedatum aber auf Ende August verschoben worden.
Mein Mann und ich haben aber auch nochmals gesprochen und er hat eingesehen, dass dieser Druck zu nichts führen wird und trotz seiner Bedenken eingewilligt, dass wir es versuchen, sobald die Coronakrise weitestgehend vorbei ist.

Und genau das macht mich jetzt SCHON WIEDER total fertig. Ich hab halt keine Ahnung wann die Krise soweit abgeflaut ist, dass wir bedenkenlos los legen können. Mein Mann reagierte letztens direkt sehr genervt als ich besprechen wollte, was für ihn denn "vorbei" bedeutet. Ich kann ihn auch verstehen. Er hatte immer die Vorstellung eher mit Mitte 30 Vater zu werden und ich habe ihn teilweise schon auch sehr bedrängt, nicht in böser Absicht, aber er merkte eben, dass es mir oft nicht gut ging...
Vermutlich sind es jetzt nur noch wenige Monate, aber ich kann an nichts anderes mehr denken und war jetzt einige Tage lang einfach nur down und depri weil schon wieder ein Zyklus ungenutzt gelassen wurde.

Am schlimmsten ist die Angst, dass ich gar nicht schwanger werden kann oder es zumindest sehr lange dauern wird. Ich habe in diesem Zyklus angefangen mit Hilfe vom Clearblue Fertilitätsmonitor meinen Zyklus zu überwachen. Mein Zyklus ist ohnehin sehr regelmäßig, meistens 29 Tage lang, ab und zu mal 1-2 Tage Abweichung nach oben und unten. Laut Fertilitätsmonitor soll ich nun auch vor 10 oder 11 Tagen einen Eisprung gehabt haben und bin heute an Tag 30. Wenn meine Periode heute oder morgen kommt klingt es nach meinem Verständnis erstmal nach einem guten Zyklus. Auch waren alle Ultraschalluntersuchungen immer unauffällig und eine Insulinresistenz wurde auch bereits untersucht, es sei alles in Ordnung.
Und trotzdem hat sich dieser Gedanke, dass ich keine Kinder bekommen kann so sehr manifestiert... Mag vielleicht auch daran liegen, dass es in meiner Familie und in meinem Freundes- und Bekanntenkreis insgesamt 5 Frauen gibt die ungewollt kinderlos sind (teilweise trotz künstlicher Befruchtung) und eine Frau die zwar zwei Kinder hat mittlerweile, aber auch nur mit Hilfe von künstlicher Befruchtung.
Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass ich langsam verrückt werde. Ich habe mich so sehr auf diesen Kinderwunsch versteift, dass ich die ganzen schönen Dinge in meinem Leben eigentlich überhaupt nicht mehr wahrnehme und genieße...

Es tut mir leid, dass ich nun so viel geschrieben habe und helfen können Sie mir wahrscheinlich auch nicht so wirklich. Ich weiß nur gerade nicht wie ich aus dieser Gedankenspirale wieder raus komme und mich auch wieder mit anderen Dingen beschäftigen kann als dem Kinderwunsch... Ich frage mich auch, ob das irgendwie auch normal ist, dass dieses Thema emotional so heftig ist oder ob ich eigentlich Hilfe bräuchte...

von Tanja_1989 am 16.04.2020, 08:40 Uhr

 

Antwort auf:

Brauche ich Hilfe?

Da der Kinderwunsch ein sehr zentrales Thema im Leben ist, ist es sehr nachvollziehbar, dass dieser sehr groß werden kann und sich vor allem bei nicht Erfüllung emotional sehr belastend auswirken kann. Es ist schön zu hören, dass Sie ja bereits einiges getan haben, um den Kinderwunsch realisieren zu können: sie sprechen offen mit ihrem Partner, machen Ihre Wünsche deutlich, Sie kümmern sich um Gewichtsabnahme, Sie schauen nach Ihrem Zyklus. Wenn sich die Gedanken aber immer weiter einengen, Sie den Eindruck haben, dass Sie nichts mehr ablenken kann und die Ängste immer stärker werden, würde ich Ihnen einige entlastende Gespräche z.B. in einer Familien- / Schwangerenberatungsstelle empfehlen, dort sind häufig auch Kolleg*innen, die sich mit dem Thema unerfüllter Kinderwunsch auskennen. Auch auf der Webseite des Beratungsnetzwerks Kinderwunsch finden Sie spezialisierte Berater*innen in Ihrer Nähe: https://www.bkid.de/beraterinnen-in-ihrer-naehe/

von Dr. Almut Dorn am 16.04.2020

Antwort auf:

Brauche ich Hilfe?

Hallo Frau Dr. Dorn,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und die netten Worte. Es tut gut zu hören, dass der so ausgeprägte Kinderwunsch nicht ganz unnormal zu sein scheint.
Die von Ihnen empfohlenen Beratungsmöglichkeiten werde ich mir mal anschauen. Ich würde gerne wieder insgesamt gelassener werden können.
Viele Grüße

von Tanja_1989 am 16.04.2020

Antwort auf:

Brauche ich Hilfe?

Liebe Tanja_1989

Dir wurde ja schon geantwortet, aber ich wollte dir trotzdem auch nochmal Mut machen:
Dieses Verrücktwerden, wie du es empfindest, habe ich während meines Kinderwunsches ganz genauso erlebt, ich konnte an nichts anderes mehr denken und konnte keine Freude mehr an irgendwas anderem empfinden. In meiner Partnerschaft hat es auf Dauer zu Konflikten geführt, weil mein Freund bald dieses Thema nicht mehr ertragen konnte. Wenn man noch kein Kind hat, kann man nie wissen, ob es einem möglich ist schwanger zu werden und das ist das Schreckliche....Ich habe ein Jahr gebraucht um schwanger zu werden und hatte eine Fehlgeburt und eine Eileiterschwangerschaft, dann haben sie mir letztendlich einen Eileiter entfernt und ich war so verzweifelt... einen Zyklus nach der OP bin ich auf einmal schwanger geworden. Und jetzt ist der ganze Spuk vorbei und die Angst die ich damals so stark empfunden habe, war am Ende Gott sei Dank unberechtigt.
Es ist gut, dass du dein Gewicht reduzieren willst, das ist bestimmt für alles gut, nicht nur für deine Schwangerschaft. Aber ich zum Beispiel habe kein Übergewicht und bei mir war auch alles kompliziert und nervenaufreibend.

Ich will damit einfach sagen: Es gibt beim Schwanger-werden ganz offensichtlich keine Regeln und man hat nichts unter Kontrolle. Auch wenn es einen verrückt macht, man muss einfach geduldig sein und Hoffnung haben.
Und natürlich alles tun, um dem potentiellen Baby ein schönes Zuhause für die Schwangerschaft zu bieten. Und das versuchst du ja schon. Wenn du bald in der Adipositas-Klinik bist, dann hast du vielleicht auch mehr ein Gefühl von Kontrolle, weil du dann aktiv etwas für dich machen kannst und die Wartezeit aufs schwanger-werden schneller vergeht!
ich wünsche dir alles Gute und dass bald alles besser wird für dich!

Liebe Grüße, Christiana

von Christiana am 21.04.2020

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