Wann beginnen Babys, ihre Händchen und  Finger zu nutzen?

Ein Meilenstein fürs Baby: Händchen und Finger nutzen!

Es ist wunderbar anzusehen, wenn Babys beginnen, ihre Hände und Finger immer gezielter einsetzen, um die Welt
um sie herum zu entdecken, als würden sie fragen wollen: was ist das für ein Ding da? Kann man das anfassen?
Welches Spielzeug eignet sich für die Kleinen in dieser Zeit am besten? Wir haben Kinderarzt Dr. Andreas Busse
gefragt, wie diese Entwicklung im ersten Lebensjahr vor sich geht.

Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse

Wann beginnen Babys, ihre Händchen und Finger zu nutzen, Herr Dr. Busse?

Dr. Busse:

Die eigenen Hände sind bereits ab der Geburt das erste „Spielzeug“, mit dem sich Babys beschäftigen. Bereits vor der Geburt nimmt das ungeborene Kind seine Fingerchen in den Mund und saugt daran. Auch nach der Geburt ist das ein ausgezeichnetes Mittel, sich selbst zu beruhigen. Sehr bald wird dann eine Hand vors Gesicht geführt und betrachtet, während die Finger bewegt werden.

So wird die Hand-Augen-Koordination geübt, die im 2. und 3. Lebensmonat dann schon gut funktioniert. Gleichzeitig verliert sich der angeborene Greifreflex, der sonst den aktiven Gebrauch der Hände behindern würde. Jetzt kann das Baby die vielen Möglichkeiten entdecken, die seine Hände ihm bieten.

Redaktion:

"Greifen" will also erst einmal gelernt sein, oder ...?

Dr. Busse:

Das ist wahr: Dinge zu greifen, festzuhalten und wieder loszulassen, mag uns selbst­verständ­lich erscheinen. Aber es erfordert sehr viel Übung, die mit Reifungsprozessen im kindlichen Gehirn einhergeht. Sehen und Greifen sind wie bereits gesagt eng verbunden: Augen- und Handbewegung müssen aufeinander abgestimmt werden. Und das wird von Geburt an geübt.

Mit etwa vier Monaten haben Babys ihre Hände richtig kennengelernt. Das Spiel damit wird immer zielgerichteter und spannender. Sie können die Arme nach vorne bringen, ihre Hände jetzt öffnen - das Zusammenspiel beider Hände steuern und gezielt zu einem Gegenstand führen Zwischen 4 und 5 Monaten beginnen die Kinder jetzt gezielt zu greifen. Am liebsten wird das erst mal mit den Händen der Eltern geübt.

Redaktion:

Wenn Babys dann erste Dinge greifen können, stecken sie sie meist auch gleich in Mund - warum?

Dr. Busse:

Das hilft ihnen, Dinge zu erkunden. Babys „begreifen“ ihre Umwelt tat­sächlich, indem sie alles anfassen und zusätzlich mit dem Mund erkunden. Außerdem tut das Lutschen und Herumkauen auf Spielzeug gut, wenn die Zähnchen kommen. Weil Kinder alles in den Mund stecken, ist es so wichtig, dass Spielzeug keine schädlichen Stoffe enthält, etwa Weich­macher. Auch sollte sich beim Ablutschen die Farbe nicht auf- oder ablösen. Es ist praktisch, wenn die Sachen sich gut säubern oder waschen lassen. Und selbstverständlich darf Babyspielzeug keine Teile enthalten, die abgehen und die das Kind verschlucken könnte! Mit dem CE-Kennzeichen bestätigt der Hersteller zwar formal, dass das Spielzeug die entsprech­enden EU-Sicherheitsnormen erfüllt. Als aussage­kräftiger und zuver­lässiger gilt jedoch das GS-Siegel für „Geprüfte Sicherheit“. Tipp: Trägt ein Spielzeug das „Spiel gut“-Siegel ist es auch aus pädagogischer Sicht besonders geeignet.

Redaktion:

Der nächste Schritt nach dem Greifen wäre das gezielte Loslassen?

Dr. Busse:

Ja, nach der Koordination des Greifens und des Festhaltens kommt das bewusste Loslassen, bzw. die Überlegung, etwas zu einem bestimmten Zweck gezielt wieder loszulassen. Beispielsweise, um etwas an einem bestimmten Ort abzu­legen. Oder auch, um Dinge von einer Hand in die andere wandern lassen, um sie aus anderer Perspektive betrachten zu können. Nach viel Übung schaffen Kinder es dann um den ersten Geburtstag herum, jemandem einen Gegenstand in die hingestreckte Hand zu legen. Das ermöglicht ihnen nun viele neue Möglichkeiten, mit anderen zu spielen und zu kommunizieren.

Redaktion:

Welches Greifspielzeug eignet sich denn für Babys?

Dr. Busse:

Idealerweise Spielzeug, das zur jeweiligen Alters- und Entwicklungsstufe passt. Dann hat das Kind am meisten Spaß damit. Für die Jüngsten sind gut zu greifende, einfache und leichte Spielsachen ideal. Sie verhindern auch, dass Babys sich verletzen: Anfangs fällt ihnen das Spielzeug oft aus der Hand und landet prompt im Gesicht. Abwechslung bei den Materialien ist sinnvoll, das stimuliert Tastsinn und Neugier.

Mit etwa fünf Monaten mögen Kinder kleine Stofftiere oder -puppen. Aber auch leicht zu greifende Bälle oder Stapel­becher sind Spielzeuge, die Kinder im Laufe des zweiten Lebens­halbjahrs anziehen. Dinge, die Kraft, Beweglichkeit und Koordination fördern. Und besonders interessant sind natürlich alle Dinge, die im Haushalt von den Eltern benutzt werden und erreichbar sind. Deshalb ist es ab dem „Greif­alter“ besonders wichtig, dass Eltern darauf achten, dass sich keine gefährlichen Dinge in Reichweite befinden.

Redaktion:

Gibt es Spielsachen, die speziell die Feinmotorik fördern?

Dr. Busse:

Dazu gehört alles, was den gezielten Einsatz der Finger unterstützt. Im ersten Halbjahr greifen Babys noch mit der ganzen Handfläche und umschließenden Fingern. Erst in den Monaten danach beginnt die Entwicklung des „Pinzetten-“ oder „Zangengriffs“: Die Kinder lernen, auch kleine Dinge mit Zeigefinger und Daumen zu greifen. Dieser Entwicklungs­schritt eröffnet unendliche Möglichkeiten für den immer feineren Einsatz der Finger. Zunehmend haben Kinder nun Freude daran, mit kleineren Dingen zu hantieren und Details zu untersuchen. Sie werden auch deutlich geschickter. Abwechslungsreich gestaltete Spielwürfel, Fühl- und Guckloch-Bilderbücher oder auch erste einfache Steckspielzeuge kommen jetzt gut an.

Redaktion:

Vielen Dank für die Tipps, Dr. Busse.

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