Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Gangstörung nach Sturz

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Guten Abend,
Unser knapp 4-jähriger Sohn ist vor 9 Tagen vom Klettergerüst aus 1,6m Höhe in den nassen Sand gestürzt. Initial Starke Schmerzen im Bereich des rechten Gesäßes/ Oberschenkel, nach 2 Tagen Schmerzfrei. Passiv ist alles frei beweglich, soweit bei dem Alter beurteilbar keine Paresen.
Leider läuft er weiterhin nicht gut, und vermeidet dies auch. Es sieht nach wenigen Schritten aus, als knicke er in der Hüfte weg. Langsames Gehen funktioniert gut, Rennen ist gar nicht möglich. Schmerzen verneint er.
Da wir im Urlaub sind, erfolgte die Untersuchung durch den Notdienst ( kein kinderorthopäde), jedoch sehr gründlich.
Im Röntgen der rechten Hüfte wurde eine Fraktur oder Luxation ausgeschlossen.
Meine Frage: wie lange darf er humpeln?
Ist dies eine übliche Situation, und kann man noch eine Weile zuwarten, oder macht es Sinn, den Urlaub abzubrechen?
Vielen Dank für Ihre Antwort!

von kaethe77 am 14.07.2020, 20:22 Uhr

 

Antwort auf:

Gangstörung nach Sturz

Liebe Eltern, Liebe besorgte Familie,

ein komplexes und nicht leicht zu beantwortendes Problem. wenn wir davon ausgehen, dass der untersuchende Notarzt sich alles angeguckt hat, und im Röntgenbild der Hüfte zumindest keine Fraktur zu sehen war, dann muss man von einer schweren Prellung ausgehen. Viel schlimmer allerdings ist, dass bei einem 4-jährigen Kind die Ursachen für eine Störung am Bewegungsapparat oft verschleiert sind und ganz woanders liegen können. Gut ist, dass ihr Sohn nicht über Schmerzen klagt. Tatsächlich hat er immer noch irgendetwas, was nicht genau erkannt werden kann, und schon gar nicht in diesem Forum. Es ist also wie in einem Kriminalfall: Die Indizien-Lage zählt. Wenn er kein Fieber hat und keine Schmerzen hat und ansonsten frohen Mutes ist, würde ich den Urlaub wahrscheinlich nicht abbrechen. Das ist ja eine wichtige Familienzeit. Dass er nicht rennen kann, für eine Zeit von 2-4 Wochen nach dem Unfall ist ein häufiges Phänomen. Die Frage ist ja, ob durch eine bessere Diagnose am Heimatort irgendetwas an der Gesamtlage verbessert werden kann. Das ist schwer zu beurteilen. Ich würde bei dieser Frage noch einmal den lokalen Notarzt heranziehen, wenn er ihre Sprache spricht. Wenn dieser aufgrund der Gesamtentwicklung eher besorgt ist, dann würde ich wahrscheinlich weitere Untersuchung eher zügig durchführen. Wenn er meint, dass es dem Jungen eigentlich gut geht und dass es nur beim Rennen ein Problem gibt, würde ich den Urlaub nicht abbrechen.

Mit freundlichen Grüßen, JM

von Dr. J. Matussek am 20.07.2020

Mobile Ansicht

Impressum Team Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2020 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.