Kinderwunsch nach Fehlgeburt

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Geschrieben von Emmi35 am 30.10.2021, 8:26 Uhr

Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Hallo ihr Lieben,
leider musste ich meinen Sohn in der 19. Schwangerschaftswoche still gebären, nachdem vermutlich bereits in der 15. Schwangerschaftswoche das Herzchen aufgehört hat zu schlagen. Neben der Trauer kreist die Frage des Warum ständig in meinem Kopf.
Alle Befunde führten zu keinem Ergebnis. Als Todesursache wurde wage "Plazentainsuffizienz" angegeben. Ich kann nicht aufhören, mir über die Ursache den Kopf zu zerbrechen- wie es möglich ist, ein gesundes Kind zu verlieren. Ist mein Körper nicht in der Lage dazu, eine Schwangerschaft auszutragen?
Daher meine Frage: ist es hier jemandem ebenfalls so ergangen, dass keine Ursache festgestellt werden konnte, trotz allen möglichen Untersuchungen? Besteht die Hoffnung, dass trotz ungeklärter Ursache beim nächsten Mal alles gut gehen kann?
Es macht mich wirklich verrückt, die Ursache nicht zu kennen und nichts tun zu können, um beim nächsten Mal vorzubeugen.
Ich danke euch von Herzen.

 
6 Antworten:

Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von Mörchen17 am 30.10.2021, 9:40 Uhr

Hallo,

ich habe vor sechs Jahren Zwillinge Ende der 18. Schwangerschaftswoche ziehen lassen müssen, die Geburt passierte ziemlich plötzlich, nachdem ich tagelang Blutungen ohne ersichtlichen Grund hatte und es mir auch nicht so gut gegangen war. Die Kinder waren, soweit erkennbar, vollkommen gesund, sie lebten ja auch, bis sie viel zu früh das Licht der Welt erblickten, und bei mir konnte trotz diverser Untersuchungen auch nicht wirklich etwas festgestellt werden, außer dass ich in der Stunde vor der Geburt ziemlich hohe Entzündungswerte im Blut hatte und gemutmaßt wurde, dass eine Infektion an der Geburt schuld war, aber so richtig sagen konnte das keiner.

Das mit den kreisenden Gedanken kenne ich sehr gut, ich habe mich auch immer und immer wieder gefragt, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe, vielleicht in Sachen Hygiene (wegen der Sache mit der Infektion), und ob es Sinn hat, es überhaupt wieder zu versuchen, nach so einem Erlebnis (zumal wir auf reproduktionsmedizinische Unterstützung angewiesen waren). Schlussendlich habe ich dann aber zwei Jahre später ein lebendiges Kind zur Welt bringen dürfen, das jetzt vier Jahre alt ist und sich gerade vom Papa ein Buch über Ritter vorlesen lässt :-)

Du darfst also darauf hoffen, dass es beim nächsten Mal gut verläuft und Du ein quicklebendiges Kind in den Armen halten wirst. Und auch Deine momentanen Gedanken sind völlig normal, vielleicht beruhigt Dich das auch ein wenig. Ich habe damals befürchtet, im wahrsten Sinne des Wortes verrückt zu werden; die Psychotherapeutin, die ich dann aufgesucht habe, sagte mir, ich reagierte ganz "normal", das fand ich schon recht entlastend.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute!

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Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von Kyli van de Krumel am 30.10.2021, 10:28 Uhr

Ich habe meinen Sohn Jonathan am 18. August still zur Welt gebracht. Sein Herz war zwei Tage früher einfach stehen geblieben. Nur 4 Tage vor dem Kaiserschnitt-Termin. Bei uns gibt es auch keine bekannte Ursache. Plötzlicher Kindstot im Mutterleib ist jetzt die Diagnose. Mein Frauenarzt hat mich jetzt noch mal zu einem Gerinnungsspezialisten geschickt. Der hat eine Faktor V Mutation entdeckt. Könnte natürlich eine Ursache sein. Ist aber nicht mehr nach zu weisen. Jetzt weiß ich jedenfalls was zu tun ist, falls ich noch mal schwanger werde. Ich kann jetzt so langsam damit leben, die Ursache nicht zu kennen. Die Seele unseres Sohnes sollte nicht auf der Erde verweilen. In den paar Monaten unter meinen Herzen, hat er ganz viel Liebe von uns und seinen Geschwistern bekommen. Und die Liebe hört mit seinem Tod nicht auf. Ich hoffe er spürt dass, egal wo er jetzt auch immer ist.

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Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von Belly-Monkey am 31.10.2021, 5:42 Uhr

Hallo Emmi35,

Zunächst einmal mein herzliches Beleid. Ich weiß genau, wie du dich fühlst. Ich hatte letztes Jahr im September einen MA, der in der 20. Ssw festgestellt wurde, wobei das Herz wohl in der 17. Ssw aufgehört hat, zu schlagen. Auch bei meiner Maus konnte die Ursache nicht festgestellt werden. Die diensthabende Ärztin meinte, dass es anhand des Aussehens eine T13 sein könnte, aber das konnte nicht verifiziert werden, weil das Labor es nicht geschafft hat, die entnommenen Gewebeproben der Kleinen zu reproduzieren, was eine Ursachenforschung unmöglich gemacht hat. Ich bekam dann den Befund, dass in meiner Plazenta mehrere Thrombosen festgestellt wurden. Aber einer der Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, meinte, dass das nichts heißt, weil die Thrombosen sich auch nach dem Tod der Kleinen gebildet haben könnten. Lagen immerhin 3 Wochen zwischen Tod und Stiller Geburt.
Keine Ursache zu kennen, hat meinen Trauerprozess schwer belastet. Ich glaube, wenn ich eine Ursache gehabt hätte, hätte ich viel besser damit umgehen können.

Mittlerweile weiß ich, dass bei der Hälfte aller Spätaborte die Ursache unbekannt bleibt - und dass jede SS anders ist. Ich bin jetzt aktuell in der 29. Ssw und werde zwar wegen der MA als Risikopatientin behandelt, aber der Kleine entwickelt sich prächtig und ist sehr aktiv. Nichts deutet darauf hin, dass sich dieses schlimme Schicksal wiederholt.

Allerdings nehme ich seit Beginn der SS jeden Tag ASS 100, weil der Arzt im Krankenhaus damals mir dazu geraten hat. Ob das nun der entscheidende Knackpunkt ist, bezweifle ich, aber schaden tut es auch nicht. Mittlerweile weiß man ja auch, dass die Einnahme von ASS das Praeklampsierisiko minimieren kann.
Für meine Psyche habe ich mich bei dieser SS auch dazu entschlossen, mich komplett anders zu verhalten als in der ersten SS. Nicht mehr jeden Tag spazieren gehen, auch mal "verbotene" Lebensmittel essen, wenn ich drauf Lust habe (bei mir betrifft das vor allem Salami und Leberwurst), kein Leitungswasser mehr trinken (ich habe festgestellt, dass unser Wasser im Haus doch sehr kalkhaltig ist). Das macht logisch gesehen überhaupt keinen Sinn, aber mir hat es vor allem in der Zeit, in der ich den Kleinen noch nicht spüren konnte, sehr geholfen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist auch nach einem Spätabort möglich, ein gesundes Kind auszutragen. Die Ängste werden dich bei weiteren Schwangerschaften nie verlassen, aber es ist möglich Bewältigungsstrategien zu finden, die einen nicht gänzlich durchdrehen lassen.

Ich wünsche dir alles Gute!

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Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von Emmi35 am 31.10.2021, 7:56 Uhr

Ich danke euch vielmals für eure Antworten. Das hilft mir sehr.
Es belastet mich wirklich extrem zusätzlich, die Ursache nicht zu kennen und aktiv nichts tun zu können. Aber dass dies in der Hälfte der Fälle nicht festgestellt werden kann, beruhigt mich leicht.
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und danke euch sehr für eure verständnisvollen Antworten.

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Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von sneram am 01.11.2021, 19:42 Uhr

Hallo und mein herzliches Beileid,

deine Geschichte ist fast 1:1 meine. Nur das es bei mir die 17. Woche war...

Meine Hebamme war Gold wert und hat mich sehr unterstützt. Auch nach FG hat man Anspruch darauf. Vielleicht auch ein Weg für dich?
Außerdem haben wir unser Kind bestatten lassen. Der Abschiedsgottesdienst tat mir sehr gut.
Es gibt viele Möglichkeiten Abschied zu nehmen und dem Kind einen Platz zu geben-wenn man das möchte.

Und ja, ich kann dir Hoffnung machen aber natürlich keine Garantie geben:
Ich bin wenige Monate später wieder schwanger geworden, wurde nicht als Risikoschwangere eingestuft (war für meine Psyche auch besser), habe die empfohlenen Untersuchungen (aber nicht mehr) gemacht, habe bis zum Mutterschutz gearbeitet und dann mit meiner tollen Hebamme das Kind wohlauf im daheim geboren.
Schiss hatte ich bis ca. 2 Wochen vor der Geburt.

Alles Gute, Zeit und Kraft

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Re: Stille Geburt - ungeklärte Ursache?

Antwort von Emmi35 am 02.11.2021, 13:18 Uhr

Liebe Sneram
Herzlichen Dank für Deine Worte, die mir Hoffnung geben

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