Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Hüfte

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Sehr geehrte Herren Doktoren,

Ich kontaktiere Sie mit der Bitte um Ihre Einschätzung zu folgendem Sachverhalt:
Mein Sohn wurde am 07.04.20 geboren, bei der U3 erhielten wir eine Überweisung zur Kinderorthopädie da die Hüftsono auffällig :
Die Alpha Winkel betrugen links und rechts 54 Grad , Beta links 54, rechts 69.

Vier Tage später waren wir beim Kinderorthopäden. Hier erhielten wir ff. Befund :
Familienanamnese neg., Geburtsverlauf normal, klinischer Befund links und rechts ohne pathologischen Befund, Sonographischer Befund:
Knöcherne Formgebung ausreichend (links und rechts) , Knöcherner Erker rund (links und rechts) , knorpeliger Erker übergreifend (links und rechts), Winkel alpha 57 (links und rechts), beta 71 (rechts), 74 (links), Hüfttyp nach Graf 2a+.

Bei der jetzt stattgefundenen Kontrolle vier Wochen später wurden per Sono ff Werte gemessenen: Alpha Winkel links 61, rechts 59. Beta Winkel links 58, rechts 64. Mein Sohn ist aktuell (Sono war gestern ) 9 Wochen und drei Tage alt. Es wurde uns eine Tübinger Hüftschiene verordnet.

Die Frage, weshalb es nicht 'von alleine' zu einer ausreichenden Nachreifung gekommen ist, blieb im Raum stehen. Es wurde lediglich gesagt, dies könne viele Ursachen haben, auch neurologische. Dies beunruhigt mich natürlich stark.
Kann es sein, dass auch die Schiene nicht zu einer Besserung führt oder noch weitere Ursachen dahinter stecken? Mein Kind hat einen kleinen Nabelbruch und ein tiefes Steißbeingrübchen, beides wurde vom Kinderarzt als nicht behandlungsbedürftig eingestuft. Das Steißbeingrübchen wurde per Ultraschall abgeklärt, es ist harmlos. Leider habe ich dies beim  Orthopäden vergessen zu erwähnen. Kann es hier einen Zusammenhang geben?

Wie schätzen Sie die Diagnose und den Sachverhalt ein?

Herzlichen Dank!
Freundliche Grüße

von Vroni M am 15.06.2020, 07:14 Uhr

 

Antwort auf:

Hüfte

Liebe Eltern, liebe Familie, ich schätze den Sachverhalt nicht so dramatisch ein: man sieht hier einen relativ häufig anzutreffenden, leichten Reifungsverzögerungsverlauf. Die Hüften von Kindern sind bei Geburt nicht reif und müssen in den ersten zwölf Wochen nach Geburt NachReifen. Dies geschieht entweder von alleine oder man hilft etwas nach, in dem man die Hüften in Abspreizstellung bringt.
Das hat hier der KinderOrthopädie für Sie entschieden.
Er hat gesehen, dass dieser natürliche Nach Reifungsprozess etwas beschleunigt werden sollte, damit dann mit Abschluss der zwölften Lebenswoche die Winkel Alpha über 60° und die Beta-Winkel möglichst unter 55° entwickelt sind.
Ihre angegebenen Alphawinkel sahen ja gar nicht so schlecht aus, und das Kind war erst neun Wochen alt. Das heißt, Man geht jetzt mit der AbSpreizBehandlung auf Nummer sicher, dass aus der Hüfte Ihres Kindes eine Luxus Hüfte wird.
Das hätte man in unserer Klinik wahrscheinlich genauso gemacht.
Das Thema Ursachenforschung ist für die Hüft Reifungsverzögerung ein riesiges Diskussions-Thema auch heute noch. Ich würde mal nicht von neurologischen Problemen ausgehen, obgleich ich ihr Kind natürlich nicht untersucht habe. Die von Ihnen beschriebenen Befunde deuten nicht darauf hin. Der Kinderarzt hätte sie darauf auch schon längst hingewiesen in seinen Untersuchungen. Man muss einfach davon ausgehen, dass HüftReifungsverzögerung zum Menschen gehören, mal mehr und mal weniger. Die AbSpreizBehandlung entspricht ungefähr dem Anschnallen des Kindes an Ihren Körper mit abgespreizten Beinchen, so wie es unsere Urmütter mit ihren Kindern gemacht hatten.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Jan Matussek

von Dr. J. Matussek am 15.06.2020

Antwort auf:

Hüfte

Haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre fundierte und ausführliche Antwort!!

von Vroni M am 15.06.2020

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