Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Röntgenkontrolle wirklich nötig?

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Hallo! Ich muss eine Frage loswerden, die mich nach wie vor beschäftigt. Mein Sohn ist inzwischen drei und hatte als neugeborener eine Tübingerhüftschiene.

Bei der ersten Untersuchung war er 6 wochen alt und hatte rechts: Alpha 59 und beta 50 grad. Links: Alpha 65 und beta 53 grad. Also beide Seiten 2a+. Daraufhin sollte ich ihn 6 wochen breit wickeln und viel im Tuch tragen.

6 wochen später sind wir zur Kontrolle. Da hatte er rechts: Alpha 62 und beta 48 grad (2a+)und links: Alpha 66 und beta 53 grad 2a+ - 1a). Daraufhin dann haben wir für 6 wochen die schiene bekommen. Da ich mich von der Ärztin schlecht betreut gefühlt habe und ich es nicht glauben konnte und mein Sohn sich sehr gequält hat, habe ich eine zweite Meinung eingeholt. Bei der zweiten Ärztin waren wir zwei Tage später und sie hat folgendes gemessen: rechts: Alpha 62 beta 59 grad (1b) und links alpha 66 und beta 53 grad (1a). Also deutlich besser als zwei Tage zuvor bei der ersten Ärztin. Sie meinte, aus ihrer Sicht braucht unser Sohn keine schiene. Aber wo er sie jetzt eh schon trägt, soll er sie noch eine Woche tragen und dann sollen wir nochmal kommen. Bei der Abschlusskontrolle dann waren die Werte rechts Alpha 65 beta 59 (1b) und links: alpha 66 und beta 53 grad (1a). Er hat die Schiene Also etwa eine Woche getragen.

Die Ärztin sagte damals er soll mit ca 2 geröntgt werden um zu kontrollieren ob alles gut verknöchert ist. Meine Kinderärztin sagte damals, davon hätte sie noch nie gehört und das wäre nicht nötig. Ich bin überhaupt kein Freund vom impfen und schon gar nicht in dem Alter und dann noch im genialbereich. Ist das bei einer so kurzen Behandlung, die aus Sicht der zweiten Ärztin noch nicht mal notwendig gewesen wäre, wirklich notwendig zu röntgen?

Danke für Ihre Einschätzung.

von LenaRJ am 09.07.2020, 21:41 Uhr

 

Antwort auf:

Röntgenkontrolle wirklich nötig?

Liebe Eltern, liebe besorgte Mutter,

hier zeigt sich wieder der alte Grundsatz, dass eine gute Hüfte schlecht geschallt werden kann, aber eine schlechte Hüfte nicht gut geschallt werden kann. Das heißt möglicherweise waren bei den ersten Untersuchungen durch welche Gründe auch immer der recht guten Hüfte schlechte Ultraschallwerte zugeordnet worden. Zu allerletzt kam es ja dann doch noch gut heraus, und ich würde an ihrer Stelle den zuletzt angefertigten Ultraschall werden trauen. Trotzalledem bei dem ganzen Vorgehen immer ein Zweifel übrig.
Faktum ist, dass alle Kinder, die Spreizhosen getragen haben, mit dem zweiten Lebensjahr geröngt werden müssen. Dies ist eine Leitlinie in der Kinder Orthopädie und ist auch eine sinnvolle Sache. Denn viele Hüften, die NachReifen mussten mit Spreizhosen, haben möglicherweise später Verknöcherungsprobleme, die man im Röntgenbild finden oder ausschließen muss.
Da ich die Ultraschallbilder nicht gesehen habe und keine Qualitätskontrolle hier in diesem Forum machen kann, kann ich mich nur an die Empfehlungen der Leitlinie halten und das Röntgenbild empfehlen. Ob in diesem ganzen "Kuddelmuddel" der Ultraschallbilder am Anfang der Untersuchungsreihe Ihres Kindes Fehler gemacht worden sind, kann ich nur vermuten aber jetzt nicht beweisen. Aus Sicherheitsgründen ist hier ein Röntgenbild mehr nicht statthaft, da die Röntgenstrahlen heute etwa die 10-fach niedrigere Dosis als noch in ihrer Kindheit haben. Ich würde also bei meinem Kind, falls ich nicht selber den Ultraschall gemacht hätte, eher auf Nummer sicher gehen und das Röntgenbild mit dem zweiten Lebensjahr durchführen lassen. Die Begründung, wie Sie hier sehen, es rein formal und Sicherheitslastig. In Tagen der Unsicherheit, sollte man eher gut beweisbare Fakten schaffen, und das heißt ein Röntgenbild vermessen und feststellen, dass die Hüfte gut ist.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Jan Matussek

von Dr. J. Matussek am 20.07.2020

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