Dr. Petra Thorn

Dr. Petra Thorn

Dipl.-Sozialarbeiterin und Familientherapeutin DGSF

Dr. Petra Thorn bietet seit über 25 Jahren Kinderwunschberatung an. Ihr Schwerpunkt liegt u.a. in der Familienbildung mit Samenspende und ähnlichen Behandlungen. Sie bildet Fachkräfte fort und hat zahlreiche Ratgeber und wissenschaftliche Bücher geschrieben. Frau Dr. Thorn ist (Vorstands-)Mitglied mehrere deutscher und internationaler Fachgesellschaften und seit 2017 Mitglied des Deutschen Ethikrats.

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Dr. Petra Thorn

Belastung Kinderwunschbehandlung

Antwort von Dr. Petra Thorn, Dipl.-Sozialarbeiterin und Familientherapeutin DGSF

Frage:

Liebe Frau Thorn,

vielleicht können Sie mir einen guten Rat geben.
Mein Mann und ich befinden uns mittlerweile seit rund 2 Jahren in der Kinderwunschklinik, 4 Icsi-Behandlungszyklen waren bislang erfolglos.
Aktiver Kinderwunsch besteht bereits seit 2016, von meiner Seite aus noch länger. Für mich stand ein Leben ohne Kinder nie zur Debatte. Leider wurde dann eine starke Einschränkung des Spermiogramms entdeckt.
Die ersten Behandlungen habe ich unterschätzt und empfand sie emotional als extrem belastend, auch mein Mann und die Stimmung zwischen uns hat in der Zeit gelitten. Wir hatten zwischendurch eine Pause, aus der wir sehr gefestigt wieder starten konnten. Wir waren auf Anregung meines Mannes bei einem Seminar vom DI-Netz (welches wir im übrigen trotz anfänglicher Skepsis beide toll fanden) und haben seit dem 4. Behandlungszyklus zusätzlich auch eine Spende auf Eis, welche wir bisher aber noch nicht genutzt haben.
Unsere Ehe ist zum Glück doch sehr stabil und leidet insgesamt nicht darunter, ich merke aber wie sehr mich persönlich die ganze Situation über die nun doch schon lange Zeit insgesamt belastet. Wir gehen unterschiedlich mit der Situation um, was im Prinzip auch in Ordnung ist. Mein Mann kann sich gut ablenken, wenn wir mal einen Monat nicht über den Kinderwunsch sprechen ist das für ihn kein Problem, er plant viele Dinge drum herum und scheint nach außen nicht viel darüber nachzudenken. Den organisatorischen Teil etc. überlässt er mir, da mich ja nun mal der überwiegende Teil der Behandlung betrifft und ich mich insgesamt auch besser auskenne, wir entscheiden und besprechen natürlich die grundlegenden Dinge gemeinsam. Ich wiederum mache mir ständig Gedanken um mögliche Lösungen, Untersuchungen die noch nicht durchgeführt wurden, Dinge die man ändern könnte, habe Sorge nicht die richtige Entscheidung zu treffen. Ich kann die Gedanken leider nicht gut abschalten. Immer mehr nagt auch die Erkenntnis an mir, dass wir vielleicht wirklich kinderlos bleiben könnten, da uns niemand sagen kann ob es mit der Spende am Ende anders wäre (aktuell gibt es trotz gut entwickelter Embryonen keine Einnistung). Ich kann bislang den Gedanken nicht mal zulassen ohne zu weinen. Zwischenzeitlich wurde bei mir eine Autoimunthyreoiditis entdeckt, bei der man Stress ja möglichst meiden sollte, wie bei allen Autoimmunerkrankungen. Die ganze Situation setzt mich aber unter Druck und ich habe das Gefühl in dieser Spirale festzuhängen, ich hoffe Sie verstehen was ich meine. Ich habe natürlich noch ein Leben neben dem Kinderwunsch, es gibt schöne Seiten und auch sehr gute Tage mit viel Optimismus. Oftmals fühle ich mich jedoch so, dass mir neben meinem Vollzeitjob, der mich auch fordert, einfach alles über den Kopf wächst. Dann mache ich mir wiederum Sorgen, dass es durch den psychischen Druck erst recht nicht klappt und ich die Voraussetzungen immer weiter verschlechtere. Ich fühle mich zudem oft körperlich nicht richtig fit, was sicher auch zum Teil mit der genanten Schildrüsenproblematik zusammenhängt.
Haben Sie irgendwelche guten Lösungsansätze für meine Situation? Ich würde mir gern selbst den Druck etwas nehmen, entspannter durch die Behandlungen gehen und Dinge annehmen ohne ständig zu zweifeln oder zu hinterfragen. Gerne würde ich eine Behandlung starten ohne direkt schon wieder Angst vor einem negativ zu haben. Und wie kann man sich tatsächlich auf eine endgültigen Abschied vom Kinderwunsch vorbereiten ohne das Gefühl zu haben, dass das ganze Leben den Bach runter geht?

Ich weiß, dass es darauf wahrscheinlich keine einfache Antwort gibt, ich danke Ihnen herzlich für Ihre Mühe!

von Chrissylein85 am 09.04.2020, 22:49 Uhr

 

Antwort auf:

Belastung Kinderwunschbehandlung

Liebe Anfragerin,
Sie scheinen sich in einer Spirale mit Hoffnung, Warten, Enttäuscht-Sein und Verzweiflung zu befinden. Ich würde Ihnen empfehlen, mit Ihrem Mann eine Art Fahrplan für Ihren Kinderwunsch zu erstellen: Was können Sie wann durchführen, was wäre zuviel, wie können Sie auch Urlaub einplanen, was wäre ein möglicher Plan B, falls der Kinderwunsch mit dem Samen Ihres Mannes nicht in Erfüllung geht?
Aufgrund dieser Spirale kann es jedoch auch hilfreich sein, dass Sie sich Unterstützung holen. Sie finden hier Fachkräfte: www.bkid.de
Einigen (wie auch ich) bieten Telefon- und Videoberatung an, auch zu Corona-Zeiten. Bitte scheuen Sie sich nicht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Herzliche Grüße
Petra Thorn

von Dr. Petra Thorn am 13.04.2020

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